Friedhöfen fehlt das Polster

Offenbach - Die Menschen sparen, wo sie können. Und sie können mittlerweile selbst bei städtischen Gebühren, die sie lange Jahre quasi als unveränderliche Kostenposten akzeptiert hatten. Von Marcus Reinsch

Da gibt es welche, die reißen Betonplatten von den Zufahrten ihrer Grundstücke, damit die nun ebenso wie der Trinkwasserverbrauch zur Berechnung der Entwässerungsgebühr herangezogene „versiegelte Fläche“ kleiner wird. Andere entwickeln neue Leidenschaft für Abfalltrennung, weil sie sich kleinere und günstigere Mülltonnen besorgen wollen. Und sie entdecken auch in Sachen Friedhofsgebühren, bei denen es mit Planungssicherheit aus naheliegenden Gründen nicht weit her sein kann, Stellschrauben, an denen zu drehen lohnt.

Das Vorhaben, schon aus Kostengründen aufs Sterben zu verzichten, ist zwar bekanntlich früher oder später zum Scheitern verurteilt. Doch am verfestigten Trend zur - im Vergleich mit der früher häufigeren Erdbestattung viel billigeren - Feuerbestattung lässt sich ablesen, dass Sparsamkeit für zunehmend viele Menschen nicht mit dem Leben endet. Das allerdings bringt die Kalkulation des für den Betrieb aller Offenbacher Gottesäcker zuständigen Stadtdienstleisters ESO kräftig durcheinander.

Der ESO hat - weil das Darmstädter Regierungspräsidium der Stadt Offenbach eine Bezuschussung aus der Stadtkasse keinesfalls wie manch anderer Kommune durchgehen lassen würde - die Gebühren kostendeckend geplant. Dass seit Jahren trotzdem immer ein Minus von rund einer halben Million Euro unterm Strich steht, liege an besagter „massiver Verschiebung“ von der Erd- zur Feuerbestattung, erklärt der für den ESO zuständige Offenbacher Stadtrat Paul-Gerhard Weiß.

Ein Teil des Verlustes sei zwar aus den Einnahmen des dank Rund-um-die-Uhr-Service für Beerdigungsunternehmer aus der ganzen Region attraktiven Krematoriums am Neuen Friedhof auszugleichen. Doch diese jährlich etwa 350000 Euro brutto reichten für eine dauerhafte Stabilisierung der Friedhofsgebühren nicht aus. Es laufe also auf eine Erhöhung hinaus, kündigt Weiß an. Nächstes Jahr sei ein Aufschlag im Bereich der Urnenbestattungen unvermeidlich.

Bei den anderen Gebühren sehe es besser aus. Beim Abwasser beispielsweise werde wohl noch auf fünf Jahre Stabilität herrschen. Zwar seien die Fixkosten, die der ESO für Kanalunterhaltung und Einspeisung in die Frankfurter Kläranlage zahlen muss, hoch. Und mit Blick auf den wachsenden Willen der Offenbacher zum Wassersparen sprudele die Einnahmequelle Entwässerungsgebühr nicht mehr wie früher. Doch seit Ende vorletzten Jahres, als der ESO die Gebühr anlässlich der Aufteilung in Frischwasserverbrauch und Oberflächenentwässerung neu kalkuliert habe, sei ein vier Millionen Euro dickes Einnahmepolster entstanden. Das werde den Bürgern nun quasi Stück für Stück zurückgegeben.

Das ist auch die - in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments von der Links-Fraktion als „Aderlass“ auf Kosten der Bürger geschmähte - Taktik für die Straßenreinigung (Rücklage noch etwa 2 Millionen Euro) und für die Müllgebühren. Bei letzterer habe der ESO Ende 2010 noch ein 6,9-Millionen-Euro-Polster gehabt, erklärt Stadtrat Weiß. Die 2008 umgesetzte 10-prozentige Müllgebührensenkung zum „Abschmelzen“ diese Überschusses hätte also, wie von den Linken festgestellt, zugegebenermaßen etwas höher ausfallen können. „Wir waren davon ausgegangen“, sagt erklärt Weiß, „dass das Abschmelzen schneller passiert, weil wir hohe Müllverbrennungspreise befürchten mussten.“

Und der Preisschock, der könne ja noch kommen. „Die Rhein-Main-Abfall GmbH ringt um ihre Preisstabilität. Gesichert ist die jedenfalls noch nicht.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild dpa

Kommentare