„Gruselig“ und „ganz übel“

Fußballfans aus Offenbach und Langen zurück aus Paris

Offenbach - Auch zwei Tage nach den Terrorangriffen in Paris steckt der Offenbacherin Jacqueline Schnelle der Schreck noch in den Gliedern. Von Christian Düncher

„Ganz übel“ werde ihr angesichts der Erkenntnisse, dass einer der Attentäter seine Bombe im Stade de France zünden wollte. In dem Stadion also, in dem 80.000 Zuschauer das Spiel zwischen Frankreich und Deutschland verfolgten, darunter auch sie und einige andere Fußballfans aus der Region.

Die Bombe sei nur wenige hundert Meter von ihr entfernt explodiert – an einer Stelle, „an der wir kurz vorher vorbeigelaufen sind“, berichtet die 36-Jährige, die mit Lebensgefährte André Rolli (43) im Stadion war. Bei der ersten Detonation habe sie sofort an den Anschlag auf Charlie Hebdo gedacht. Später sah sie Blaulichter. „Ab dem Zeitpunkt habe ich vom Spiel nichts mehr mitbekommen. Die Leute haben nur auf ihre Handys geguckt. Wir haben Nachrichten von Freunden bekommen, die wissen wollten, ob es uns gut geht.“

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Nach dem Abpfiff gab es nur ein Ziel: Raus aus dem Stadion. „Auf einmal kamen aber alle zurückgerannt. Es gab Schreie, Leute waren in Panik“, sagt die Offenbacherin. Die Menschen flüchteten in den Innenraum, harrten dort lange aus. „Irgendwann gingen wir dann in Richtung S-Bahn“, erinnert sich Schnelle. Zweimal stieg sie in einen Zug, zweimal musste sie diese wieder verlassen. Unter anderem, weil ein herrenloses Paket gefunden worden war. Zum Hotel zu laufen, kam für sie nicht in Frage. „Es waren ja angeblich noch Attentäter in der Stadt unterwegs“, sagt die Offenbacherin, die in dem Moment an ihr Kind zu Hause dachte. „Als Mutter hat man eine andere Verantwortung“, meint sie.

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Die Nacht im Hotel war kurz, der Durst nach Informationen größer als die Müdigkeit. Statt auf den gebuchten Flug zu warten, reisten die Offenbacher am nächsten Morgen per Zug nach Hause. Obwohl am Bahnhof „viel Polizei und Militär“ war, fühlte sich Schnelle nie sicher. Einem Bärtigen mit Koffer ging sie lieber aus dem Weg. Und wenn sie die Nachrichten im Fernsehen sieht, muss sie immer noch schlucken.

Ein Fußballfan aus Langen, der ungenannt bleiben will, war ebenfalls im Stadion. Er hatte bei der ersten Detonation an einen Böller gedacht. Erst später erfuhr er von den Anschlägen. „Ich habe gezittert“, gibt er zu. Die Situation, als die Zuschauer zurück ins Stadion rannten, nannte er „gruselig“. Da die Durchsagen im Stadion nur auf Französisch waren, konnten viele Deutsche die Lage nicht einschätzen. „Man fühlte sich ausgeliefert, achtete nur auf die Reaktion der Masse.“

Auf der Rückfahrt zum Hotel, das nur zwei Kilometer von einem der Anschlagsorte entfernt war, musste im Bus das Licht ausbleiben, „damit wir kein Ziel abgeben“. Während der Fahrt habe er auf jede Bewegung geachtet und sich erst im Hotel wieder sicher gefühlt. Trotzdem war er froh, als er Paris am nächsten Tag mit dem Auto hinter sich gelassen hatte. Ebenfalls wohlauf und wieder in Deutschland sind vier Mitglieder des OFC-Fanclubs „Invasion Senfkurve“, die als Zuschauer im Stadion waren.

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Rubriklistenbild: © AFP

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