Einkaufen mit Mindestabstand

Funktioniert das sogenannte Social Distancing in Offenbach?

So ist’s richtig: Die Kunden warten geduldig und mit Abstand darauf, dass sie an der Reihe sind...
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So ist’s richtig: Die Kunden warten geduldig und mit Abstand darauf, dass sie an der Reihe sind... 

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät zum Abstand halten. Wie gut funktioniert das im Alltag?

Offenbach – Ist doch eigentlich ganz einfach: „Meiden Sie Menschenansammlungen und beachten Sie die vorgegebenen Abstandsregeln von mindestens 1,5 Metern“, rät nicht allein die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Entscheidende Frage: Kommt die Botschaft an? Etwa auf dem Wochenmarkt. Eine Momentaufnahme.

Momentaufnahme vom Wochenmarkt in Offenbach

„Finger weg!“ Das Schild kennt jeder, der im Sommer bei Heidi Jung versucht ist, die mannigfaltige Auswahl ihrer Tomaten nicht nur anzusehen. Der Hinweis prangt mittlerweile in vielerlei Abwandlungen an allen Ständen des Wochenmarktes. Mit Obstkisten oder Flatterband markieren die Händler entsprechende Abstands-, beziehungsweise Anstandszonen. Petra Heckelmann vom Vorstand der Beschicker spricht den Kunden ein dickes Lob aus: „Das läuft sehr gut, die meisten verhalten sich vorbildlich.“

Die Händler sehen’s genauso. Allerdings sind sie teils etwas deutlicher in der Bewertung als Petra Heckelmann: „95 Prozent halten sich an die Vorgaben, stehen geduldig und mit Abstand an. Aber fünf Prozent Deppen hast du eben überall – auch hier.“ Das ist hin und wieder zu beobachten: Schlange gar nicht erst beachten, direkt an den Stand treten, Ware antatschen und drücken. Nach einem wohlformulierten Hinweis des Händlers das Gemüse hinlegen und wort- und grußlos gehen. Nur mal nebenbei: So sollte man es auch in Corona-freien Zeiten nicht machen...

Erlassene Standgebühren während Corona-Krise

Ansonsten stehen die Kunden am Samstagmorgen geduldig an, suchen per Augenkontakt den letzten in den Reihen, die sich teils überschneiden beziehungsweise queren. Aber mit ein bisschen gutem Willen ist alles machbar – Abstand zwei Meter, kein Problem. Die Händler selbst arbeiten mit Handschuhen, Desinfektionsmittel und Schälchen fürs Münzgeld. „Wenn’s so weitergeht, überleben wir die Krise, auch wenn spürbar weniger Kunden kommen“, sagt Petra Heckelmann zu der wirtschaftlichen Situation.

Wohlgemerkt zu der ganz persönlichen als Gartenbauer: „Als Kleinstbetrieb (sie und ihr Ehemann Bernhard) haben wir keine Erntehelfer. Bei anderen könnte es eng werden.“ Das weiß beispielsweise Holger Wotke, der auf verschiedenen Wochenmärkten in der Region Grillhähnchen, Putenkeulen, Pommes frites und Krautsalat anbietet. „In Offenbach verzeichnen wir einen Rückgang um etwa die Hälfte, da hier üblicherweise viele an unseren Tischen essen und die Atmosphäre genießen. Das entfällt ja leider komplett“, sagt er, ohne die behördlichen Maßnahmen in irgendeiner Form kritisieren zu wollen. Gleichwohl zollt er der Lokalpolitik einen großen Respekt, die sofort und parteiübergreifend („Da schießt keiner quer.“) reagiert und die Standgebühren fürs zweite und dritte Quartal erlassen habe.

Ein dickes Lob erfährt auch Matthias Häcker, der Käsespezialitäten bekanntlich auf vier Rädern anbietet. Dass sein Verkaufstresen aktuell mit zusätzlichen Plexiglasscheiben versehen ist, registrieren alle Kunden. Nachgerüstet hat Häcker in Zeiten der Pandemie indes nicht. „Die sind serienmäßig installiert, um die empfindliche Ware vor extremer Hitze und Kälte zu schützen.“ Das war bislang nicht nötig...

VON MARTIN KUHN

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