Fundus ist gesichert

+
Gut 500 Exponate sind in den Bernardbau umgezogen (von rechts): Heinz-Josef Lorz (Senefelder-Stiftung), Konrad Goddhardt (IWS), Horst Maurer (Stadt Offenbach), Karl-Heinz Döbert (Senefelder-Stiftung) und Johannes Fröhling (IWS).

Offenbach - Gemeinhin gilt Oberbürgermeister Horst Schneider als Optimist; einer, der Projekte voranbringt, denen andere bereits in der Findungsphase keinen Erfolg bescheinigen. Was ihm mitunter vorgeworfen wird: Er ist ein wenig zu forsch, zu euphorisch. Von Martin Kuhn

Das ist in diesem Fall nicht zu sagen. Im Gegenteil. Der Verwaltungschef dämpft zu große Erwartungen: „Ein Senefelder-Museum? Ich würde das doch um einiges tiefer einordnen.“.

Was sicher der desolaten Finanzlage der Stadt geschuldet ist. Auf seinem „Langzeit-Wunschzettel“ steht allerdings weiter die Anmietung des kompletten Bernardbaus und eine Ausweitung des musealen Angebots im sogenannten Kultur-Carree. Ein Museum für Alois Senefelder? Es würde passen.

„Diese Stadt verdient ein Museum“

In ihrer Denkschrift blickt die Stiftung zum Jubiläum sicher nicht unbewusst nach Holland. In einem Beitrag lässt Peter-Louis Vrijdag Interessierte und vor allem Offenbacher an der Gründungsgeschichte des „Nederlands Steendrukmuseum“ teilhaben. Sein Resumee ist als Schmeichelung zu verstehen: „Diese Stadt verdient ein Museum.“

Genährt wird der verständliche Wunsch wohl aktuell aus der Tatsache, dass die Stadt einen gemieteten Raum im historischen Bau der Senefelder-Stiftung überlassen hat. Die lagert dort seit den Vorweihnachtstagen ihren umfangreichen und teils gewichtigen Fundus ein.

Der Schatzmeister der Internationalen Senefelder-Stiftung, Heinz-Josef Lorz, hatte für den kostenlosen Transport den Geschäftsführer der Bamberger Firma IWS, Alexander Donner, gewinnen können. „Ihn und seinen Mitarbeitern müssen wir fürs großzügige Sponsoring danken“, sagt Lorz. Der Lastwagen musste allein wegen der gewichtigen Original-Steine dreimal fahren.

Vergabe des Internationalen Senefelder-Preises

Die Stiftung macht vor allem durch die Vergabe des Internationalen Senefelder-Preises auf sich aufmerksam. Sie schreibt diesen Preis für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Lithografie und ihrer Weiterentwicklung aus. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Bruno Bruni, Jim Dine, Paul Wunderlich und Bard Verbaenen. Unter anderen bereichern ihre Werke den Fundus und stehen inzwischen in guter räumlicher Nachbarschaft.

Das Haus der Stadtgeschichte dokumentiert bekanntlich die Offenbacher Industriegeschichte. Mittelpunkt dieser Darstellungen ist ein funktionsfähiger Nachbau der Lithographen-Presse von Alois Senefelder, der im Jahr 1800 für den Offenbacher Musikalienhändler André die weltweit erste kommerziell tätige Steindruckerei einrichtete. Die Presse könnte ebenso wie die Sammlung der Senefelder-Stiftung den Grundstock für ein eigenes Museum bilden. Schneider favorisiert naturgemäß die Senefelder-Abteilung.

Als Druckmaschinen-Hersteller „manroland“ vor gut einem Jahr das Aus des Senefelderhauses signalisiert, bietet er sofort Hilfe an: „Wir geben den Schätzen der Stiftung gern ein neues Zuhause.“ Das ist geschehen. Für den OB ermöglicht man so indirekt museale Kernaufgaben: Sammeln, Bewahren, Forschen. Aber da fehlt doch etwas. Richtig: das Zeigen. „Das ist vielleicht die Aufgabe der nachfolgenden Generationen“, entschleunigt Horst Schneider nochmals.

Kommentare