Aus für das Gästehaus

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Die Tage des Gästehauses auf der Rosenhöhe sind gezählt: Der Internationale Bund, Mieter und Betreiber der Einrichtung, geht Ende April raus.

Offenbach - Es war eine feste Adresse für Generationen von Jugendlichen und Sportlern, die in Offenbach nächtigten. Zugleich galt es als Geheimtipp für jene, die zum Beispiel runde Geburtstage zu feiern hatten. Von Matthias Dahmer

Die Rede ist vom Gästehaus auf der Rosenhöhe, jener etwas versteckt - und wäre der Fluglärm nicht - schon fast idylisch gelegenen Immobilie zwischen Waldschwimmbad und Kleingärten. Allein: Die Tage des Gästehauses sind gezählt.

„Ende April ist Schluss“, sagt Rita Waterstradt. Dann wird der Internationale Bund Offenbach (IB), dessen Geschäftsführerin Waterstradt ist, den Mietvertrag mit der Stadt nicht verlängern können. Dem IB ist sozusagen das Personal fürs Gästehaus ausgegangen. Das erhielt er in den vergangenen Jahren regelmäßig via Ausschreibung entsprechender Ausbildungs- und Eingliederungsmaßnahmen für angehende Hotel-Fachkräfte etwa von der Agentur für Arbeit oder der Offenbacher Hartz-IV-Behörde Mainarbeit. Ganze sechs Plätze seien im vergangenen Jahr ausgeschrieben worden, die Ausschreibung habe das unter kirchlicher Trägerschaft stehende Gelbe Haus gewonnen.

Der Konkurrenzdruck

Der Konkurrenzdruck unter den Ausbildungsträgern, Kürzungen des Bundes beim Eingliederungsbudget sowie der Umstand, dass „der Markt mittlerweile auch die Schwächeren aufnimmt“, wie Rita Waterstradt formuliert, haben dazu geführt, dass der IB sein Angebot einstellt, sich aus der Einrichtung zurückzieht. Hinzu kommt als Nebenaskpekt, dass im Gästehaus mit seinen nicht mehr ganz zeitgemäß ausgestatten 19 Zimmern Sanierungsarbeiten notwendig sind, die der IB nicht stemmen kann.

Was aus dem städtischen Gebäude mit seinem großen Gartengelände wird, ist trotz des baldigen Leerstands offen. Es gebe zwar private Anfragen für eine „Nutzung in Richtung Tennis- oder Fußball“, sagt Werner Hinkelbein vom Liegenschaftsamt. Doch die Überlegungen zur Zukunft der Immobilie stünden erst am Anfang.

Hotel-Fachkräfte ausgebildet

Seit 1990 hat der IB auf der Rosenhöhe Hotel-Fachkräfte ausgebildet; hat jene Jugendlichen betreut und behutsam aufs Berufsleben vorbereitet, die sonst keine Chance gehabt hätten. „Das Ganze war konzipiert als Ausbildungshaus, das mit dem gewerblichen Betrieb verquickt wurde“, berichtet Rita Waterstadt. Und man sei stolz gewesen auf die Prüfungsergebnisse der benachteiligten Jugendlichen. Dass jetzt Schluss ist, schmerzt die Geschäftführerin, doch dem Gästehaus, sei „einfach die Grundlage abhanden gekommen“.

Für die IB-Chefin zeigt das Aus fürs Gästehaus, mit welch harten Bandagen mittlerweile in der Branche der Ausbildungsträger gekämpft wird. Es gebe zwar die Ausschreibungen, doch „letztendlich wird es über den Preis entschieden“. Das Nachsehen hätten dabei die „gestandenen Träger“, die qualifiziertes Personal vorhielten, nach Tarif bezahlten und die deshalb alle über die herrschende Situation klagten. Immerhin seien mittlerweile jene schwarzen Schafe aussortiert, die sich zum Beispiel für eine Ausbildungsmaßnahme für angehende Hotel-Fachkräfte für einige Monate in ein Hotel eingemietet hätten.

Kompetenz und Qualität

Den Vorwurf, Dumpingpreise würden das Geschäft ruinieren, kann Matthias Schulze-Böing nicht teilen. Bei Ausschreibung einer Ausbildungsmaßnahme, die nach dem Vergaberecht zu erfolgen habe, sagt der Geschäftsführer der Mainarbeit, werde der Preis mit rund 40 Prozent gewichtet, mehr zähle Kompetenz und Qualität des Trägers. Im Übrigen sei der Kreis der Ausbildungsträger überschaubar und seit Jahren stabil. Zumal diese bestimmte Voraussetzungen mitbringen müssten.

Die Gründe für den Rückgang sieht Schulze-Böing darin, dass einerseits der Bund die finanziellen Mittel stark reduziert habe und sich andererseits der Ausbildungsmarkt verbessert habe und weniger Maßnahmen ausgeschrieben würden. Letzteres sei „ein eigentlich erfreulicher Umstand, der zu Lasten der freien Träger geht.“

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