„Für Tag X gerüstet“

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Ohne Mundschutz läuft in den Krankenhäusern nichts mehr: Die H1N1-Influenza hat Offenbach erreicht.

Offenbach - (fel/psh) Bernhard Jahn-Mühl, Leiter der Krankenhaushygiene am Klinikum Offenbach, ist alarmiert. Wenn der Experte über den Problemfall Schweinegrippe spricht, sind immer wieder Hinweise herauszuhören, dass er mit großer Spannung und Aufmerksamkeit die rasante Ausbreitung des Virus‘ beobachtet.

Wir sind am Klinikum hoch sensibilisiert“, räumt er ein. „So ist die Zahl der eingesetzten Schutzmasken bei uns zuletzt dramatisch gestiegen.“

Wenn ein Patient mit entsprechenden Symptomen (zum Beispiel Husten, Schnupfen und Fieber) ins Klinikum kommt, kommen umgehend Schutzmasken zum Einsatz. Allerdings werden nur Schwerkranke aufgenommen. „In der Kinderklinik hatten wir solche Fälle. Die Betroffenen wurden sofort isoliert. Dafür haben wir eine eingeübte Vorgehensweise. Die funktioniert.“ Auch auf eine mögliche große Schweinegrippe-Welle ab Ende August ist man vorbereitet. Jahn-Mühl berichtet von Plänen für großräumige Isolationsbereiche, zum Teil mit Beatmungsplätzen. Die Lager seien gut gefüllt mit Masken und Grippe-Impfstoffen. „Wir sind für den Tag X - für einen Patientenansturm - gerüstet.“ Dabei zeigt sich Jahn-Mühl erleichtert über das Verhalten der Hausärzte: „Sie übernehmen in den meisten Fällen die Abklärung, ob im Einzelfall eine Ansteckung vorliegt.“

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Nicht jeder sollte sich impfen lassen

Auch am Frankfurter Universitätsklinikum wird die wachsende Furcht vor einer Pandemie sehr ernst genommen. Zum Schutz vor der Schweinegrippe trägt jetzt das gesamte medizinische Personal einen Mundschutz. Sowohl schwerkranke Patienten als auch Mitarbeiter sollten vor Infektionen mit dem Virus vorbeugend geschützt werden. Der Mundschutz sei eine einfache, aber wirkungsvolle Methode, heißt es. Die Aktion zur Vorbeugung ist vorläufig bis 10. August angesetzt. Anschließend sollen Erkenntnisse und Erfahrungen von Fachleuten ausgewertet werden.

Am Klinikum Hanau wurden zum Schutz von Patienten und Personal vorsorglich die Lagerbestände an Arzneimitteln, Einmalhandschuhen und Mundschutzen erhöht. Prokurist Manfred Kalbitzer: „In einer Arbeitsgruppe überwachen wir die Situation und können schnell handeln.“

Auch niedergelassene Ärzte sollten sich rechtzeitig eindecken

Auch die niedergelassenen Ärzte sollen sich nach Anweisung des Gesundheitsministeriums rechtzeitig mit notwendigem Materialbedarf eindecken. Ob ein Patient tatsächlich mit dem Influenza-Virus infiziert ist, kann verhältnismäßig schnell herausgefunden werden: Testergebnisse gibt es werktags dank zusätzlicher Labore im Rhein-Main-Gebiet bereits innerhalb von 24 Stunden. Ist das Ergebnis positiv, bedeutet das jedoch nicht, dass der Erkrankte sofort ins Krankenhaus eingeliefert werden muss: Nach Angaben des Offenbacher Gesundheitsamtes können leichte Krankheitsverläufe in häuslicher Isolation behandelt werden.

Diese Maßnahme sei auch bei den bislang bestätigten Fällen in Offenbach sowie im Landkreis getroffen worden, bestätigt die stellvertretende Amtsleiterin Gudrun Schüler: „Wir haben die Verdachtsfälle sofort in ihren Privaträumen isoliert.“

Patienten dürften sieben Tage lang nicht ihr Zuhause verlassen - solange hält die Ansteckungsgefahr nach einer Infizierung an - und würden bei Bedarf vor Ort medizinisch behandelt. Außerdem stünden sie in täglichem Telefonkontakt mit den Gesundheitsämtern. Kinder müssten sogar zehn Tage in Quarantäne genommen werden.

Betroffen von den Quarantänemaßnahmen sind auch die Kontaktpersonen, in erster Linie die Angehörigen. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, wird ein Verstoß gegen die Isolation als Straftat geahndet: mit bis zu zwei Jahren Freiheitsentzug. Widerspruch und Anfechtungsklage haben gemäß des Infektionsschutzgesetzes keine aufschiebende Wirkung.

Den Betroffenen drohen dagegen keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen: Die Gesundheitsämter weisen darauf hin, dass der Arbeitgeber auch gesunden Angestellten, die unter Quarantäne gestellt werden, den Lohn weiter bezahlen muss. Dieser kann aber für die Quarantäne-Zeit vom Land Hessen zurückgefordert werden.

Angesichts der bislang im Vergleich zur „normalen“ Wintergrippe milden Krankheitssymptome, warnt der Leiter des Offenbacher Gesundheitsamtes, Dr. Armin Maiwald, jedoch vor einer Dramatisierung der Lage: „Gott sei Dank verläuft die Pandemie bislang glimpflich.“ Man sei jedoch sehr wachsam und rechne damit, dass sich die Situation verschlimmere. „Durch den Reiseverkehr ist es fraglich, ob man pandemische Infektionskrankheiten durch Quarantänemaßnahmen überhaupt eindämmen kann.

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