Freude über neue Freiheit

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Die bunten Schirme der Marktbeschicker auf dem Wilhelmsplatz haben sich neu formiert. Auffällig: der große freie Platz in der Mitte. Er soll künftig zum Plausch einladen und ist für kleinere Aktionen gedacht.

Offenbach ‐ Auf dem umgestalteten Wilhelmsplatz hat auch der Wochenmarkt wieder mehr Platz. Es gibt Tage, da hat der Journalist leichtes Spiel. Von Matthias Dahmer

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Da kommen die Stimmen und Stimmungen, die er einfangen soll, einfach nur so angeflogen, ergibt sich ein Meinungsbild wie von selbst. Der gestrige Vormittag auf dem Wilhelmsplatz war so ein Tag. Also, Stunde Null auf dem Wochenmarkt. Es regnet. Nicht nur Tropfen, sondern auch und vor allem Zustimmung für die neu gewonnene Freiheit nach dem Umbau. Vereinzelt keimt Kritik, schmeckt nicht jedem Beschicker sein neuer Standort. Immer wieder und immer noch ein Ärgernis bei der treuen Kundschaft ist indes das Pflaster.

Der freie Platz in der Mitte

Von vorne: Der Weg vom Frei-Parkhaus zum Platz ist derzeit nicht gerade einladend. Doch ist man erst mal am Streichholzkarlchen vorbei, wird’s deutlich: Endlich wieder Platz. Kein Gedränge. Kein Slalom: Gerade Wege führen von Stand zu Stand. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber schon jetzt die Fantasie anregend: der freie Platz in der Mitte. „Da stellt Morgen der Oberbürgermeister sein Elektrofahrrad ab und tanzt an der Stange“, wird zwischen Obst und Gemüse gescherzt und der Version vom künftigen Schneider-Brunnen eine weitere Nutzungsmöglichkeit hinzugefügt.

Zufriedene Mienen finden sich etwa bei Ramona Kaiser, vom gleichnamigen Fleisch- und Wurststand oder auch bei Sandra Lohrer, die hinter der Fischtheke steht. Aufbau am frühen Morgen, neuer Standplatz – alles null Problemo. Und auch die Kundschaft sei positiv gestimmt.

Vereinzelt haben die Beschicker einvernehmlich ihre Plätze getauscht, bestätigt auch die Marktaufsicht. Mal passte der Anfahrtsweg auf neue Areal nicht so ganz, mal war’s auch nur die Nähe zum Currybratwurst-Duft, die einen Standbetreiber zum Platztausch bewog. Doch zu 95 Prozent wurde der vorgesehene Standplan eingehalten, heißt es.

„Erstmal abwarten“

„Vorher, das war ja kein richtiger Markt“, trauert Michael Lehning den vergangenen Monaten keine Minute nach. Der Beschicker aus Bruchköbel verkauft sein Obst und Gemüse jetzt kurz vor den Parkplätzen auf dem südlichen Teil des Platzes. Sein erster Eindruck: Das ist in Ordnung hier, nun muss man sehen, wie’s läuft.

Ähnliches ist von Erich Fuchs zu hören, der seine Blumenpracht an der Westseite anbietet. „Erstmal abwarten“ lautet seine Devise zum Auftakt. Noch ist für die Kunden die Orientierung nicht einfach, sagt Fuchs, der sich noch nicht so recht vorstellen kann, was auf dem freien Platz in der Mitte passieren soll. Ein dickes Lob zollt er dem Marktmeister, der es in der Umbauphase nicht immer leicht hatte.

Die Wege zwischen den Ständen sind wieder breiter, der Baustellencharakter ist verschwunden. Der Ärger übers Pflaster ist indes geblieben.

Zur noch die Stände suchenden Kundschaft gehören Heiner Buchholz und Melanie Bading. Die gebürtigen Berliner, die seit Jahrzehnten in Offenbach leben, schwärmen von einem „einmaligen Wochenmarkt“. Einen solchen habe selbst ihre Geburtsstadt nicht zu bieten. Kein gutes Haar lassen sie indes am neuen Pflaster. „Das ist noch schlechter als vorher. Da hat man nicht an die alten Leute gedacht“, schimpft Melanie Bading. Eine Stolperfalle, bei Regen zu glatt, das Gefälle zu groß und für Stöckelschuhe tödlich, lautet das vernichtende Urteil der beiden regelmäßigen Marktgänger.

Vom Laufen hat’s auch Heidi Jung an ihrem Gemüsestand. Allerdings in einer anderen Bedeutung. „Es läuft super“, sagt das zusammen mit Anne Färber zu literarischen Ehren gekommene Wochenmarkt-Original. Mit der Sanierung, findet sie, werden die Karten neu gemischt. Nun liege es an jedem selbst, etwas daraus zu machen.

Diese Sichtweise teilt Bernhard Heckelmann nicht. Er musste mit seinen Kräutern und Pflanzen vom angestammten Standort an der westlichen Straße mehr in die Mitte rücken. Er klagt über viel zu wenig Platz und fehlende Möglichkeiten, bei Bedarf nachliefern zu können. „Irgendwann werden wir halt nicht mehr hier sein. Der Totentanz für den Wochenmarkt hat heute angefangen.“

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