Jugendliche 27 Monate nach der Tat bestraft

Offenbach/Darmstadt ‐ Rechtspolitiker verkünden es gerne und regelmäßig: Bei jugendlichen Tätern soll die Strafe auf dem Fuße folgen. Von Matthias Dahmer

Die Realität sieht anders aus. Mehr als zwei Jahre nach einer brutalen Tat, bei der ein 51-jähriger Heusenstammer schwer verletzt wurde, sind jetzt fünf jugendliche Schläger vom Landgericht Darmstadt rechtskräftig verurteilt worden. Nur der jüngste, er war zur Tatzeit knapp 14 Jahre alt, muss nun - 27 Monate später - einen dreiwöchigen Jugendarrest antreten. Einem weiteren wurden drei Tage aufgebrummt, der Rest kam mit Arbeitsstunden davon.

Das Landgericht, bei dem sowohl fünf von sechs Angeklagten als auch die Staatsanwaltschaft Berufung gegen das Urteil des Offenbacher Jugendschöffengerichts eingelegt hatten, bestätigte damit das Strafmaß der ersten Instanz. Jedoch wurde, nachdem nur noch die Staatsanwaltschaft ihre Berufung aufrecht erhalten hatte, der Schuldspruch geändert: Die Jugendlichen sind jetzt alle wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft. Die Offenbacher Richter hatten in dem beinahe tödlichen Gewaltdelikt nur eine einfache Körperverletzung gesehen.

„Mit dem Urteil kann ich leben.“

Die Tat hatte im November 2007 kreisweit für Aufsehen gesorgt: Nach einem Fußballspiel zwischen der A-Jugend der SSG Gravenbruch und der TSV Heusenstamm in Gravenbruch kam es zu einer Schlägerei, bei der der Heusenstammer Dr. Dieter Müller als unbeteiligter Vater eines TSV-Spielers durch Tritte gegen den Kopf einen Schädelbasisbruch erlitt, mit dessen Folgen er monatelang zu kämpfen hatte.

Sechs Jugendliche aus den Reihen der SSG wurden angeklagt und nach einem sich lange hinziehenden Verfahren mit einer aufwändigen Beweisaufnahme schließlich im Sommer 2009 verurteilt.

Für mich ist das jetzt in Ordnung, mit dem Urteil kann ich leben. Ich bin froh dass der Prozess endlich zu Ende ist“, kommentierte Dieter Müller den Richterspruch. Weil die Versicherung der SSG Gravenbruch nicht bereit ist, Schmerzensgeld zu zahlen, wird er sich indes zivilrechtlich weiter streiten müssen. Müller: „Immerhin hat das Landgericht den Angeklagten nun die Gerichtskosten aufgebrummt. Wäre es nach dem erstinstanzlichen Urteil gegangen, hätte ich die auch zahlen müssen.“

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