Fusioniert Offenbach mit Frankfurt?

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Sie haben über die Zukunft der Evangelischen Gemeinden in Offenbach mitentschieden (von links): Pfarrer Georg Friedrich Metzger, Volker Emig, Dekanin Eva Reiß, Andreas Kunz-Schleich, Rolf-Harald Burghard, Anja Wasserziehr, Pfarrer und stellvertretender Dekan Ulrich Knödler, Pfarrerin Patrizia Pascalis, Uwe Schick, Margit Hönig.

Offenbach (vs) - „Synergie“ heißt das Zauberwort – auch in der Kirchenarbeit. So trafen sich am Montag zum ersten Mal Synodale des Evangelischen Dekanats Offenbach und die Vertreter des Evangelischen Kirchengemeindeverbands zu einer gemeinsamen Sitzung in der Friedenskirche.

Beide Gremien möchten auch in Zukunft zusammen tagen. Die Kirchenleitung erwägt eine Neuordnung der Dekanatsgebiete. Pröpstin Gabriele Scherle erläuterte, dass dabei langfristig das Zusammengehen der Frankfurter Dekanate mit Offenbach geplant sei. „Ein Vorschlag, der hohe Wellen schlägt“, sagt der stellvertretende Offenbacher Dekan Ulrich Knödler. Für eine Fusion mit Frankfurt sprächen laut Scherle zum einen Ähnlichkeiten in struktureller Hinsicht – in beiden Städten gebe es sowohl eine Verbands- als auch eine Dekanatsebene. Zum anderen sei die evangelische Kirche im urbanen Raum mit ähnlichen Themen befasst. „Unsere Belange passen eher mit Frankfurt zusammen als mit denen im flachen Land im Offenbacher Kreisgebiet“, bestätigt Knödler. Würde sich Offenbach mit Frankfurt zusammenschließen, entstünde voraussichtlich ein neues Dekanat Dreieich-Rodgau.

In Frankfurt leben etwa 122 000 evangelische Christen, in Offenbach sind es 21.000. Es soll jedoch zunächst das Ende der Frankfurter Strukturreform abgewartet werden, bis eine Fusion zwischen Offenbach und Frankfurt ins Auge gefasst werden könne. „Die Frankfurter Dekanate sind derzeit zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie sich mit Offenbach befassen könnten“, sagt Knödler. „Zum anvisierten 1. Januar 2016 wird es eher nicht funktionieren.“ Die Offenbacher Kirchenvertreter sprachen sich trotzdem mehrheitlich dafür aus, Gespräche mit Frankfurt aufzunehmen.

Zustimmung zur Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie

Der Vorsitzende des Verbandsvorstands Volker Emig betonte, dass kirchliche Strukturen dringend an gesunkene Mitgliederzahlen angepasst werden sollten. Dekanatssynode und Verbandsvertretung gaben in diesem Zusammenhang ihre Zustimmung zur Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie, die Gebäude und Personalbestand in den Blick nehmen soll. „Von 43 Dekanaten in Hessen sollen etwa 25 übrig bleiben“, konkretisiert Knödler.

Vertreter beider Gremien stimmten weiter dem Verkauf des Grundstücks und der Kirche im Lauterborn zu. Der Kirchenvorstand der Lauterborngemeinde hatte im September 2011 für die Veräußerung der Kirche und ein Zusammengehen mit der Luther-, Schloss-, und Paul-Gerhardt-Gemeinde gestimmt. „Dass der Vorstand von sich aus beschließt, den Standort zu verlassen, ist einmalig“, so Knödler, der auch Pfarrer der Luthergemeinde und somit von der Fusion der vier Gemeinden betroffen ist. Auf dem Lauterborner Grundstück sollen Reihenhäuser gebaut werden. Den Erlös daraus möchte die Lauterborngemeinde laut Knödler in „ein neues Nest“ investieren, das durch einen Anbau am Standort der Paul-Gerhardt-Kirche entstehen soll. Im Lauterborn befindet sich bereits eine Kita der Paul-Gerhardt-Gemeinde, die Entstehung eines Familienzentrums ist geplant. „Es sind wichtige Entscheidungen gefallen, die für uns Chance und Existenzberechtigung sind“, bilanziert Knödler.

Dekanin Eva Reiß berichtete über eine Spende, die den Fortbestand der Schulseelsorge an der Erich-Kästner-Schule für ein weiteres Jahr sichert. Die Sondersynode zur Wiederwahl von Reiß tagt am 30. August in der Stadtkirche.

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