Fürs Bier auch schon den Flug verpasst

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Mal ehrlich: Ein Frischgezapftes schmeckt doch immer und erst recht, wenn es beim Offenbacher Bierfest von netten und attraktiven Damen wie diesen überreicht wird. Foto:

Offenbach - Natürlich regnet es. Wer in diesem Sommer plant, ein Fest, ein Konzert oder was auch immer im Freien zu organisieren, sollte miserables Wetter als sicheren Faktor einkalkulieren. Von Stefan Mangold

Am Samstagnachmittag sieht es auf dem Bierfest am Rathaus zwischenzeitlich so aus, „als wird uns alles weggespült“. Abends kann Veranstalter Hans Peter Kampfmann aber beruhigt bis zum KOMM patrouillieren. Alles ist stehen geblieben.

Seit 1986 feiern die Offenbacher das Bierfest. Fast ununterbrochen. Lediglich vor drei Jahren fiel die Genehmigung einmal aus. „Das war möglich, weil ich keinen Vertrag über mehrere Jahre hatte“, sagt Kampfmann, der in Bürgel einen Getränkehandel und einen Cateringservice führt. Manchen wäre es damals zu viel der Feste in der Innenstadt gewesen. Ein Jahr später konnte Kampfmann jedoch wieder antreten, „die Nachfrage war einfach zu groß“.

In der Tat. Trotz des nassen Wetters stehen Besucher an den Ständen an, als gebe es heute und sonst nie was zu trinken. Beim Bierfest träfen sich die Leute, die sich sonst nur hin und wieder sähen. „Freunde dritten Grades“, nennt Kampfmann das Maß an Bekanntschaft, „viele kennen sich aus der Kneipe“. Längst sei das Bierfest eine Institution, „die Gäste kommen auch mit dem Regenschirm“. Kampfmann erzählt von einem Australier, der vor Jahren aus Teneriffa kam und in Frankfurt vom ausgefallenen Anschlussflug nach Sydney erfuhr. Statt ins Hotel zu gehen, nahm er die Einlandung von Offenbachern an, nicht nur bei ihnen zu übernachten, „sondern auch aufs Bierfest zu gehen“.

Das nächste Flugzeug morgens um sechs habe der Mann dann zwar verpasst, was dieser aber nicht als Malheur empfand. Abends sei er mit den Kumpels wieder hinter dem Rathaus erschienen. „Seitdem macht er jedes Jahr auf dem Heimweg vom Urlaub beim Bierfest halt.“

Mit Kandidaten, die es beim Blick ins Glas übertrieben haben könnten, bekommen die Sanitäterinnen, die sich umschauen, keinen Kontakt: „Für uns gibt’s bisher nichts zu tun.“ Das sei traditionell beim Bierfest in Offenbach so, freut sich Kampfmann, dessen eigener Stand hauptsächlich die Erzeugnisse der bayerischen Klosterbrauerei Andechs anbietet. Wem Bier nicht schmeckt, kann auch Caipirinha ordern. „Spirituosen erlauben wir jedoch nur in Cocktails.“

Schnaps und Korn förderten bei manchen die Streitlust. Um die erst gar nicht aufkommen zu lassen, „pflegen wir eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadtpolizei“. Deren Vertreter liefen regelmäßig übers Fest. Auch eigene Sicherheitsleute passten auf. Vernünftige Alkoholkonsumenten „trinken nur Bier und gehen dann zufrieden nach Hause“.

Neben den Markt dominierenden Marken bieten manche Stände auch regionale Erzeugnisse an, wie etwa die Brauerei Kloster Kreuzberg aus Bischofsheim in der Rhön, die im Jahr bis zu 10 000 Hektoliter produziert. Was sich viel anhört, ist im Vergleich zu einem Branchenriesen wie Bitburger, der rund vier Millionen Hektoliter in Fässer und Flaschen abfüllt, ein Glas im Kessel. Auch die Heidelberger Brauerei ist vertreten sowie das Offenbacher Restaurant „Le Belge“, das belgische Spezialitäten verkauft. Ohne die regionalen Brauereien „verliert das Fest seinen Charakter“.

Am Samstag spielt auf der Bühne vor dem Rathaus die Köstritzer Jazzband, hochprofessionelle Musiker ihres Fachs. Verärgert zeigen sich Besucher über einen schlecht besuchten Cocktailstand auf dem Aliceplatz. Von dort beschallt irrwitzig laute Diskomusik das Areal. Ein Ehepaar aus Rumpenheim fragt sich, „was der Schwachsinn auf einem Bierfest soll“. Die beiden gehen zum Wilhelmsplatz weiter.

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