Ganoven kriegen kalte Füße

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Für Passanten gab`s auf dem Weihnachtsmakrt Tipps gegen Taschendiebe.

Offenbach ‐ Wäre es nicht Offenbach, man könnte die Szene amüsiert beschreiben: Schlotternd stehen die beiden Jungs an diesem bitterkalten Donnerstagmittag in ihren schwarzen Jogginghosen und viel zu dünnen Jacken am Rand des Parkplatzes in der Hospitalstraße. Ihnen gegenüber: drei Polizisten. Von Matthias Dahmer

Nein, Ausweise haben sie nicht dabei, sagen die beiden 14-Jährigen und schauen etwas verängstigt auf die Ordnungshüter. Nachdem sie ihre Namen genannt haben, gibt einer der Polizisten die Daten der Schüler an die Zentrale weiter. Wenig später kommt von dort die Auskunft: negativ. Will heißen, die beiden haben aktuell nichts ausgefressen. „Wenn es um Autoaufbrüche auf Parkplätzen geht, kommen auch Jüngere als Täter in Frage“, erläutert der Leiter der Streife den Grund der Kontrolle.

Die drei jungen Bereitschaftspolizisten, zwei Männer und eine Frau, sind Teil eines groß angelegten Programms, mit dem die Polizei seit Anfang Oktober in der Stadt unterwegs ist. Es heißt „Sicherheitsoffensive Offenbach“ und basiert auf einem hessenweiten Konzept, bestätigt Hauptkommissar Michael Cordey. Zusammen mit Polizeioberkommissar Alexander Scheerbaum, der für die Ausarbeitung und Umsetzung des Konzepts in Offenbach verantwortlich zeichnet, koordiniert er von der Polizeidirektion aus die Einsätze.

Vernetzung mit anderen Behörden

„Wir haben jeden Tag Kräfte der Bereitschaftspolizei zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe können die Fachkommissariate schneller als bisher reagieren, wenn sich irgendwo in der Stadt etwa Einbrüche oder Autoaufbrüche häufen“, sagt Cordey.

Zweiter Pfeiler des Konzepts: Die Vernetzung mit anderen Behörden, wie Zoll, Ordnungsämtern oder Bahnpolizei. So sind zum Beispiel Fälle von Schwarzarbeit oder illegalem Aufenthalt effektiver zu bearbeiten.

Grundsätzlich ist die verstärkte Suche nach bösen Buben im ganzen Polizeipräsidium Südosthessen angesagt. Aufgrund der Fallzahlen ist Offenbach aber der Schwerpunkt. „Wir wollen mit der Polizeipräsenz spürbar höhere Sicherheit produzieren“, formuliert Michael Cordey. Der gerne verwendete Begriff des „subjektiven Sicherheitsgefühls“ des Bürgers ist dabei die eine Seite. Die andere ist das Signal an potentielle Straftäter, dass sie nun nicht mehr ganz so leichtes Spiel haben.

Taktik geht auf

Die Taktik geht auf: Es sind mehr verstohlene, denn offen interessierte Blicke im Vorbeigehen, die in der Geleitsstraße eine weitere Kontrolle beobachten: Der rumänische Staatsbürger telefoniert erst noch zu Ende, bevor er nach höflich-bestimmter Aufforderung Ausweis, Gewerbeanmeldung und Meldebescheinigung hervorkramt. Ergebnis auch hier: alles in Ordnung mit dem 23-Jährigen.

71 Leute werden an diesem winterlichen Donnerstag in Offenbach kontrolliert. Bilanz: zwei Festnahmen wegen Drogenbesitzes, zwei Illegale erwischt und eine Spielothek aufgemischt, wobei dort weitere 35 Personen überprüft werden. Bei der Frage, wer bei den Kontrollen warum ins Visier der Polizei gerät, bleibt Michael Cordey bewusst im Allgemeinen: „Das ist unser geschultes Auge.“

Die Sicherheitsoffensive, sagt er, ist auf Monate ausgerichtet, das sei kein Schaulaufen, sondern zielgerichtetes Handeln, mit dem man auch messbare Erfolge erringe.

Weil Vorbeugen bekanntlich besser ist als heilen, gehört zum Konzept auch die Prävention. In den vergangenen Tagen waren vermehrt Langfinger auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs, weshalb an diesem Donnerstag Tipps gegen die Tricks der Taschendiebe auf dem Programm stehen.

Kontakt mit dem Bürger macht Spaß

Alexander Scheerbaum schwärmt mit einem Team von der Bereitschaftspolizei am Markplatz aus um aufzuklären. „Den Arm immer über die Tasche, so wird’s gemacht“, zeigt er einer älteren Dame, wie sie sich schützen kann. Dreimal sei sie schon beklaut worden, das letzte Mal im Bus, sagt die Frau und wünscht noch schöne Weihnachten. Scheerbaums junge Kolleginnen und Kollegen sind mittlerweile am Weihnachtsmarkt angekommen und verteilen eifrig Info-Broschüren samt erklärender Worte. Sie treffen auf überwiegend belehrungswillige Passanten. Die Reaktionen reichen von dankendem Nicken bis hin zu Beschreibungen, wo die Wertsachen verstaut sind.

Die Ordnungshüter sprechen insgesamt 600 Leute an. Ihnen mache der Kontakt mit dem Bürger Spaß, versichern die Polizistinnen, die wie alle anderen Einsatzkräfte der Bereitschaftpolizei ihren Namen nicht genannt haben wollen. Michael Cordey bestätigt: „Die jungen Leute sind hochmotiviert.“ Nur einmal winkt jemand bei der angebotenen Beratung dankend ab: „Ich habe einen Polizisten in der Familie - meinen Sohn“, sagt eine Seniorin lächelnd.

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