Frühstück in Bad Offenbach

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Gute Laune verbreiten Gastredner Holger Weinert vom hr (links) und Gastgeber Jürgen Amberger von der Wirtschaftsförderung im Ostpol.

Offenbach - „Wer ist denn hier Offenbacher?“, fragt Holger Weinert. Dutzende Hände gehen im Ostpol-Quartiersaal hoch. „Das ist ein Drittel“, schätzt der bekannte hr-Mann. „Und wer ist gebürtiger Offenbacher?“ Das Ergebnis ernüchtert. Von Markus Terharn

Der Geburts-Berliner, Hundefreund und Wahl-Offenbacher ist Stargast bei der Auftaktveranstaltung der städtischen Wirtschaftsförderung und der Gemeinnützigen Baugesellschaft (GBO) für die lokale Kreativwirtschaft.

Angekündigt als „Analyse eines Kreativschaffenden“ ist Weinerts Rede eher eine freie Plauderei über die Gründe, warum er seit 14 Jahren in Offenbach lebt – „so lange wie nirgendwo“. Woran man einen Kreativentreff erkenne? „Draußen vor der Tür stehen zwei Citroëns, wie man sie kaum noch sieht. Das spricht für hippe Leute.“

„Nach dem Abi hab ich mich verfahren...“

Freimütig verrät Weinert, was ihn erstmals nach Offenbach verschlagen hat: „Nach dem Abi, damals noch mit Freundin, hab ich mich verfahren...“ Später, als er in Fechenheim lebte, habe er die Stadt gemieden, auch beruflich. „Ich sollte hier mal für die ,Hessenschau’ eine Straßenumfrage machen. Da kamen nur Antworten wie: Was soll ich dazu sagen?“

Trotz der maulfaulen Bevölkerung ging Weinert 1999 über die Stadtgrenze, wenn auch nur 80 Meter, in ein Niedrigenergiehaus. Von der „Bild“-Schlagzeile „Vorne O und hinne ach, der Holger zieht nach Offebach“ zeigt er sich bis heute erschüttert. Er hätte nicht gedacht, welches Medienecho seine Entscheidung auslösen würde.

Offenbach „wie Kreuzberg in den 70ern“

Dass die Offenbacher mit „wenig Humor“ auf solche Schmähungen reagierten, erklärt Weinert mit der ewigen Feindschaft des gebrannten Kindes zum Nachbarn. Seine Liebe zu Offenbach weckte die damalige Schriftstellerin im Bücherturm, Elke Heidenreich, mit der Frage: „Wovon leben die Menschen hier eigentlich?“ Sie öffnete ihm die Augen für Autowerkstätten und Chemieanlagen, auch für Zeugen der Vergangenheit wie die „leider abgerissene“ Lavis-Villa, die Industriebahntrasse, das Rowenta-Gelände, die Hassia-Schuhfabrik.

„Wie Kreuzberg in den 70ern“ sei das, findet der Referent; der Wilhelmsplatz erinnert ihn an Friedrichshain. „Wir wollen natürlich nicht, dass die Preise explodieren wie in Berlin“, mahnt er und hält fest: „Die Mischung aus Multikulti und Stammbevölkerung ist einzigartig!“

„Holgers Waschsalon“ aus der Heyne-Fabrik

Schon 1991 kam Weinerts TV-Sendung „Holgers Waschsalon“ aus der Heyne-Fabrik. Für die Zeit nach dem Hessischen Rundfunk hat er eine Produktionsfirma gegründet. Bis dahin kann er sich eine hr-Reihe aus dem Lilitempel vorstellen. Es gibt schon ein Konzept, wie er Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger verrät. Arbeitstitel: „Frühstück in Bad Offenbach“.

Was braucht es, um kreativ zu sein? Laut Matthias Mohs eine Acht-Meter-Pinnwand. Auf einer solchen haben er und seine Kollegen von der Designagentur aroma_ID ihre Ideen zur „Küche der Zukunft“ skizziert, für die Jahre 2020, 2035 und 2050. Damit hat die seit 14 Jahren an der Speyerstraße arbeitende Firma den Future Living Award von Siemens gewonnen. Ein Vortrag gibt Einblick in eine örtliche Kreativwerkstatt.

Mit Denglisch durchsetztes Kreativsprech pflegt nur der OB

60 Jahre alt wird das Klingspormuseum. Um diese Feier kreativ zu finanzieren, verlosen die Freunde und Förderer ein wertvolles Picasso-Porträt von Roland Hehn. Michael Blasczyk wirbt darum, für 60 Euro ein Los zu erwerben. Bei einer Benefizaktion am 3. Juli geht das rare Foto an einen glücklichen Gewinner – „für anderthalb Prozent des eigentlichen Handelswerts“.

Das mit Denglisch durchsetzte Kreativsprech pflegt nur einer: Oberbürgermeister Horst Schneider, der die Anwesenden anfangs aufgefordert hat, sich „face to face zu vernetzen“. Der Einladung zum „Get-together“ kommen am Ende alle gern nach.

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