Friedhofsservice für ältere Menschen

Mit dem Taxi bis zum Grab

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Das neue Angebot auf dem Neuen Friedhof ist vor allem für ältere Besucher interessant: Sie können sich ab sofort kostenlos über das Gelände chauffieren lassen. Möglich macht’s das Starthaus.

Offenbach - Der Weg zur Grabpflege ist für vor allem für ältere, gebrechliche Menschen oft mühsam. Deshalb müssen innovative Ideen her, um diese Barriere zu überwinden. Von Fabian El Cheikh

Um ihnen den Besuch auf dem Neuen Friedhof zu erleichtern, hat die Verwaltung in Zusammenarbeit mit der pädagogischen Einrichtung Starthaus ein Angebot geschaffen, das viele mit Sicherheit sehr dankbar annehmen werden. Ab sofort fährt ein so genanntes Friedhofstaxi Besucher bis zum gewünschten Grabfeld. Und das völlig kostenlos. Wer sich aber erkenntlich zeigen will, darf die eine oder andere Münze in eine dezent angebrachte Spendenbox einwerfen.

Die Fahrt über das zwölf Hektar große Friedhofsgelände lohnt nicht nur, um sich bequem kutschieren zu lassen. Gerade dann, wenn Schaufel, Kerzen und Blumen mit im Gepäck sind. Sie ist auch eine angenehme Alternative, um an warmen Tagen den erfrischenden Fahrtwind zu genießen. Bis zu drei Personen können auf den elektrisch betriebenen und damit völlig lautlosen gelben Golfcaddys Platz nehmen.

Friedhofsanlagen so besucherfreundlich wie möglich

Angst vor zunehmendem Verkehr auf dem auch als Naherholungsgebiet genutzten Gelände muss indes keiner haben. Friedhofsleiterin Gabriele Schreiber erhofft sich durch das neue, barrierefreiheit Angebot sogar, dass der eine oder andere auf eine Autofahrt zum Grab verzichtet. „Das war zwar ohnehin nie erlaubt, bei älteren Menschen haben wir aber immer ein Auge zugedrückt.“

Die Friedhofsverwaltung unter dem Dach des städtischen Eigenbetriebs ESO bemüht sich seit Jahren, die Offenbacher Friedhofsanlagen möglichst besucherfreundlich zu gestalten. „Gerade da ist es uns wichtig, dass die Besucher Angebote vorfinden, die ihnen in Zeiten von Trauer und Abschied Hilfe spenden“, so Schreiber. „Jetzt freuen wir uns, dass in einer Kooperation mit Starthaus dies möglich werden kann.“ Immer wieder hätten in der Vergangenheit wenig mobile Besucher den Wunsch nach einer solchen Unterstützung geäußert.

Fahrt rund um das Gelände dauert fünf Minuten

Betrieben werden die beiden Fahrzeuge (eins dient als Reserve) von einem Erwachsenen und einem Jugendlichen. Damit sie den Caddy nicht in einen Rennwagen verwandeln, wurde dessen Geschwindigkeit auf maximal sieben Kilometer pro Stunde gedrosselt. „Wir wollen nicht über den Friedhof heizen und die Fahrgäste verängstigen“, betont der für Jugendmaßnahmen zuständige Projektleiter Hakan Erdogan vom Starthaus. Eine Fahrt rund um das Gelände dauert bei dieser Geschwindigkeit etwa fünf Minuten. Und damit es zu keinen bösen Überraschungen unterwegs kommt, geben die Elektromobile mit Automatikbetriebe auch beim Rückwärtsfahren einen Warnton ab. Die Hupe wiederum erinnert an eine dezente Klingel.

Genutzt werden kann das Taxi am Friedhofseingang, dort soll demnächst ein regelrechter Taxistand eingerichtet werden. Eine Sitzbank steht schon. „Wir werden uns noch eine Überdachung überlegen, auch für die Fahrzeuge“, verspricht Erdogan. Die Chauffeure selbst sind von ihm persönlich eingewiesen worden und an einem gelben T-Shirt und gelber Basketballmütze mit dem Aufdruck „Friedhofs-Taxi“ zu erkennen. Wer möchte, kann seine Fahrt vorab telefonisch anmelden oder einfach am Eingang einsteigen. „Feste Fahrzeiten können wir nicht gewährleisten.“

Bei Regen kein Taxiverkehr möglich

Das Taxi ist seit gestern in Betrieb. Einige Einschränkungen gibt es allerdings: Bei Regen darf es aus Sicherheitsgründen nicht ins Rollen kommen. „Die Gefahr eines Kurzschlusses wäre zu groß.“ Und auch im Winter muss das Angebot pausieren. „Grundsätzlich stehen wir zu Diensten von Ostern bis Oktober, eben zu den Zeiten, an denen man mit Sommerreifen am eigenen Pkw unterwegs ist.“

Angeschafft wurden die Mobile vom Starthaus für zirka 3000 Euro. Sie waren zuvor zehn Jahre lang auf dem Frankfurter Flughafen für Wege zwischen den Terminals im Einsatz. „Das Geld haben wir dank Spenden zusammenbekommen“, erläutert Geschäftsführerin Andrea Egerer. Für Pflege und Nutzung verantwortlich sind arbeitslose Jugendliche, die meist keinen Schulabschluss haben und mit dem Projekt Jugend@Work der Bildungseinrichtung fit gemacht werden sollen für eine spätere Berufsqualifizierung.

Arbeitslose Jugendliche werden für Zukunft fit gemacht

„Wir suchen gemeinsam mit den Teilnehmern Wege, wie sie ihr Leben selbstständig in den Griff bekommen“, so Egerer. „Das fängt zumeist an mit der Vermittlung von Grundtugenden wie Pünktlichkeit und Verlässlichkeit.“ Bereits jetzt leisten solche Jugendliche pflegerische Arbeiten auf dem Friedhof, haben unter anderem die Trauerhalle mit Mosaikarbeiten verschönert. Beteiligt am Taxi-Angebot sind aber auch sogenannte Arbeitsgelegenheitskräfte (AGH) aus dem Kreisgebiet. „Wer immer anwesend und fleißig ist, darf als Belohnung später die Gäste chauffieren“, gibt Erdogan die Parole zum Ansporn.

Das kostenlose Friedhofstaxi ist verfügbar in der Zeit von Ostern bis Oktober, jeweils montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 13 Uhr. Wichtig: Nur bei trockenem Wetter! Telefonische Anmeldungen (etwa für größere Gruppen) sind möglich unter Tel: 069/8065-2554 oder -2154. Das Taxi kann aber auch ohne Anmeldung beim Eintreffen am Eingang genutzt werden. Zum Neuen Friedhof fahren übrigens auch die Buslinien 103 und 120.

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