Fruchtfliegen - eine Plage

Invasion im Obstkorb

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Die Lebenserwartung der gemeinen Fruchtfliege liegt bei ein bis zwei Wochen. In dieser Zeit vermehren sich die Zweiflügler jedoch explosionsartig.

Offenbach - Fruchtfliegen – es sind so viele wie nie. Und täglich legen sie Hunderte Eier. Experten rätseln über die Ursache der herbstlichen Plage und verraten, wie man die lästigen Insekten effektiv los wird. Von Sarah Neder 

Drosophila melanogaster – etwa 2,5 Millimeter lang, sechs Beine, zwei Flügel. Die lästigen Fruchtfliegen sind zur Zeit überall: Sie sitzen im Weinglas, am Obstkuchen, auf Äpfeln oder schweben scheinbar schwerelos durch den Raum. Jan Hendricks, Kammerjäger bei der Offenbacher Schädlingsbekämpfung Gilles, bestätigt: Es ist eine Plage. Bei ihm gehen momentan pro Tag etwa 30 Anrufe wegen der unappetitlichen Miniaturfliegen ein. Der Experte meint: „So viele gab es noch nie.“ Vor etwa einem Monat habe es schonmal einen Ausbruch gegeben, erinnert Hendricks. Seit einer Woche sei die Population noch einmal explodiert. „Auslöser der Plage könnte das warme Wetter sein“, spekuliert er. Dank milder Temperaturen Ende Oktober vermehrten sich die Insekten trotz einer Lebenserwartung von höchstens 14 Tagen prächtig, so Hendricks. Denn innerhalb dieser zwei Wochen legen die Weibchen bis zu 40.000 Eier.

Biologin Dr. Marion Kotrba von der Zoologischen Staatssammlung München hat sich auf Fruchtfliegen spezialisiert und stimmt der Wettertheorie des Kammerjägers zu: „Der Sommer war toll für Insekten. Schön feucht und nicht zu heiß.“ Dennoch sei es normal, dass Fruchtfliegen vermehrt im Herbst aufträten: „Im Moment reifen jede Menge Äpfel und Trauben und locken so die Insekten an.“ Die Brut nistet überall, wo die vermehrungsfreudigen Fruchtfliegen gerne sitzen: Auf reifen Früchten, in Gläsern mit Saftresten oder süßem Gebäck. „Auch eine Flasche Bier würde ich nicht offen stehen lassen, denn die Viecher lieben den Geruch von Hefe“, warnt Schädlingsbekämpfer Hendricks. Biologin Kotrba kennt noch einen weiteren Lieblingsplatz der Zweiflügler: der Biomüll. „Ich bin ein echter Feind der braunen Tonnen, besonders wenn der Biomüll in der Wohnung gelagert wird“, gesteht die Wissenschaftlerin. Der Grund: Bis die Biotonne geleert werde, sei eine neue Fliegengeneration herangewachsen. „Das ist ein hygienisches Unding.“ Während die Fliegen-Invasion auf der heimischen Obstschale bisweilen einfach nur lästig ist, stellt sie für Gastronomie und Lebensmittelhandel ein gravierendes Problem dar. „Die meisten Anrufe kommen von Bäckereien. Wenn dort Fliegen im Schwarm auf dem Kuchen sitzen, will den keiner mehr kaufen“, erklärt der Schädlingsbekämpfer.

Schädlingsbekämpfer beseitigen Eichenprozessionsspinner

Wird seine Firma gerufen, legen die Mitarbeiter spezielle Fruchtfliegenfallen aus. Das sind Plastikschälchen mit einem trichterförmigen Deckel, in die ein Lockstoff, etwa Essig, Zuckerwasser oder Honig, gefüllt wird. Vom verführerischen, süß-sauren Geruch angezogen, fliegen die Schädlinge in die Falle und ertrinken. Außerdem empfiehlt Hendricks, Wein, Obst und Süßes nicht offen stehen zu lassen und auch Kartoffeln, Zwiebeln oder Essensreste in den Kühlschrank zu stellen. „Anschließend alle Flächen, auf denen Lebensmittel lagen, gründlich reinigen.“ Auch benutztes Geschirr ziehe die kleinen Plagegeister an. Biologin Kotrbas Tipp: Regelmäßig den Mülleimer leeren.

Doch ein Ende der Plage ist in Sicht. Fachmann Hendricks gibt dem lästigen Treiben noch zwei bis drei Wochen. Dann ist es so kalt, dass sich die Eier nicht mehr entwickeln. Bis dahin beruhigt der Kammerjäger: „Es ist nicht bekannt, dass sie Krankheiten übertragen. Die Fliegen sind also keine Bedrohung für den Menschen. “

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