Auf Frühjahrsfest geeinigt

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Hasen malen, macht allen Kindern Spaß - auch wenn sie Moslems sind. In den städtischen Kitas werden alle Kuturen zugelassen, keine dominiert.

Offenbach - Bunt bemalte Ostereier, gebastelte Körbchen und ein Meer leuchtender Pappblumen sind zur Zeit in allen Kindertagesstätten zu finden: Ostern steht vor der Tür. Von Simone Buser

Was die Kinder allerdings über das höchste christliche Fest lernen, das hängt vom jeweiligen Träger der Einrichtung ab.

„Jesus hat das Brot gebrochen und es mit den anderen geteilt“, erklärt Julian das letzte Abendmahl. Der Fünfjährige besucht die katholische Kita Sankt Paul und hört dort nicht nur die Ostergeschichte, sondern erfährt auch etwas über die damit verbundenen Werte. „Ostern ist schon ein Fest des Konsums geworden“, findet Kita-Leiterin Sigrid Männche. „Gerade deshalb sollte man erklären, was es bedeutet!“

Im evangelischen Kindergarten der Schlosskirchengemeinde an der Arthur-Zitscher-Straße wird ebenfalls die biblische Geschichte erzählt. Der sechsjährige Orkun ist zwar muslimischer Herkunft, weiß aber über das Fest: „An Ostern steht Jesus wieder auf.“

Was in den konfessionellen Einrichtungen selbstverständlich ist, fehlt in den städtischen. „Wir feiern die Frühjahrsparty“, ruft die sechjährige Griechin Angeliki, sie besucht die städtische Kita 3 im Nordend. In der Rödernstraße wird im Gegensatz zu den christlichen Einrichtungen nur auf den naturhistorischen Ursprung verwiesen, das Aufblühen der Natur, den Nachwuchs bei den Tieren und den Übergang zur wärmeren Jahreszeit.

„Wir wollen nur die Traditionen und Bräuche darstellen“, betont Leiterin Christa Walliczek, „Denn wir haben multikulturelle Kinder und der religiöse Schwerpunkt ist nicht unserer.“ Der Hort kümmert sich um Kinder aus 17 Kulturen - fast 90 Prozent sind Muslime.

Ostern ist für Christa Walliczek zwar ein christliches Fest, aber die Erzieherinnen blenden den religiösen Kontext weitestgehend aus. „Ich bin sehr glücklich, dass die Eltern so eine große Akzeptanz für unsere Frühlingstradition haben“, findet die Pädagogin. Bislang habe sich niemand über diesen Ansatz beschwert. Es bleibe den Eltern überlassen, ob sie ihren Kindern den religiösen Hintergrund von Ostern vermitteln. Das Frühjahrsjahrsfest hat auch bei dem Moslem Resa Masud Einzug gehalten, „Meine Kinder suchen an Ostern auch nach Eiern und wenn sie älter sind, erzähle ich ihnen mehr über Ostern.“

Laut Grundgesetz steht es den Eltern ohnehin frei, zu entscheiden, ob sie ihren Kindern religiöse Werte nahebringen möchten oder nicht. „Wir lassen die Kultur zu, die von den Kindern und deren Familien in die Kita hineingetragen wird“, erläutert Claudia Kaufmann-Reis, stellvertretende Leiterin des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (EKO), „Eine Missionierung wird aber nicht zugelassen.“

Von einer versuchten Bekehrung ist im evangelischen Hort der Schlosskirchengemeinde nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil, praktiziert wird ein interreligiöser Ansatz. „Unsere Kita wird extra von den Eltern ausgesucht, da wir den Kindern einen Einblick in die verschiedenen Religionen bieten“, berichtet Leiterin Gabi Schima voller Stolz.

In der Zeit, die die Jungen und Mädchen in der Kita verbringen, stehen Besuche bei diversen religiösen Gemeinden auf dem Programm. „Es geht darum zu zeigen, dass es Zusammenhänge zwischen den Religionen gibt“, sagt Schima. Integrationsprobleme sind offensichtlich Fehlanzeige, so ist es nicht verwunderlich beim Brechen des Brotes Orkun rufen zu hören: „Hey, das Fladenbrot gibt es in der Türkei auch!“

Der religiöse Hintergrund ist dem Nachwuchs vielleicht auch gar nich so wichtig. An einem haben nämlich alle Spaß: am Eier suchen.

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