G8-Schüler sind besser

Offenbach - Es ist eins jener Gerüchte, die sich zunächst hartnäckig halten, um sich kurz darauf als unumstößliche Tatsache zu verbreiten - und trotzdem nicht stimmen: „Haben Sie das auch gehört? Von Martin Kuhn

40 Prozent sind an der Leibnizschule sitzen geblieben.“ Und zwar nicht irgendwelche Pennäler. Ausgerechnet den G8-Jahrgang soll’s so hart erwischt haben, der nun als erster auf die Zielgerade (Qualifizierungsphase, ehemals Klassenstufen 12 und 13) der schulischen Laufbahn einschwenkt.

Diese hohe Zahl kann Christoph Dombrowski nicht bestätigen. Die Zahl derer, die’s nicht geschafft haben, spezifiziert der Schulleiter nicht genauer, spricht von „einer üblichen Quote“ in der Einführungsphase, die 235 Mädchen und Jungen am Leibnizgymnasium durchlaufen haben. Ganz ähnlich äußern sich Dombrowskis Kollegen an Albert-Schweitzer- und Rudolf-Koch-Schule. Was die Verfechter der Schulreform wohl eher erhofft hatten, ist aktuell durch Zahlen belegt: Der G8-Jahrgang fällt im Vergleich zum G9-Jahrgang nicht ab. Im Gegenteil. Ein Hessentrend, den das Kultusministerium erkannt hat, ist auch in Offenbach zu beobachten.

In einem aktuellen Leistungsvergleich für das erste Jahr der gymnasialen Oberstufe schnitten die G8-Schüler teils sogar besser ab als ihre Mitschüler, die ein Jahr länger die Mittelstufe besucht haben, heißt es aus Wiesbaden. Und: „Insgesamt zeigt die Auswertung, dass es nur geringe Leistungsunterschiede zwischen beiden Gruppen gibt.“ Also war die ganze Aufregung heiße Luft?

So pauschal urteilt Ulrich Schmidt ungern. Den Prozess, also die Verkürzung der Schulzeit, erachtet der Leiter der Albert-Schweitzer-Schule als „gut“, die systematische Umsetzung in Hessen mit der Verdichtung in der Mittelstufe als „verbesserungsfähig“. An der Waldstraße haben die Einführungsphase 38 von 212 Gymnasiasten nicht geschafft – davon 10 sogenannte G8- und 28 G9-Schüler. Da gibt es natürlich mannigfache Gründe. Schmidt hebt jedoch zwei Punkte hervor: „Wir haben intensiv überlegt, wie wir das fehlende Schuljahr kompensieren. Ein Ergebnis: mehr Methodenarbeit.“ Zudem sei der G8-Jahrgang von Anfang an Anfang gewohnt gewesen, „intensiver zu arbeiten“. Der Lehrer erkennt eine „veränderte Lernhaltung“.

Ähnlich sieht es Christiane Rogler, Chefin an der Rudolf-Koch-Schule: „Die G8-er zeigen ein deutlich besseres Arbeitsverhalten und sind leistungsgewohnter.“ Auch das dritte städtische Gymnasium bereitet einen imposanten Jahrgang aufs Abitur vor: 220 Jungen und Mädchen absolvierten die Einführungsphase – etwas mehr als 30 Jugendliche schafften diese nicht: „Ein normaler Schnitt.“

Rubriklistenbild: © dpa

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