Traditionslokal „Zur Heumache“ setzt auf modernes Lokalkolorit

Frischer Wind am Sportplatz

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Dennis Grabert hat der traditionsreichen „Heumache“ neues gastronomisches Leben eingehaucht. Stolz ist der 33-Jährige auf die Mitgliedschaft bei „Hessen à la carte“, der Kooperation hessischer Regionalküchen. Wenn es nach dem Küchenchef geht, sollen weitere Projekte folgen.

Bieber - Seit 1. Mai hat das Traditionslokal „Zur Heumache“ am Sportplatz wieder geöffnet. Neuer Inhaber und Küchenchef ist Dennis Grabert, der seine Gäste „mit Bekanntem glücklich machen“ will. Und seine erste Bilanz klingt optimistisch. Von Jenny Bieniek 

Google Maps kennt die Hausnummer 500 an der Waldhofstraße nicht. Stattdessen wird die 400 angezeigt. „Das sind die Tücken des Zeitalters“, lacht Dennis Grabert, der seit Mai die Gaststätte des Kleingärtnervereins Lehmfeld „Zur Heumache“ betreibt. Gefunden haben dürften sie alle. Das Lokal, dessen Anfänge in die 70er reichen und das bekannt war für Schnitzel und große Portionen, ist umgeben von Grün. „Es gibt immer noch super Portionen“, betont der Inhaber und Küchenchef. Grabert ist gelernter Koch und Hotelfachmann, hat in Hotelküchen, bei Cateringfirmen und als Lebensmittelvertriebler im Außendienst gearbeitet. Irgendwann wollte er nicht mehr. „Zwei Kinder und Hotelarbeitszeiten, das passt nicht zusammen.“

Sein Konzept: „Klassische Gerichte, ordentlich zubereitet und anständig präsentiert.“ Die hessisch-deutsche Küche bleibt, wenn auch leicht modernisiert. Jetzt stehen Hamburger mit Grüner Soße, „Heumache-Carpaccio“ mit Handkäs und hessische Bruschetta auf der Karte. „Die Resonanz ist beachtlich“, freut sich Grabert. „Wenn sich neue Chancen auftun, bin ich dafür offen“, sagt der 33-Jährige, der mit seiner Frau in Frankfurt lebt. „Ich habe eine größere Idee im Kopf, die in Bieber ihren Anfang nimmt.“ Er habe in vergangenen Jahren genug für andere gearbeitet, jetzt mache er sein eigenes Ding. „Ich will dem Wegsterben von Traditionsgaststätten begegnen, indem ich etablierte Traditionsbetriebe ins 21. Jahrhundert hebe“, so der Plan. „Die Gaststätte 2.0 sozusagen“, fügt er hinzu.

Dabei kommt es für ihn auf Details an. Möglichkeit der Kartenzahlung oder Präsenz in sozialen Netzwerken ist ein Muss. Auch WLAN soll folgen. Ihm ging es darum, das Lokal mit minimalen Mitteln wieder interessant zu machen: Raus mit den ungleichen Holztüren, neuer Anstrich, durchgängige Linie. Seit Mai dominiert ein grün-weißes Farbkonzept. Als 22-Jähriger hat Grabert vergleichsweise spät mit der Kochausbildung angefangen. Zuvor hatte er in der Lagerlogistik gearbeitet. Nach der Ausbildung sammelte er Erfahrung in der Gastrobranche, um sich schließlich in einer zwölfmonatigen Orientierungsphase auf die Selbstständigkeit vorzubereiten. Er belegte BWL-Kurse, sprach mit Maklern und Unternehmensberatern. Das Angebot, die zwischenzeitlich geschlossene Heumache zu übernehmen, erreichte ihn Anfang April. Es folgte ein straffes Vier-Wochen-Programm: „Ich war quasi 24 Stunden hier und habe renoviert“, blickt Grabert zurück.

Wenig Zucker und Fett: Eis-Kreationen mit wenig Kalorien

Mit dem benachbarten Spielplatz und dem weitläufigen Gelände will der 33-Jährige als Ausflugsziel für junge Familien und ältere Besucher punkten. „Die wissen Handgemachtes zu schätzen“, ist er überzeugt. In seiner Küche werde alles selbst gemacht - nur Ketchup, Majo und Eiswürfel kämen aus der Tüte. „Ich habe mich in der Vergangenheit oft über das mir Vorgesetzte geärgert“, erinnert sich der Küchenchef. Er will es besser machen und neue Gäste an die Waldhofstraße locken. Mit einer Vielzahl regionaler Produkte und modernen Zubereitungsmethoden. Bisher gelingt ihm das recht gut. Weil er sich jedoch nicht allein auf seine Gäste verlassen will, geht er einen Schritt weiter. Wenn alles nach Plan läuft, soll bald ein regelmäßiger Mittagstisch das Angebot ergänzen, Mit Blick auf das nahe Industriegebiet hofft Grabert auf neue Einnahmemöglichkeiten. Künftig soll auch der zur Gaststätte gehörende Saal für Privatfeiern vermietet werden. Neuerdings ist die Heumache zudem Stammlokal des American-Football-Clubs Rhein-Main Rockets Offenbach.

Auch wenn es bis zur Rentabilität etwas dauert und er momentan viele Überstunden schiebt, hat Grabert seine Entscheidung nie bereut. „Das war genau der richtige Schritt, und für den Anfang läuft es ja schon ganz gut“, findet er. Endlich könne er den ganzen Tag lang seinem Hobby nachgehen. Die alte Diskussion um den schlechten Zustand der Straßen rund um den Sportplatz lässt Gerberts kalt. „Nur wegen einer kaputten Straße geht niemand pleite“, setzt er einen Seitenhieb in Richtung Vorgänger.

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