Für Klima und soziale Gerechtigkeit

Fridays for Future in Offenbach - 100 Menschen beteiligen sich an Demonstration

In gelber Streikweste begrüßt der OVB-Betriebsratsvorsitzende Zacharias Leis die Teilnehmer der Klimastreikdemonstration.
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In gelber Streikweste begrüßt der OVB-Betriebsratsvorsitzende Zacharias Leis die Teilnehmer der Klimastreikdemonstration.

In Offenbach gingen am Freitag (29.11.2019) etwa 100 Menschen auf die Straße, um im Rahmen der Fridays for Future-Proteste für das Klima zu demonstrieren. Die Offenbach Post war dabei und berichtet. 

Offenbach – „Wehrt euch, leistet Widerstand, gegen die Braunkohle hier im Land“, ertönt es im melodischen Gesang immer wieder aus dutzenden Kehlen. Während sich an anderen Orten anlässlich des sogenannten Black Fridays die Innenstädte mit begeisterten Schnäppchenjägern füllen, haben die nahezu 100 Teilnehmer, die sich am frühen Vormittag am Offenbacher Ostbahnhof eingefunden haben, etwas ganz anderes im Sinn.

Statt sich am künstlich in die Höhe getriebenen Konsumrausch zu beteiligen, sind sie lieber der Schule oder anderen Verpflichtungen ferngeblieben und dem Aufruf der Fridays for Future-Bewegung gefolgt. Anlässlich des globalen Aktionstages der Bewegung tragen sie ihren Protest auf die Straße: lautstark und für alle sichtbar. Untermalt mit bunten Plakaten, Sprechchören und Trillerpfeifen bahnen sie sich ihren Weg durch die Stadt.

Ganz vorne im Demonstrationszug: 20 Jugendliche der Rudolf-Koch-Schule

Ganz vorne im Demonstrationszug haben sich etwa 20 Jugendliche der Rudolf-Koch-Schule eingefunden. „Ich bin hier, um für einen früheren Kohleausstieg als 2030 zu demonstrieren“, begründet ein Sechstklässler seine Teilnahme. „Und damit wir eine Zukunft haben!“, sekundiert ein Mitschüler zu seiner Rechten.

Neben Schildern mit Sprüchen wie „Schlitten fahren - Schnee von gestern“, zeichnen sich insbesondere die Protest-Plakate der etwas älteren Schüler durch Kreativität und Witz aus. „Die Welt wird so heiß wie Leonardo DiCaprio“, ist auf einem zu lesen, ein anderes verkündet die sarkastische Botschaft: „I can’t believe I’m marching for facts“.

Ganz am Ende der Demonstration hat sich Elfriede Hart dem Aufzug angeschlossen. An ihrem Rücken baumelt ein weißes Plakat mit der roten Aufschrift: „Oma for Future.“ Sie schiebt einen Fahrradanhänger mit zwei Kleinkindern vor sich her, an deren Seiten mit grüner Schrift auf weißem Grund zu lesen ist: „Babys for Future“. „Als Teil der 68er-Generation habe ich schon lange für eine Menge Sachen demonstriert“, erzählt sie lächelnd. Dass sich jetzt mit Fridays for Future auch die jüngere Generation einmische und für ihre Anliegen auf die Straße gehe, bezeichnet sie als „ganz toll und wichtig.“ Und während sie weiterhin ihre beiden Enkelkinder vor sich herschiebt, ist für die „Oma for Future“ eindeutig, wo das Problem anzupacken ist: „Wir brauchen eine Systemwende, denn das aktuelle System fährt eindeutig gegen die Wand.“

Fronttransparent der Demonstration. „System Change not Climate Change“

Dass sie sich mit dieser Sichtweise in bester Gesellschaft befindet, verrät bereits ein flüchtiger Blick auf das Fronttransparent der Demonstration. „System Change not Climate Change“, ist dort zu lesen, es fasst prägnant zusammen, dass für die Protestierenden außer Frage steht, dass der Kampf gegen den Klimawandel nur Hand in Hand mit dem für mehr soziale Gerechtigkeit stattfinden kann.

Auf der Kreuzung Waldstraße/ Feldstraße lässt sich dieser Anspruch plötzlich hautnah erleben. Etwa 70 streikende Busfahrer haben sich zu Fuß von ihrem Depot in der Hebestraße auf dem Weg gemacht, um die Demonstration in Empfang zu nehmen. Mit Streikwesten und Verdi-Fahnen begrüßen sie die Protestierenden, dann wird sich in kurzen Redebeiträgen aus beiden Lagern gegenseitige Solidarität und Unterstützung für die jeweiligen Kämpfe zugesichert.

Nach diesem kurzen Intermezzo begibt sich der Demonstrationszug unter lauten „Streik in der Schule, Streik in der Fabrik, das ist unsere Antwort auf eure Politik“-Sprechchören, auf den letzten Abschnitt.

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Abschlusskundgebung auf den Rathaustreppen

In einem Halbkreis vor den Rathaustreppen stehend, lauschen die Teilnehmer bei der anschließenden Abschlusskundgebung noch verschiedenen Reden. Dem Motto der heutigen Demonstration entsprechend beschränken diese sich jedoch längst nicht nur auf den ökologischen Aspekt des Klimawandels. So sprechen zwei Vertreterinnen von Fridays for Future über die Situation im kurdischen Autonomiegebiet Rojava und in Chile, die Friedensinitiative über die Waffenexporte der Bundesrepublik Deutschland und die Naturfreunde unterstreichen noch einmal, „dass Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit unteilbar zusammengehören.“

Mohammad Tayyab zeigt sich abschließend sehr zufrieden mit dem Verlauf der Demonstration. Er gehört zum Kreis der Offenbacher Aktivisten der Fridays for Future-Bewegung. Dass der Großteil der Protestierenden nicht aus Schülern besteht, sieht er durchaus positiv: „Es ist immer schön zu merken, wenn eine Bewegung wächst und zu einer gesamtgesellschaftlichen wird.“

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von Joel Schmidt

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