Der Frost reißt viele Löcher

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Nicht allein an der Stadthalle platzt der Asphalt großflächig auf. Das tatsächliche Ausmaß wird erst im Frühling sichtbar.

Offenbach ‐ Täglich grüßt der britische Geheimdienstler; James Bond bevorzugt seinen Martini bekanntlich nicht gerührt. Für den Doppel-Null-Agenten wäre es derzeit ein Leichtes, seinen Drink in Offenbach zuzubereiten: ins Auto gesetzt, Wodka und Wermut ins Glas und los - schon nach wenigen Metern wäre der Cocktail bestens geschüttelt. Von Martin Kuhn

Der gegenwärtig stete Wechsel von Frost- und Tauwetter verwandelt Offenbachs Straßen zunehmend in Holperstrecken und Schlaglochpisten. Mit langfristigen Folgen. Stadtkämmerer Michael Beseler seufzt mit jedem neuen Tief, das der Wetterdienst ankündigt. Aktuell plagt ihn „Miriam“: „Es ist eine Katastrophe, das merkt jeder, der Auto fährt.“ Jedes Loch, das der Frost in die Fahrbahndecken sprengt, belastet den lokalen Haushalt. Es ist bereits absehbar, dass die gut 2,7 Millionen Euro, die pro Jahr für die so genannte Straßenunterhaltung (inklusive Gehwege) eingeplant sind, in diesem nicht ausreichen.

Dass es nicht mehr gibt, ist dem defizitären Haushalt geschuldet. Der Sozialdemokrat gibt zu bedenken: „Es kann in dieser Stadt ohnehin nur selten großzügig geplant werden.“ Ob sich Beseler den Frühling herbeisehnt, ist fraglich. Laue Lüfte künden von neuen Verteilkämpfen: „Das Geld fehlt uns definitiv an anderen Stellen.“ Daher ist eine grundlegende Sanierung des lokalen Straßennetzes - rund 220 Kilometer lang - Utopie.

Wasser dringt über Risse und Löcher in den Asphalt

Aber die schadhaften Fahrbahndecken vermehren sich rasant: An der Stadthalle ist rechtzeitig zu bremsen, im Rhönring/Ecke Goerdelerstraße klaffen Löcher, am Friedrichsring / Höhe Monopolverwaltung ist großflächig die oberste Deckschicht weg geplatzt, die Lortzingstraße mutiert zur Teststrecke für Stoßdämpfer. Generell ist zu erkennen: Wo (schon mehrfach) ausgebessert ist, bröselt und klafft es. Aus Flickenteppichen werden Straßenkrater.

Und so passiert’s seit Anfang Januar: Wasser dringt über Risse und Löcher in den Asphalt, dehnt sich bei Minusgraden aus, zerfranst das Bitumengemisch. Oder das Eis taut und hinterlässt Hohlräume, die zunächst nicht sichtbar sind. Der tägliche (Schwerlast-) Verkehr erledigt den Rest.

Dann erschallt der Ruf  nach dem Straßendienst. „Aber wir sind derzeit machtlos. Das hat nichts mit Faulheit zu tun“, so Christian Loose vom Stadtdienstleister ESO. Nur die größten Löcher füllen die Mitarbeiter mit Kalt-Asphalt aus. „Aber der wird wieder rausgefahren.“ Damit die Teams ordentliche Schichten aufbringen können, muss die Bodentemperatur zwischen 8° und 10° liegen - plus, versteht sich. „Das wird noch dauern“, macht Loose den Autofahrern wenig Hoffnung. Wird’s zu arg, drosseln die Städte das Tempo. Ausreichend Tempo-30-Schilder stehen im Betriebshof bereit.

„Es reicht nicht, mit Verkehrsschildern vor Straßenschäden zu warnen, es muss auch zügig und nachhaltig saniert werden“, fordert hingegen der Auto Club Europa. Der hat einen „Schlaglochmelder“ im Internet bereit gestellt. Den bietet übrigens auch der Stadtbetrieb, der in diesen Tagen jedoch dringendere Probleme hat - auch in Offenbach ist das Streusalz so gut wie aufgebraucht. Zwei Lastzüge mit jeweils 25 Tonnen waren für Dienstag avisiert. Das reicht - je nach Eislage - für maximal drei Streuungen. Schwerpunkte bleiben die Hauptverkehrsstraßen.

Stadt bezahlt pauschal für zehn Tage Winterdienst

Aber nicht nur der ständige Ankauf von Salz und Splitt belastet den ESO-Etat. Gut 120 Mitarbeiter kämpfen sieben Tage die Woche nahezu rund um die Uhr gegen Eis und Schnee. Das bedeutet etliche Überstunden, die entweder ausgezahlt oder über Arbeitszeitkonten abgegolten werden. Betriebsleiter Peter Walther schätzt, dass der Winterdienst täglich etwa 15 000 Euro zusätzliche Kosten verursacht: „Ein schlechter Winter.“

Grund für diese Gleichung: Die Stadt bezahlt pauschal für zehn Tage Winterdienst; was darüber hinaus geht, trägt die ESO GmbH. Weitergeben kann der Eigenbetrieb das nicht. Der Bürger ist über einen bestimmten Schlüssel in den Beiträgen zur Straßenreinigung beteiligt - mehr nicht. „Das reicht aber in diesem Winter hinten und vorne nicht.“

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