Ganz heiß auf den Umzug

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Der Hydrant steht bereits und macht deutlich, dass am Mainzer Ring eine neue Feuerwache entsteht. Die Kosten belaufen sich auf annähernd 2,5 Millionen Euro. Hinzu kommen 150 000 Euro, die der Umbau des alten Domizils in der Schlossanlage kosten soll.

Rumpenheim ‐ Am Montag wurde der Sozialtrakt gestrichen. Heute folgt die Dichtigkeitsprüfung des Dachs. Gerd Lang, Wehrführer der Rumpenheimer Blauröcke, kennt sich mit wichtigen Terminen bestens aus. Kein Wunder. Von Martin Kuhn

Nahezu jeden Tag ist der örtliche Feuerwehrchef am Mainzer Ring. In der neuen Feuerwache besichtigt, kontrolliert und dokumentiert er das Geschehen – sozusagen vom ersten Fundamentstreifen bis zum letzten Elektrokabel. Dabei will er keineswegs in den sprichwörtlichen Krümeln suchen. Es erfüllt ihn vielmehr mit Stolz, dass die Wehr noch im Juni oder Juli einzieht.

„So schnell erlebt es keiner mehr, dass in Offenbach ein Feuerwehrhaus gebaut wird“, sagt Lang. Er erinnert sich gern an die mitleidigen Blicke, das bedauernde Lächeln und das gut gemeinte Schulterklopfen, als er vor Jahren mit dieser Forderung an die Öffentlichkeit trat. Nicht, dass die Notwendigkeit in Frage stand. Alle verwiesen lediglich auf die notorisch klamme Kasse: „Die Stadt hat doch kein Geld.“ Um so mehr freute sich Lang, als das Stadtparlament mit breiter Mehrheit dem Neubau zustimmte. Sein Dank umfasst die Entwicklungs- und Erschließungs-Gesellschaft und die Architektengemeinschaft Katz und Partner: „Die Zusammenarbeit klappt reibungslos.“

Aus taktischen Gesichtspunkten ist der neue Standort ideal

Alles bestens also? „Naja. Es gibt immer ein tränendes Auge...“ Lang spielt auf den Umstand an, dass die Wehr („Wir sind Rumpenheimer mit Herz und Seele.“) den Ort verlässt und dereinst auf Bürgeler Gemarkung residiert. Er fügt schnell hinzu, was als Hauptargument für den Neubau am Mainzer Ring gilt: „Aus taktischen Gesichtspunkten ist der neue Standort ideal.“ Wer den bisherigen Standort im historischen Marstall am Schloss kennt, ahnt es: Das umständliche Rangieren im engen Ortskern kann die Alarmfahrt erheblich bremsen – zumindest auf den ersten Metern. Zudem ist dort kaum ausreichend Platz für modernere, immer größere Fahrzeuge.

Und der Fuhrpark der Rumpenheimer wächst. Sie ist diejenige der drei Freiwilligen Offenbacher Wehren, bei der die Wasserrettung angesiedelt ist. Dafür gibt’s ein neues kombiniertes Rettungs-, Arbeits- und Löschboot. Besatzung: mindestens drei Mann. Es findet auf einem Anhänger Platz und wird zur Einsatzstelle gezogen. Ausgestattet ist die Neuanschaffung mit einem Alu-Rumpf, einer Direktansaugung für Wasser und zwei separat zu steuernden Motoren. Reiner Luxus? „Nein. Wer schon mal eine Ölsperre gegen den Strom gelegt hat, wird das schätzen“, erklärt Lang, der seit 14 Jahren Wehrführer ist.

Sehr ereignisreiches Jahr

Aber nicht allein aufgrund der regen Bautätigkeit war das vergangene Jahr ein sehr ereignisreiches für die 34 männlichen und 2 weiblichen Aktiven. Abzuarbeiten waren 112 Einsätze, darunter 34 Brandeinsätze, 34 technische Hilfeleistungen, 20 Fehlalarme und 24 Einsatzbereitschaften auf der Wache der Berufsfeuerwehr. Zusammen mit Übungen, Lehrgängen in Offenbach und an der hessischen Landesfeuerwehrschule in Kassel, Arbeiten am und im Gerätehaus, Reinigungsdiensten sowie Sitzungen sind mehr als 8500 ehrenamtliche Stunden zusammen gekommen.

„Auf jeden einzelnen aktiven Feuerwehrmann gerechnet, sind das 256 Stunden, die neben seinem Berufs- und Privatleben unentgeltliche für die Bürger der Stadt geleistet hat“, rechnet Lang vor, der lobende Worte des Amtsleiters Uwe Sauer umgehend an sein Team weitergibt: „Ich bin nur so gut wie der Rest.“ Ganz räumen wird die Wehr den angestammten Platz im alten Ortskern übrigens nicht. Der Feuerwehrverein bleibt im Marstall.

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