Frieder hat nichts gegen Frauen

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Mit ihrer Elfersitzung liefern die Mozart-Mannen im ausverkauften Saal eine Sause ab, die des großen Vereinsjubiläums würdig ist.

Offenbach ‐ Von veränderten Zeiten erzählt Siegfried Roet im Bürgerhaus Rumpenheim bei der Elfersitzung des Männergesangvereins Mozart (MGV). Roet ist Vorsitzender des Sängerkreises Offenbach. Von Stefan Mangold

Die Mozart-Mannen feiern in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag – auch wenn ihr Männerchor seinen Konzertbetrieb vor 14 Jahren eingestellt hat. „Ein groß Problem ist nun mal heut, es fehle junge Leut“, benennt Roet die Malaise vieler deutscher Männerchöre. Das Ende der Fastnachtsabteilung ist aber nicht abzusehen. Der Saal des Bürgerhauses war ausverkauft. Wie jedes Jahr.

Und Nachwuchs steht auch in den Mitgliederlisten des MGV. Was schon das Quartett von den Blau-Weiß-Roten (BWR) Mozart-Husaren beweist, das mit einer sportlich ambitionierten Polka aufwartet. In Piratenkluft mit Krummdolchen und Kopftüchern zeigen sieben junge Frauen das ansehnliche Ergebnis ihrer Probenarbeit mit Christiane Adam.

Schlagersängerin Silvia Martens Hit des Abends

Und zur Fastnacht gehört Guggenmusik. Die Powerbrezzler aus Kleinostheim blasen und trommeln „Go West“ von Village People. Die Melodie kennt jeder Fußballfan, viele singen den Text ihres Lieblingsvereins mit: „Steht auf, wenn ihr Kickers seid...“ Später verschaffen sich die Firedrums aus Mühlheim in Gruftikostümen mit Nachdruck Respekt.

Als Hit des Abends erweist sich aber vor allem die als Teufel verkleidete Schlagersängerin Silvia Martens. Mit „Der liebe Gott weiß, dass ich kein Engel bin“ stürmt sie die Bühne. Vereinsvorsitzender Rico Longerich führt als Präsident durch die Sitzung. Parteipolitisch ganz korrekt hängt er dem Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD), dessen Herausforderer Peter Freier (CDU), Ingo Wernig (FWG) und Oliver Stirböck (FDP) Orden um den Hals.

Bauchfreie Textilien zeugen von Mut

Im Vortrag von Marina Blank aus Aschaffenburg geht es um Sprünge aus 15 Metern Höhe. Während der Flugphase wird es dem Springer bange, als er das fehlende Wasser im Becken bemerkt...

Gut in seinem 25-Jahre-Bühnenjubiläum gelandet ist Büttenredner Frieder Gruber. Der gibt die Figur eines alternden Mannes, der wie viele Leidensgenossen von erotischen Glanztaten aus der Jugend prahlt: „Alle in Offenbach riefe, da kommt der schöne Frieder.“ Ein vermeintliches Bonmot wie „Ich hab nichts gegen Frauen, jedenfalls nichts, was hilft“ bedingt besonders beim jungen, weiblichen Publikum amüsiertes Befremden.

Von Männern spricht Gruber hingeben mit Hingabe: „Allein schon der Körperbau erhebt uns über jede Frau.“ Das umschreibt zwar Thomas Mann in einem Roman ähnlich. Doch der spätere Auftritt des Männerballetts aus Raga-Gazellen und BWR-Delphins nährt den Verdacht, dass Grubers These gewagt ist. Mutig präsentiert sich das Quintett in den bauchfreien Textilien von Cheerleadern.

Showtanz in kurzen Jeans und Holzfällerhemden

Die Mädchen vom TSC Fantasy liefern einen ebenso flotten Tanz wie die vom TSV Rhein-Nahe Stromberg, die zu Melodien aus der Operette „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán ihre Beine hochwerfen. Zu „Ich will ‘nen Cowboy als Mann“ liefert die Schelmengarde Gelnhausen einen Showtanz in kurzen Jeans und geknoteten Holzfällerhemden.

Die Frauen von der Freien Turnerschaft aus Oberrad kommen unter Schirmen in gelben Regenmänteln zu den Klängen von „Singin’ In The Rain“ auf die Bühne. Zu Mozarts „Kleiner Nachtmusik“, abrupt unterbrochen von Falcos „Rock Me Amadeus“, tanzen die Stampesbiencher aus Mainz-Bischofsheim in dem Rokokostil entlehnten Kleidern. Die United Dancers treten noch nicht lange zusammen auf. Doch ihre von Michael Jackson inspirierte Choreografie wirkt, als hätten die jungen Frauen Jahre an ihr geprobt.

Bescheidenheit hoffentlich von kurzer Dauer

Herausragend: die Gardetänzerinnen von Undercover aus Wetzlar. Elena Agnetelli aus Gelnhausen tanzt in einer eigenen Sphäre. Kein Wunder, schließlich ist sie mehrfache deutsche und internationale Meisterin ihres Fachs.

„Betty und die Berjel Boys“ von der Raga aus Bürgel besingen zur Melodie „Chatta nooga Choo Choo“ von Glenn Miller und in Anlehnung an Udo Lindenbergs Adaption „Sonderzug nach Pankow“ städtische Begebenheiten. Das Offenbacher Prinzenpaar zieht ebenso ein wie das Kinderprinzenpaar aus Bürgel, Maximilian und Ann-Kathrin. Die erzählt von den Vorzügen einer Prinzessin: „Mit Schuhen, Kleidern und Friseur, was wünscht sich eine Frau noch mehr?“ Eine Bescheidenheit, die hoffentlich nicht ewig hält.

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