Frühlingserwachen im Hafengarten

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 Vor der Aussaat ist handwerkliches Geschick gefragt. Zum Saisonstart im Offenbacher Hafengarten wird eifrig gewerkelt.

Offenbach - Frühlingserwachen im Offenbacher Hafengarten. Zum Saisonauftakt war jedoch zunächst gemeinschaftliches Zupacken angesagt. Von Harald H. Richter 

Reichlich Mulch ist angeliefert. Den gilt es gleichmäßig auf der Fläche vor dem alten Eisenbahnwaggon zu verteilen, um den steinigen Grund zu glätten. Demnächst sollen dort unterm Sonnensegel wieder Sitzgelegenheiten aufgestellt werden, denn der beliebte Platz vor dem Bahnrelikt gilt als der kommunikative Mittelpunkt des Hafengartens. Am Tag nach dem kalendarischen Frühlingsanfang freilich ist es zum Sitzen zu kühl. Allerdings ist bei den Freizeitgärtnern auch kein Müßiggangs angesagt, sondern gemeinschaftlich zupacken. Wenigstens geraten die mit Schubkarren und Schaufeln ausgestatteten Helfer angesichts einstelliger Temperaturen nicht ins Schwitzen, während sie Winterschäden beseitigen und unbrauchbares Material entfernen.

Einer, der die Schippe in die Hand nimmt, ist Jörg Hackstein. Auch Töchterchen Greta hilft eifrig mit. Der Offenbacher gehört zum Kreis der Neuzugänge, die mit Beginn der Saison den Zuschlag für eine der frei gewordenen Pflanzflächen auf der rund ein Hektar großen Brache zwischen Nordend und Hafenbecken bekamen. Er will sein Fleckchen urbanes Gartengrün voraussichtlich mit allerlei Kräutern, Nutzpflanzen und Blumen bewirtschaften. „Aber ganz konkret sind meine Vorstellungen noch nicht“, bekennt er.

„Das Interesse, eine der Nutzflächen zu ergattern, ist unverändert groß“, berichtet Isa Scheid vom Hafengarten-Team. Der Begriff Parzelle gilt bei den Hafengärtnern als verpönt, zumal das, was im bereits dritten Jahr inmitten des Hafenviertels entstanden ist, mit Laubenpieper-Idylle nicht viel gemein hat. Wohl aber wird auch in der neuen Saison wieder nach Herzenslust gegärtnert. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Ob im aufblasbaren Planschbecken, Lederkoffer oder in einer alten Badewanne, mit Erde und Saatgut gefüllt lassen sich darin Kopfsalat und Chinakohl, Kürbis, Mais und Kräuter vortrefflich züchten. Und schon bald dürfte es überall blühen und gedeihen.

Angrillen im Hafengarten (Archiv)

Angrillen im Hafengarten

Davon ist auch Svenja Dochow überzeugt. Die Offenbacherin - ebenfalls neu dabei - hat sich entschieden, ein Hochbeet anzulegen. Zunächst jedoch müssen Einwegpaletten verschraubt werden, bevor in passende Behältnisse diverses Saatgut zur Gemüseanzucht ausgebracht werden kann. Auch ihrer Tochter Fatimata will die junge Mutter ein kleines Beet herrichten. „Daheim habe ich mehr Töpfe als auf dem Balkon Platz finden, insofern bietet mir der Hafengarten beste Möglichkeiten, meinen Hang zum Gärtnern auszuweiten“, freut sich Dochow.

Von Anfang an dabei ist Gisela Kramm. Sie schätzt vor allem das friedvolle Miteinander und den gegenseitigen Austausch. Auch wenn nicht alles zur Reife gelangt, was angepflanzt wird, so herrscht doch Freude darüber vor, mit anderen Hobbygärtnern ein Fleckchen Natur geschaffen zu haben. „Hier herrscht ein angenehmes nachbarschaftliches Klima, und man hilft sich auch einmal mit Saatgut aus“, sagt sie. Mehr als hundert Menschen aus allen Milieus und ein Dutzend Nationalitäten sind es inzwischen, die gärtnern. Die Idee eines Lesecafés und eine Gemeinschaftsaktion mit interkulturellem Austausch beim Grillen etwa gehören zu den Vorhaben. Auch wird es wieder öffentliche Workshops für Laien rund ums Thema Balkon und Garten geben. Näheres ist bei Alexandra Walker zu erfahren, 0162/6763380.

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