Lockerungen

Für die Friseure endet der Corona-Lockdown: Freude und Erleichterung in Offenbacher Salon

„Ich gehe zwar kaum raus, habe derzeit fast keine sozialen Kontakte, aber trotzdem will man ja gepflegt aussehen“, sagt eine Kundin.
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„Ich gehe zwar kaum raus, habe derzeit fast keine sozialen Kontakte, aber trotzdem will man ja gepflegt aussehen“, sagt eine Kundin.

Nach zweieinhalb Monaten Pause dürfen die Friseure in Deutschland wieder öffnen. Erleichterung ist auch im Salon von Martina Acht in Offenbach zu spüren.

Offenbach – Gut gelaunte Stimmen unterhalten sich. Rollwagen mit Scheren und Kämmen werden umhergeschoben. Immer wieder jaulen Föhne. Die Tür geht auf und zu, Kunden kommen, Kunden gehen. Es ist Montag, 11 Uhr, und in der Ludwigstraße 83 herrscht reges Treiben. Wie alle ihre Branchenkollegen durfte Martina Acht ihren Friseursalon gestern wieder öffnen.

Wochenlang ging wegen Corona gar nichts, seit Mitte Dezember waren die Salons dicht. „Zehn Wochen Tatenlosigkeit musste ich ertragen“, sagt die frühere Friseurweltmeisterin. „Wir sind heilfroh, dass wir wieder öffnen dürfen.“ Die zurückliegenden Monate waren auch für Martina Acht hart.

Friseure sind erleichtert: Salon in Offenbach schnitt seit früh morgens Haare

Gut 100 .000 Euro habe sie in den Laden stecken müssen, ohne Einnahmen. „Die Kosten laufen ja weiter.“ Außerdem musste sie das Kurzarbeitergeld für ihre Mitarbeiterinnen vorstrecken. Corona-Hilfe vom Staat bekommt sie nicht für Dezember und Januar. „Ich habe das Pech, dass es bei uns im Jahr zuvor zu gut lief.“ Trotzdem weiß Martina Acht, dass sie im Vergleich zu vielen ihrer Zunft gut dasteht. „Ich habe große Angst um die Kollegen, die noch nicht so lange dabei sind wie ich, die nicht genug Rücklagen haben.“

Mutter-Tochter-Gespann: Martina und Josephine Acht freuen sich, dass sie ab sofort wieder Kunden im Salon an der Ludwigstraße bedienen dürfen. Und auch die Kunden sind erleichtert, dass sie endlich wieder zu ordentlichen Friseuren kommen.

Freude und Erleichterung bei ihr nun groß, auch bei ihrer Tochter Josephine, die ebenfalls im Laden steht, bei Kundinnen und Mitarbeiterinnen. Insgesamt sind es zehn Friseurinnen, die in dem Familienbetrieb arbeiten, einschließlich Mutter und Tochter Acht. Sie alle sind im Einsatz, waschen und schneiden, färben und föhnen. Seit halb acht läuft der Betrieb auf Hochtouren. Der Kundenandrang ist groß.

Seit feststand, dass die Friseure am 1. März wieder öffnen dürfen, stand das Telefon bei Martina und Josephine Acht kaum still. Alleine an diesem ersten Tag werden sie und ihre Mitarbeiterinnen rund 40 Frauen und Männern die Frisur richten.

Offenbach: Kunden haben Friseure im Corona-Lockdown vermisst

Eine von ihnen ist Dorothea Gutsch. „Ich konnte noch einen der letzten Termine für heute ergattern“, erzählt sie, während Josephine Acht ihr kinnlanges Haar in Form föhnt. Frische Farbe und ein neuer Schnitt seien jetzt dringend notwendig gewesen, sagt Dorothea Gutsch. Sie ist seit Jahren Stammkundin im Salon Acht; zehn oder 15 sind es sicher, genau weiß sie es nicht mehr. Jedenfalls ist sie erleichtert, dass jetzt auf ihrem Kopf alles wieder seine Ordnung hat. In den vergangenen Wochen hat sie versucht, sich so gut es geht, selbst zu helfen, hat den herausgewachsenen Ansatz mit Färbespray kaschiert. Bei den Profis fühlt sie sich dann aber doch besser aufgehoben. „Ich gehe zwar kaum raus, habe derzeit fast keine sozialen Kontakte, aber trotzdem will man ja gepflegt aussehen.“ Ein Wunsch, den Dorothea Gutsch seit der Salonschließung mit vielen teilte.

Auch wenn sie in dieser Zeit nicht selbst Hand anlegen durften, waren Martina Acht und ihre Tochter für ihre Kunden da, so gut es eben ging. „Telefonisch waren wir erreichbar und haben auch per Videotelefonat Farb- und Pflegeberatungen angeboten“, erzählt sie. Die entsprechenden Produkte konnten dann nach Absprache im Laden abgeholt werden. Gerade, was das Färben anbelangt, sei eine so lange Zeit ohne Friseurbesuch für viele schwierig gewesen. „Einige haben es dann auf eigene Faust versucht und sich da ganz schön die Haare versaut.“

Friseure öffnen wieder: Salon in Offenbach rüstete bei Lüftungsanlage nach

Damit ist nun erst einmal wieder Schluss, die Profis dürfen ran. Doch auch wenn sie jetzt zunächst aufatmen kann, bleibt bei Martina Acht die Sorge, dass eine erneute Schließung kommen könnte. „Klar habe ich da noch Angst davor“, sagt sie und hofft darauf, dass schnellstmöglich alle geimpft werden können. Für den Betrieb unter Corona-Bedingungen sieht Martina Acht ihren Salon gut gerüstet, Angst vor Infektionen hat sie nicht. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat sie extra die Lüftungsanlage überholen lassen.

Und auch in der Ludwigstraße 83 gilt die Regel: pro zehn Quadratmeter Ladenfläche ein Kunde. Aber der Salon ist groß, erstreckt sich über zwei Etagen. Nur zwei der insgesamt 15 Frisierplätze bleiben darum zur Sicherheit unbesetzt. „Außerdem tragen alle Maske, wir desinfizieren und waschen ständig“, sagt Martina Acht. Sie ist sich sicher, den zahlreichen Kunden, die sich für nächsten Wochen angekündigt haben, aber auch den Hygienemaßnahmen gerecht zu werden. (Lena Jochum)

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