Der „Energiepol“ rückt näher

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Zwischen dem historischen Badehaus der einstigen Chemiefirmen und dem modernen Pelletwerk der Energieversorung Offenbach sollen sich Unternehmen der Kreativwirtschaft ansiedeln.

Offenbach - Dass die schwierige Umwandlung des 38 Hektar großen früheren Allessa-Geländes vom Chemiestandort in ein Gewerbegebiet so geräuschlos und arm an Schlagzeilen verläuft, liegt vermutlich daran, dass keine Konflikte mit Nachbarstädten zu lösen sind.  Von Matthias Dahmer

Geht es um die Stadtentwicklung, spielt das Areal in einer Liga mit Hafen und Kaiserlei.

So sind städtische Pläne für ein rund drei Hektar großes Teilstück im Westen des Geländes schon relativ weit gediehen, die unter dem Schlagwort „Energiepol“ gehandelt werden. Darunter will Winfried Männche, Chef der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO), in Anlehnung an das nur wenige hundert Meter entfernte Gründerzentrum Ostpol ein Zentrum verstanden wissen, in dem sich Kreativwirtschaft und Unternehmen aus der Branche der erneuerbaren Energien gleichermaßen ansiedeln sollen.

GBO federführend

Die GBO ist bei dem Vorhaben federführend, verhandelt mit dem Eigentümer des Allessa-Geländes, der Schweizer Clariant AG, über den Verkauf des westlichen Teilstücks. Wie die Verhandlungen ausgehen, hängt von einem Gutachten zu den Altlasten ab. Die GBO hat es in Auftrag gegeben, die Ergebnisse liegen voraussichtlich im Mai vor.

GBO-Chef Winfried Männche

„Grundsätzlich sind wir uns mit Clariant einig“, sagt Männche und betont das „faire Verfahren“. Alles stehe und falle mit den Altlasten. Das Problem müsse wie beim Hafengelände irgendwie gelöst werden. Wer letzlich die Kosten trage, sei unklar.

Über Preise mag der GBO-Geschäftsführer ebenso wenig reden wie Dr. Michael Molter, der als Projektleiter bei Clariant für die Umwandlung des Geländes zuständig ist. Molter bestätigt aber den Stand der Verhandlungen und hat Verständnis dafür, dass die GBO ein Gutachten zu den Altlasten in Auftrag gegeben hat. „Nach 170 Jahren Chemiegeschichte ist es verständlich, dass ein Erwerber nochmal selbst prüfen möchte.“ Der Projektleiter geht davon aus, dass der Boden nur gering bis gar nicht belastet ist. Das hätten eigene Untersuchungen ergeben. Dem GBO-Gutachter, sagt Molter, habe man die vorhandenen Expertisen zur Belastung des Grundwassers sowie die Unterlagen zur historischen Erkundung des Geländes zur Verfügung gestellt.

Das Investment darf die Stadt nicht belasten

Beim künftigen Energiepol geht es um 50.000 Quadratmeter Grundstück und 11.000 Quadratmeter vermietbare Nutzfläche in bestehenden Gebäuden. Auf der Fläche befinden sich das historische Badehaus, das ehemalige Verwaltungsgebäude und weitere Immobilien. Der frühere Werkpark soll unangetastet bleiben und öffentliche Grünfläche werden.

Beim Projekt arbeitet die GBO eng mit der Wirtschaftsförderung und den Immobiliengesellschaften der Stadtwerke Offenbach Holding zusammen. Sie sind dabei, in einer Arbeitsgemeinschaft ein Konzept zu erstellen, das der Politik zu Entscheidung vorgelegt werden soll. „Wir machen die Vorlage nur, wenn es sich rechnet. Das Investment darf die Stadt finanziell nicht belasten“, betont Männche. Nicht zuletzt hofft er auf Fördermittel aus verschiedenen Töpfen.

Genügend Anfragen von ansiedlungswilligen Firmen

Hilfreich könnte unter Umständen sein, dass das Offenbacher Gründerzentrum Ostpol eine schon bekannte und mit Fördergeld bedachte Marke ist. Anfragen zum Energiepol von ansiedlungswilligen Firmen, versichert Männche, gebe es zur Genüge. Städtische Überlegungen, wonach auf dem westlichen Allessa-Areal zum Main hin Wohnungen entstehen könnten, sind mittlerweile wieder fallen gelassen worden. Abgesehen von den Kosten standen rechtliche Hürden im Weg: Rund ums Pelletswerk der EVO, das als genehmigungspflichtige Anlage nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz gilt, ist Wohnbebauung nicht zulässig.

Wie es mit dem Gelände östlich des EVO-Pelletswerks bis zur Kettelerstraße weitergeht, ist noch offen. Clariant würde die mehr als 300.000 Quadratmeter gern in einem Stück vermarkten und denkt dabei auch an Wohnbebauung. Projektleiter Molter erinnert an einen gültigen Aufstellungsbeschluss der Stadt, der Wohnungen vorsieht. Dass man im Rathaus von diesem Beschluss abrücke, wie gerade in einem Gespräch vor einigen Wochen wieder deutlich geworden sei, darüber „sind wir nicht glücklich“. Man respektiere zwar die Planungshoheit der Stadt, doch Clariant müsse auch seine wirtschaftlichen Interessen im Blick behalten, lässt Molter durchblicken, dass es dazu weitere Verhandlungen geben müsse.

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