Neue Software fürs Bürgerbüro

Führerschein daheim bestellt

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Grau, rosa, Scheckkarte: Auch das Dokument zur Fahrerlaubnis unterlag stetigem Wandel.

Offenbach - Eine neue Software erleichtert den 45 Mitarbeitern im Bürgerbüro bei der Ausstellung von Fahrerlaubnis-Dokumenten und weiteren Dienstleistungen rund um den Führerschein ab sofort die Arbeit. Wie schön für sie. Von Fabian El Cheikh

Schön aber auch für alle Offenbacher, die – so die Hoffnung – nicht mehr ganz so lange anstehen müssen und sich bald sogar einen Gang ins Rathaus sparen können. Denn im kommenden Jahr sollen etwa Neulinge am Steuer Führerscheine online beantragen können.

Möglich macht dies die Software fe21, die das Unternehmen ekom21 in Zusammenarbeit mit der Stadt Hamburg entwickelt hat. Sie ist nach acht Monaten intensiver Vorarbeit nun erstmals außerhalb der Hansestadt im Einsatz und soll die Verwaltung von Datenbanken und Formularen in Offenbach, gemeinhin den „Behördenkram“, beschleunigen – oder, wie der auch fürs Bürgerbüro zuständige Stadtrat Felix Schwenke sagt: Arbeitsschritte vereinfachen und sogar ganz einsparen. „Damit reagieren wir auf die immer wieder langen Wartezeiten im Bürgerbüro, insbesondere in den Ferienzeiten.“ Auch der Zuzug aus Südosteuropa hatte zuletzt den Andrang weiter verschärft.

150.000 Datensätze

Wie viel Aufwand allein die Führerscheinverwaltung unter den vielen anderen Dienstleistungen der Stadt erzeugt, zeigt schon diese eine Zahl: 150.000 Datensätze mussten in das neue System übertragen werden. Warum so viele in einer Stadt, die etwa 120 000 Menschen zählt? „Weil auch die Weggezogenen gespeichert bleiben“, erläutert die Leiterin der Offenbacher Fahrerlaubnisbehörde, Annette Wallisch. „Nur über 105-Jährige wurden im Zuge der Migration gelöscht, da es eher unwahrscheinlich ist, dass die noch am Steuer sitzen.“

Mit der Innovation auf den Rathaus-Computern macht die Stadtverwaltung auch einen weiteren großen Schritt in Richtung E-Government.

Konkret bedeutet das für die Bürger ab kommendem Jahr: Wer etwa nach einem Diebstahl einen neuen Führerschein beantragt, muss nur noch einmal den Gang ins Rathaus antreten und sich in die lange Warteschlange einreihen. Das Dokument kann entweder online in Auftrag gegeben werden. Dann muss sich der Antragssteller nur noch bei der Abholung an der Ausgabestelle im Bürgerbüro identifizieren. Oder umgekehrt: Antrag im Bürgerbüro stellen, Unterschrift leisten und dann das Dokument bequem nach Hause schicken lassen. Auch internationale Führerscheine können ab 2014 auf diese Weise beantragt werden.

Schnellere Datenverarbeitung

Schon jetzt soll sich dank schnellerer Datenverarbeitung seitens der Mitarbeiter von Annette Wallisch die Wartezeit spürbar verringern, bis das neue Dokument von der Bundesdruckerei ausgestellt wird. „Die digitale Führerscheinbestellung ist wesentlich effizienter und spart zirka 25 Prozent Arbeitsaufwand“, betont Bürgerbüro-Leiterin Martina Fuchs. Möglich ist dies auch durch die Anbindung an diverse Schnittstellen (Einwohnerwesen, Kassensystem, Kraftfahrt-Bundesamt, TÜV). „Aufgrund der eingesparten Ressourcen können wir Personal an anderen Stellen sinnvoll einsetzen, um zum Beispiel in der Kundenberatung die Wartezeiten zu reduzieren.“

Der Datenschutz, das versichert ekom21, das als größtes kommunales Dienstleistungsunternehmen in Hessen seit vielen Jahren mit der Stadt zusammenarbeit, sei durch verschiedene Sicherungssysteme auf den firmeneigenen Servern gewährleistet. Und teurer wird das neue Verfahren auch nicht, wie Schwenke ein wenig bedauert: „Die Gebührenordnung ist bundeseinheitlich festgelegt und in der Regel nicht kostendeckend.“

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