Gans humpelt, Schwan leidet

Unterm Flatter- und Federvieh am Main tummeln sich auch verletzte Tiere. Auch wenn viele Bürger die Kreaturen gerne vom Leiden erlösen möchten, sind die Eingriffsmöglichkeiten beschränkt.

Offenbach - Anne Haas hat ein Herz für Tiere, im Winter ein besonders großes. Und so ist die Bewohnerin der Mainstraße oft am Fluss, um Enten, Schwäne, Möwen und Nilgänse zu beobachten. In den vergangenen Wochen machte sie dabei grausame Entdeckungen und alarmierte sogar die Feuerwehr: Ein großer stolzer Schwan habe eine heftige Verletzung am Schwimmfuß, einer Nilgans sei ein Bein abgefault. Von Thomas Meier

Humpele sie Fußgängern entgegen, von denen sie Futter erwarte, kippe sie immer wieder um, schildert Haas.

Und nun fragt sich die Tierfreundin, wer für solche Schicksale zuständig ist. Im Falle des Schwans handelte sie richtig, als sie Offenbachs Feuerwehr unter 80653333 an den Mainparkplatz rief. Zwei Wehrmänner rückten samt Käscher an, den großen Vogel zwecks Verarztung zu fangen. Doch der ließ dies nicht zu, entfleuchte auf den Main.

Für Haas ein Drama. Und auch die Nilgans ließ sich nicht erwischen. „Da muss die Stadt doch helfen“, meint sie. Selbst wenn im Falle der schon so arg hinfälligen Nilgans der Jäger gerufen werden müsste, sie von ihrer Qual zu erlösen. Doch so einfach ist das nicht. Amtstierarzt Dr. Wolfgang Lang, Leiter des städtischen Veterinäramts, klärt auf: Kann die Feuerwehr ein Tier fangen, kommt es zum Tierarzt. Der schläfert es entweder ein oder verarztet es. Muss ein verletzter Vogel noch eine Zeit gepflegt werden, kommt das Tierheim ins Spiel. Leiterin Gudrun Linke: „Große Vögel können wir bei uns nicht unterbringen, doch vermitteln wir sie weiter, etwa in den Waldzoo oder zur Kinder- und Jugendfarm. Sind die Tiere genesen, müssen sie an ihren angestammten Standort zurückgebracht werden.“

Einen Jäger an den Main zu schicken, hält Dr. Lang in solchen Fällen für nahezu ausgeschlossen. Schließlich ist das innerstädtische Mainufer „befriedetes Gebiet“, in dem die Jagd zu ruhen hat. Da das Areal zudem von vielen Menschen frequentiert wird, wäre es auch zu gefährlich, schwer verletzte Tiere abzuschießen. „In die schicksalhaften Abläufe“ könne man daher nicht eingreifen.

Auch Wolfgang Winter, als Sachbearbeiter im Ordnungsamt für Waffen- und Sprengstoffrecht sowie für Offenbachs vier Jagdreviere zuständig, weiß: am Main brauchte ein Jäger eine extra für den Einzelfall ausgestellte Abschusserlaubnis. Noch nie sei bei ihm für einen solchen Fall nachgefragt worden.

Ordnungsamtschef Peter Weigand erklärt, Schwäne unterlägen nicht dem Jagdrecht, da könne man nichts machen. Einzig von der Polizei wisse er, dass die schon mal im Falle eines auf der Landstraße angefahrenen Rehs die Pistole für den Gnadenschuss zücke.

„Die Natur regelt sich selbst“, sagt Weigand, darauf hinweisend, dass am Main nicht zuletzt deshalb das Füttern verboten sei. 15 Euro kostet die Ordnungswidrigkeit beim ersten Verstoß, im Wiederholungsfall wird’s richtig teuer. „Wer die Vögel füttert, füttert auch die Ratten“, so der Ordnungsamtschef. Zudem sei der Main kein Entsorgungs-Fluss für Pizzabrot. Und überhaupt: „Nicht alle Vögel vertragen das Brot, das ihnen zugeworfen wird. Sie können krank davon werden.“

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