Ausgleichszahlungen für Offenbacher Bauprojekte sollen in den Bavaria-Teich fließen

Für mehr Artenvielfalt

Gewässer Karte Bieber
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Zwischen Gleisen und Fußballplatz liegt der Teich.

Bavaria-Teich. Das klingt irgendwie idyllisch. Ist er aber nicht: Eingekeilt im Dreieck zwischen Germania-Sportplatz und den S-Bahn-Schienen grenzt ein maroder Zaun das verwilderte Areal ab. Eingefallene Hütten und ein Wohnwagen, der offenbar Federvieh ein Dach über dem Kopf gab, runden das traurige Bild ab. Das soll sich ändern. Die Stadtverwaltung möchte dort ein Biotop entwickeln, das seinen Namen verdient. Die Planungen sind angelaufen.

Offenbach - Dabei ist der Bavaria-Teich - trotz des trostlosen Anblicks - bereits Lebensraum für seltene Pflanzen wie das Braune Zypergras und Laichgewässer für viele Amphibienarten. Röhricht-Strukturen und dichte Gehölzbereiche bieten Rückzugsmöglichkeiten für Wasser- und Singvögel, während seine reiche Insektenfauna zum Jagdgebiet verschiedener Fledermausarten wird. „Das Potenzial für Flora und Fauna ist jedoch weit größer“, weiß das städtische Umweltamt. Denn das Gewässer gehörte einst zur Aue des Bieberbachs.

Müll und Gartenabfallablagerungen, bauliche Anlagen, eingewanderte Pflanzen, die die heimischen verdrängen sowie die aus der vorangegangenen Nutzung resultierende Anreicherung des Gewässers mit Nährstoffen (eine grünfarbige Algenblüte), was mitunter schädliches Pflanzenwachstum zur Folge hat, wirken sich aktuell „noch negativ auf die Biodiversität im Weiher aus“. Innerhalb einer Ökokonto-Maßnahme plant das Amt die ökologische Aufwertung des Gewässers und Grünflächen – ein Areal von etwa 60 00 Quadratmeter. Vorgesehen sind eine natürliche Gehölzentwicklung, die Rückzugsräume für Lebewesen schafft. Außerdem ist eine „naturnahe magere Uferbepflanzung“ erforderlich.

Bürgermeisterin Sabine Groß erläutert: „Ziel ist es, den Bavaria-Teich in ein reich strukturiertes Biotop zu verwandeln und damit für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten Lebensraum zu schaffen. Der Umfang dieser Maßnahmen wird in Ökopunkten nach der Kompensationsverordnung bemessen und ermöglicht so die Refinanzierung des Projekts. Zukünftige, unvermeidbare Eingriffe in die Natur können durch den Kauf von Ökopunkten im Vorfeld ausgeglichen werden. Die Schaffung eines umfangreicheren Ökokontoguthabens zur Vereinfachung und Beschleunigung der städtebaulichen Entwicklung ist wichtiger Bestandteil des Konzepts ‘Mensch + Natur‘.

Heißt: Damit vor allem Bauprojekte unter Beachtung der gesetzlichen Eingriffs-/Ausgleichsregelung ohne Zeitverlust und mit Gewinn für die Landschaft umgesetzt werden können, stellt das Umweltamt eigene Ökokonto-Maßnahmen zur Verfügung. Leiterin Heike Hollerbach: „Wir aktivieren mit dieser Maßnahme zwei weitere Ziele unseres Konzepts. Das ist zum einen der Schutz von Oberflächengewässern und als zweites Ziel die Erweiterung des Retentionsraums, der als Wasserrückhaltefläche bei Starkregen dient und somit einen starken Wasseranstieg verhindert. Außerdem fördern wir die wertvollen Röhrichtbestände.“

Davor steht viel Arbeit: Zunächst muss der Weiher vom Schlamm (50 bis 80 Zentimeter) befreit und vertieft werden. Dann sind Müll, Anlagen und Zaunreste dran. Ferner müssen alle Pflanzen abgetragen und bekämpft werden, die nicht heimisch sind. Zurzeit erfolgt die Grundlagenermittlung und Projektplanung. Die Genehmigungen sollen im Frühjahr 2022 eingeholt werden. Der Baubeginn ist für den folgenden Herbst vorgesehen.

Von Martin Kuhn

Das kleine Gewässer gilt als wertvoller Lebensraum. Müll, Hütten und eingewanderte Pflanzen wirken sich aktuell negativ auf die Biodiversität aus.

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