Fünf Mal glatter Einser-Schnitt

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141 Schüler absolvierten in der Leibnizschule in diesem Jahr erfolgreich ihr Abitur. Damit ist laut Schulelternbeirat Dr. Frank Schlömer „ein langer Leidensweg vorbei“.

Offenbach - Wenn die Lehrerband der Leibnizschule zu Beginn der Akademischen Feier zur Übergabe der Zeugnisse lässige Country-Rhythmen intoniert, haben die modernen Pädagogen gar nichts mit den schrulligen Vertretern ihres Berufsstands aus dem Film „Die Feuerzangenbowle“ gemein. VonStefan Mangold

Als die Abiturienten Nikolaus Bodoczi und Syed Hussain jedoch einige aus dem Kollegium parodieren, schwebt das „Setzen Sie sich!“ eines Heinz Rühmann durch die Turnhalle. Rühmann imitiert in dem berühmten Schulfilm die Marotten jenes Gymnasiallehrers, der leitmotivisch aus einem selbst verfassten Buch zitiert.

„Abfragen“ gilt offensichtlich als Passion eines nun ehemaligen Lehrers von Syed Hussain. Brillant wie der das Zögern mimt, ehe der Pädagoge jenen herausfischt, den er längst als Objekt seiner „Monsterabfrage“ im Sinn gehabt haben dürfte. Das Fach „Darstellendes Spiel“, das Rainer Tyszkiewicz unterrichtet, bewegt sich augenscheinlich auf einem hohen Niveau. Erfrischend, wie das Quintett aus Teilnehmern anschließend ein Miniaturstück mit hoher Intensität und professionellem Ernst auf die Bühne stellt. Es wirkt authentisch, wenn Nikolaus Bodoczi brüllt, „zeig, was du hast“, und das schriftliche Elaborat mit „das ist nichts, das ist gar nichts!“ postwendend bewertet.

Alle finden sich darin nicht wieder, wenn der SchülervertreterJan Palme vermutet, in der Rückschau werde „die Schulzeit als schönste des Lebens erscheinen“. Manche, die regelmäßig um den Klassenerhalt kämpfen mussten, könnte es gehen wie dem Journalisten Peter Scholl-Latour. Von Menschen, die er im Krieg erschossen habe, träume er keineswegs. Statt dessen wähne er sich in einer Mathematikarbeit im Abitur, ahnungslos über den Aufgaben brütend.

Tatsächlich ist es in diesem Jahr 13 Schülern so ergangen, bedauert der Schulleiter Christoph Dombrowski. Sie fielen durch. Die Ursache für die hohe Zahl sieht Dombrowski in der letzten Oberstufenreform. Fünf der 141 Erfolgreichen erhalten Buchpreise für ihren Schnitt von einer glatten Eins. Der beliebte Schulsprecher Leroy Pfannkuchen bekommt den erstmals ausgelobten Leibnizpreis für sein außergewöhnlich großes soziales Engagement.

„Im Sinne von Schwein gehabt“

Dr. Thomas Frühauf vom Förderverein, ein Kardiologe, der nebenbei an Schulen über die Gefahren des Tabakkonsums referiert, erinnert sich an seine eigene Zeit auf dem Gymnasium, „an Phasen, in denen ich mich keineswegs gut fühlte“. Vielleicht ähnlich wie Hanno Buddenbrook im Roman von Thomas Mann, der sich während der ganzen Ferien täglich vornimmt, Versäumtes nachzuholen. Am letzten Abend stellt er den Wecker auf eine frühe Zeit, um vor dem Unterricht doch noch in die Bücher zu schauen. Vergeblich. Schließlich gerät Hanno in die Abfrage eines Lehrers und verpasst die Versetzung.

Denen, die bestanden haben, gibt Schulleiter Dombrowski auf den Weg, sich nicht auf das Glück „im Sinne von Schwein gehabt“ zu verlassen. Das manchem wohl hold war, der sich in bestimmten Fächern nur auf ein Thema vorbereitet hatte: „Die Gesetze der Stochastik sprechen auf Dauer gegen diese Form des Glücks.“ Von Offenbach Gutes zu berichten, bittet Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß die Abgänger, „die in anderen Städten studieren oder eine Ausbildung absolvieren“.

Erleichtert zeigt sich der Schulelternbeirat Dr. Frank Schlömer. Nicht nur für die Schüler, „sondern auch für die Eltern ist ein Leidensweg vorbei“. Schlömer setzt eine traurig anmutende, doch gleichsam realistische Note: „Viele sehen sich das letzte Mal in ihrem Leben wieder, heute oder auf dem Abiturball“.

Dessen Terminierung kommentiert Studienleiter Martin Schweinsberg. Der jetzige Jahrgang bleibe ihm stets als derjenige in Erinnerung, „der seinen Ball auf das Spiel Deutschland gegen Dänemark legte“.

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