SG Rosenhöhe

Platzt der Kunstrasentraum?

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Die Rosenhöhe-Fußballer hätten gern einen Kunstrasenplatz, um im Winter Trainings- und Spielbetrieb zu garantieren.

Offenbach - Eine Neiddebatte wollen Patrick Ihlefeld und Christian Dapp nicht lostreten. Die Offenbacher aus Überzeugung wissen um die prekäre finanzielle Lage der Stadt. Als Vorstände der SG-Rosenhöhe-Fußballer setzen sie aber auch schnell die Vereinsbrille auf. Von Martin Kuhn

Im südlichsten Zipfel der Stadt hoffen sie seit Jahren auf einen Kunstrasenplatz. Der steht zwar im Investitionsprogramm des städtischen Haushalts, könnte jedoch auf die Streichliste gelangen. Ihlefelds und Dapps Appell: „Wir setzen auf ein neuerliches Nachdenken der Politik.“

Bei der Sportgemeinschaft, mit gut 1200 Mitgliedern einer der größten Vereine der Stadt, sind etwa 600 Fußballer aktiv – davon allein 420 Jugendliche, der überwiegende Teil aus Offenbach. Die 15 Jugendteams besetzen durchgängig alle Jahrgänge, von der U7 bis zur U19. „Das ist in der Stadt ziemlich einmalig“, sagt Ihlefeld, der darin eine kontinuierliche Arbeit (Politiker würden es wohl als nachhaltige bezeichnen) des Vereins, der Trainer und der Eltern sieht. Worauf die SGR-Verantwortlichen stolz sind: Mit den drei ältesten Jahrgängen spielen sie in der jeweils höchsten Spielklasse, der hessischen Oberliga.

Vier Rasenplätze, ein Tennenplatz - eigentlich ausreichend

„Zu uns kommen Teams aus Kassel, Baunatal, Vellmar oder Marburg“, zählt der Abteilungsvorsitzende auf. Für die Gäste ist’s mitunter eine Odyssee. Aufgrund der gerade in den Wintermonaten begrenzten Platzkapazität auf der Rosenhöhe weichen die SG-Teams für ihre Heimspiele (!) aus – zum BSC, nach Bonames, nach Griesheim. Überall dort stehen Kunstrasenplätze zur Verfügung. Mit ein Grund: Die aktuellen Bestimmungen in den obersten Klassen verbieten Partien auf Tennenplätzen. „Und das ist der einzige Platz, der uns im Winter für alle Mannschaften zur Verfügung steht“, beklagt Christian Dapp, der als Spielervater in den Verein gekommen ist und mittlerweile im Vorstand engagiert mitwirkt.

Die seit Jahrzehnten unveränderte Situation auf der Rosenhöhe: vier Rasenplätze, ein Tennenplatz. Eigentlich ausreichend. „Ja“, sagt Dapp und fügt schnell hinzu: „Im Sommer.“ Sobald das Sportamt im Spätherbst das Grün sperrt, „ist Land unter“. Alles drängt aus den verbliebenen Tennenplatz, der zudem mit anderen Vereinen zu teilen ist, in Hallen oder Nachbarkommunen. „Für einige ist’s ein lukratives Geschäft“, vermuten die Vorstände. Heißt aber auch: Bei einigen Jugendteams zahlen die Eltern die Mietpreise aus eigener Tasche. „Vom Verein ist da nichts zu erwarten.“

Am Hauptfeld ist Flutlicht vorhanden

Angesichts des derzeitigen „Trainings- und Spiel-Tourismus“ fehlen Ihlefeld immer mehr die Argumente, warum die Jugendlichen bei der SGR kicken sollen. Der Klub würde gern expandieren, „wenn wir den Platz hätten“. Den haben sich die Verantwortlichen längst ausgeguckt. Einigkeit besteht ohnehin im zentralen Punkt: Hände weg von der Tenne! Dort einen Kunstrasenplatz bauen, wäre kein Gewinn; dann stünde in den Wintermonaten weiter nur ein Platz bereit.

Also Kunst- statt Naturrasen. Vorteil: ganzjähriges, verlässliches Angebot. In ihren Augen idealerweise auf dem Hauptfeld mit Laufbahn. Die werde ohnehin nicht mehr genutzt seit dem finalen Umzug der Leichtathleten an den Wiener Ring. Vorteil aus ihrer Sicht: Am Hauptfeld ist Flutlicht vorhanden. So wäre das Feld nach Sonnenuntergang zu nutzen, und von den im Etat eingestellten 750.000 Euro Kosten würde ein gehöriger Teil wegfallen: 300.000 Euro weniger. Ihre Hilfe oder auch Kontakte zum Deutschen Fußballbund bietet der SG-Vorstand an. Sie fragen: „Wo und wie können wir der Stadt helfen?“

Eher bedeckt gibt sich Bürgermeister Peter Schneider als Sportdezernent: „Den Haushalt hat der Stadtkämmerer aufgestellt.“ Das ist OB Horst Schneider. Zu weiteren Aussagen lässt sich der Grünen-Politiker nicht drängen und verweist an die AG Schutzschirm. Ob die Stadt unter den selbigen mit dem von der SGR erhofften Kunstrasen schlüpfen kann, ist fraglich. Und ein schwacher Trost ist für den Verein, dass ihr Traumprojekt überhaupt mal auf einer Liste steht. Denn möglicherweise ist’s eine Streichliste.

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