„Sauberhaftes Hessen“

Frühjahrsputz bei Nieselregen

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Vor dem Stadtteilzentrum in Waldhof trafen sich Alt und Jung zur gemeinsamen Putzaktion und sammelten fleißig Müll ein trotz des widrigen Wetters.

Waldhof - Einen alten Fernseher, Fahrradteile, jede Menge Dosen, Flaschen und diversen Plastikmüll holen sie aus dem Unterholz. Sogar ein ausrangierter Bürostuhl zählt zu ihrer Beute. Von Harald H. Richter 

Nach und nach füllen sich die blauen Säcke und der Handkarren, mit dem fleißige Umweltschützer durch ihr Wohngebiet ziehen. Frühjahrsputz ist angesagt. Trotz Nieselregens haben sich fast 30 Freiwillige, darunter etliche Erwachsene, vor dem Kinder- und Jugend-Stadtteilzentrum in Waldhof eingefunden, um gemeinschaftlich dem Alltagsmüll am Wegesrand den Kampf anzusagen. Am Wochenende, da landesweit Tausende Bürger in 100 Kommunen unterwegs sind, sorgen IB-Treff und Freundeskreis im Bieberer Ortsteil für Sauberkeit.

Peter Heckt sortiert zuvor zurechtgelegte Handschuhpaare nach Größen. Denn kein Helferkind muss sich die Finger schmutzig machen. „Wer hat noch keine?“, ruft der Betreuer in die Runde. Und der elfjährige Jizreel hebt den Arm. Der Fünftklässler macht zum ersten Mal bei der Aktion mit und schließt sich einem der Saubermach-Teams an. Ausgestattet mit Rechen, Greifzangen und reichlich blauen Müllsäcken schwärmen drei Gruppen aus. Die eine machen sich unter Heckts Führung Richtung S-Bahn-Station auf den Weg, die übrigen nehmen sich andere Planquadrate vor. Auch Peter Janat vom Freundeskreis des Internationalen Bunds ist mit einer Handvoll Kindern unterwegs. Die neunjährige Dunja zieht den Karren hinter sich her, und als der sich zusehends mit sperrigem Unrat füllt, geht der zwölfjährige Maher ihr zur Hand.

Zum ersten Mal als Helfer dabei

Beide Kinder sind zum ersten Mal als Helfer dabei und staunen nicht schlecht darüber, was Mitbürger alles wegwerfen. Am Fuß einer Böschung hat Janat mehrere ausrangierte Autoreifen entdeckt, einige samt Felgen. Sie werden aufs Wägelchen geladen und zwischendurch zum Ausgangspunkt gebracht. Verpackungen, Getränkedosen und Kippenpäckchen, die anstelle im Papierkorb irgendwo im Grünen landeten, sind für viele ein Ärgernis. Um kaum jemand mag sich vorstellen, dass es bis zu 500 Jahre dauern kann, bis eine achtlos fortgeworfene Plastiktüte vollständig zerfällt.

Unterdessen haben die jungen Umweltschützer mit ihrem erwachsenen Begleiter in einem Dickicht Styroporplatten erspäht. Auch die werden hervorgeholt und mitgenommen. Immer wieder finden sie Dosen und leere Flachmänner abseits des Wegs. Und noch allerlei mehr verschandelt zu Janats Verdruss die Gegend. Nicht nur ihn ärgert das Verhalten mancher Hundebesitzer, die zwar die Kothäufchen ihrer Vierbeiner eintüten, sich aber der Beutel mit einem Wurf ins Gebüsch entledigen. Obwohl auch in diesem Wohngebiet genügend Behälter vorhanden sind, in die sich die Hinterlassenschaften entsorgen ließen.

„Sauberhaftes Dietzenbach“: Bilder aus diesem Jahr

„Sauberhaftes Dietzenbach“

„Igitt, wie das stinkt, einfach eklig“ schimpfen prompt einige Kinder, die ein paar dieser Tüten entdeckt haben. „Ab damit in den Abfallsack“, lautet die Weisung. „Viele Leute ärgern sich über den Dreck, aber wir machen ihn weg“, stellt der zwölfjährige Enrico zufrieden fest. Und schon bald darauf ist der Handwagen erneut proppenvoll und muss im Depot geleert werden. Gegen Mittag ist Schluss. Da türmt sich der in etwa zwei Dutzend Säcken nebst sperrigem Unrat aufgestapelte Müll vor dem Eingang. Zusammen mit dem, was etwa 15 Mädchen und Jungen der Kindergruppe der evangelischen Kirchengemeinde mit ihrer Betreuerin Anke Weiß bereits einige Tage zuvor gesammelt haben, ergibt es eine ordentliche Ladung, die nun darauf wartet, vom Stadtbetrieb ESO abgeholt zu werden.

Drinnen gönnen sich zum Abschluss sämtliche Helfer eine Erfrischung und stärken sich mit einem wohlverdienten Imbiss. „Als Dankeschön fürs Mitmachen“, sagt Betreuer Peter Heckt, dem es Jahr für Jahr gelingt, kleine und große Waldhofer zum Umwelteinsatz im Frühling zu animieren.

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