Früherer Pfarrer macht Karriere

Offenbach - (alk) Frank Richter, einst Pfarrer der alt-katholischen Gemeinde Offenbachs, ist zum Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung ernannt worden. Der 48-Jährige arbeitete zuletzt als Ethik- und Latein-Lehrer am Langener Dreieichgymnasium.

Für Aufsehen hat im Sommer 2007 der Abschied Richters aus Offenbach gesorgt. Nachdem der 16-jährige Sohn seiner Frau im alt-katholischen Pfarrhaus am Otto-Steinwachs-Weg unweit vom Hauptbahnhof überfallen worden war, sah sich Richter nicht mehr in der Lage, mit seiner Familie im Pfarrhaus zu leben. Er bat Bischof Joachim Vobbe, ihn von der Residenzpflicht zu befreien. Richter wollte Pfarrer bleiben, aber zumindest für zwei Jahre außerhalb Offenbachs wohnen. Das genehmigte die Kirchenleitung nicht. Daraufhin legte er das Priesteramt nach knapp einjähriger Amtszeit nieder und wurde Lehrer.

Sachsens Kultusminister Roland Wöller lobt den früheren Offenbacher Pfarrer als „politisch denkende und handelnde Persönlichkeit von großer Überzeugungskraft und mit umfangreichem Erfahrungsschatz“. Er werde der politischen Bildung in Sachsen neue Impulse geben.

Frank Richter ist in Meißen gebürtig. Damals noch als Priester der römisch-katholischen Kirche spielte er 1989 eine bedeutende Rolle bei der friedlichen Revolution in der DDR. Er war unter anderem Mitbegründer der Dresdner „Gruppe der 20“. Er verließ die römisch-katholische Kirche, als er im Jahr 2006 heiratete. Bei den Alt-Katholiken sind Priester nicht zur Ehelosigkeit verpflichtet.

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