Zweifel am Stromauto

Kommentar: Zu früh gehupt

Offenbach - Viele werden kurz aufatmen: Zwischen Frankfurt und Offenbach sollen künftig Elektrobusse im Linienverkehr pendeln. Etwa von Spätherbst an könnte der erste Bus auf der Linie 103 rollen. Von Peter Schulte-Holtey

Klar, das schont die Umwelt - und motiviert vielleicht auch, mehr über den Elektromotor als Antriebstechnik der Zukunft nachzudenken. Vor allem lohnt es sich, die Jubelgesänge zu hinterfragen, die zuletzt besonders aus der Politik angestimmt wurden. Vor lauter Euphorie wird nämlich zu früh auf die Hupe gedrückt: viel Lärm, aber wenig Realistisches für den Massenkonsum.

So spricht Prof. Dr. Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender von VW, wohl für den gesamten Industriezweig, wenn er zu den Aussichten der Elektromobilität sagt: „Es wird ein Marathon und kein Sprint.“ Vielleicht erst in zehn Jahren können entsprechende Fahrzeuge im größeren Stil zum Einsatz kommen. Entscheidendes Hindernis: Batterien sind sehr teuer und technisch noch längst nicht so weit, dass sie zu einem flächendeckenden Gebrauch tatsächlich nutzen würden.

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Es gibt weitere Gründe, die die Skepsis unterstreichen. So ist ein Stromauto nur so sauber wie der Strom, mit dem es angetrieben wird. Da dieser aber in Deutschland zu über 80 Prozent aus fossilen Energieträgern gewonnen wird, verschiebt sich das Emissionsproblem zum Schornstein. Wollen wir denn mehr Kohlekraftwerke, weil mehr Strom für Autos gebraucht wird? Und was ist daran ökologisch, wenn Autos mit Atomstrom fahren?

Auch ist völlig unklar, wie das Infrastrukturproblem gelöst werden soll, wenn der Strom (wie bei einigen E-Konzepten geplant) nicht aus der heimischen Steck dose kommen soll. Solange ein Netz aus E-Tankstellen fehlt, kommt auch der begeisterte Elektroautofahrer nicht besonders weit. Solange aber kaum jemand Elektroauto fährt, rechnet es sich aus Sicht möglicher Investoren nicht, ein umfangreiches Aufladenetz aufzubauen.

Elektromobilität ist sicherlich ein möglicher Weg in die Zukunft. Politik und Industrie wären aber gut beraten, neben der Förderung der Batterien-Entwicklung auch mehr Geld für weitere energiesparende Techniken auszugeben. Denn mittelfristig wird es einen Mix aus Antriebskonzepten geben, etwa hocheffiziente Verbrennungsmotoren, Erdgasfahrzeuge oder Hybride.

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