Gang durchs Senefelderquartier

Klare Ansagen an Amt und ESO

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Marion Rüber-Steins (vorne) vom Amt für Stadtplanung gab den interessierten Offenbachern Einblicke ins künftige Senefelderquartier.

Offenbach - Anwohner des Viertels haben sich vor dem Stadtteilbüro an der Hermannstraße eingefunden, um ungeachtet von Nieselregen und vorweihnachtlicher Geschäftigkeit mit Vertretern der Bauverwaltung einen informativen Spaziergang zu unternehmen. Von Harald H. Richter 

Den Offenbachern geht es darum, städtebauliche Entwicklungschancen und besondere Herausforderungen auszuloten, denn das Senefelderquartier ist Teil des Programmgebiets „Südliche Innenstadt“, das durch die Hessische Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt (Hegiss) projektiert wird. Zwei Wochen zuvor hat eine ähnliche Begehung im nördlich der Bahnlinie gelegenen Gebiet stattgefunden, nun folgt die Süderkundung. An etwa einem Dutzend Stationen zwischen Liebig-, Feld- und Gabelsberger Straße wird diskutiert und manches notiert, was dem Thema dienlich ist.

Die Rundgänge sind Teil der aktivierenden Bürgerbeteiligung, die während der zehnjährigen Programmlaufzeit wichtiger Bestandteil aller Projektphasen ist. Unter anderem sollen Ideen gesammelt werden, um das von hohem Migrationsanteil, Überalterung und überdurchschnittlich vielen Sozialleistungsbeziehern geprägte Quartier zu stabilisieren und aufzuwerten. Inmitten einer fast 30-köpfigen Menschentraube ermutigt Tobias Kurtz vom Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement gleich zu Beginn an der Ecke Schäfer-/Hermannstraße die Versammelten zu Anregungen.

Aus der Gruppe heraus wird jedoch weniger über gestalterische Verbesserungen sinniert, als vielmehr die Raserei in diesem Geviert beklagt. „Kaum ein Autofahrer hält sich an die 30er-Tempobegrenzung“, moniert ein Anwohner und spricht von einer Rennstrecke. „Deshalb sollte öfters mal kontrolliert werden.“ Auch das wilde Parken im öffentlichen Raum sei ein Ärgernis, wird ergänzt. Klare Ansagen also an die Adresse der Ordnungsbehörde. Doch auch dem Dienstleister ESO wird einiges ins Auftragsbuch geschrieben. Tagelang herumstehendes Gerümpel verschandele das Viertel, und so mancher Bürgersteig erweise sich seit langem als Stolperfalle, besonders für ältere Menschen. „Da werden Schäden, wie lose Gehwegplatten, zwar farbig markiert, aber dann geschieht monatelang nichts.“

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Ähnlich schmutzig und zugeparkt wird der Platz vor der Post an der Marienstraße wahrgenommen. Von Aufenthaltsqualität könne hier nicht die Rede sein. Dennoch seien aufgeweitete Flächen in einem derart dicht besiedelten Gebiet ein wichtiger Bestandteil innerstädtischer Strukturen, betont Referatsleiterin Marion Rüber-Steins. Wenig später nutzt die Gruppe nur unweit vom Bahndamm die Gelegenheit, konkrete Einfälle vorzubringen. Das Gelände bietet ausreichend Platz zum Spielen, wird festgestellt. Dort könnte beispielsweise eine Basketballfläche oder eine Skateranlage geschaffen werden, lautet ein Vorschlag. „Da könnte es auch mal laut zugehen, ohne dass es jemand stört.“

Um das Projektgebiet als attraktiven Wohnstandort mit funktionierender Nahversorgung, möglichst intakter sozialer Nachbarschaft und kleingewerblicher Vielfalt nach vorn zu bringen, genüge es aber nicht, einen neuen Supermarkt in der alten MAN-Roland-Halle zu feiern, zumal der Versorger sich gleichzeitig von anderer Stelle des Quartiers zurückziehe. Auch nicht jeder bauliche Lückenschluss trage zur Attraktivitätssteigerung bei. Teilnehmer sind daher besorgt, was eine weitere wohnliche Verdichtung angeht, zumal damit bei gleichzeitig wachsender Parkraumnot auch eine höhere Verkehrsbelastung verbunden ist. Offenbachs Bevölkerungszahl wird erwartungsgemäß mindestens bis 2030 zunehmen. Schon jetzt steuert die Stadt auf die Marke von 130.000 zu. Nach gut zwei Stunden Laufzeit nehmen Tobias Kurtz und Marion Rüber-Steins etliche Anregungen mit ins Rathaus. Sie sollen in die Bestandsaufnahme der Verwaltung einfließen, die Grundlage sein soll für ein integriertes Handlungskonzept, aus dem sich konkrete städtebauliche Maßnahmen ableiten lassen.

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