Ganz neue Perspektiven

Offenbach - Der angepeilte und verpasste Aufstieg der Kickers verändert die Sprache. „Mittelfristig“ ist ein Wort, das gestern oft über die Lippen der Redner kommt. Von Martin Kuhn

„Sich ein Ziel zu setzen ist eines; es zu erreichen etwas anderes“, so OFC-Geschäftsführer Thomas Kalt während der offiziellen Grundsteinlegung im Stadion Bieberer Berg. Es ist am windigen Montagmorgen ein symbolischer Akt mit gut hundert Gästen. Von den Reden lassen sich die Arbeiter kaum beeindrucken und erst recht nicht bremsen.

„Wir haben’s eilig“, betont Peter Walther mit Blick auf die verschiedenen Gewerke. Der Chef der Stadtwerke Holding und der Tochter Stadiongesellschaft Bieberer Berg (SBB) fügt hinzu: „Wir wollen und brauchen bezugsfertige Tribünen.“ Ein Kran hievt ein fertig gegossenes Wandteil über die Stützen der Haupttribüne, zwei Mann auf Arbeitsbühnen bringen es mit Stemmeisen in Position; währenddessen demontiert die Firma Huhle Stahl- und Metallbau den zweiten Flutlichtmast; unter der Westtribüne schaffen Arbeiter Kioske und Wege. Keine Frage, am Berg wird gerackert. Und das emsige Treiben zeigt: Die Bremer AG Paderborn als Generalunternehmer ist im Zeitplan.

Bilder von der Grundsteinlegung

Grundstein für das neue Stadion

Der ist bekanntlich eng: Spätestens in zwei Wochen beginnt der Abriss der Waldemar-Klein-Tribüne. Mitte Juli sollen West- und Haupttribüne nutzbar sein. Fertigstellung ist Ende August, beziehungsweise Ende Dezember. Und Anfang September sollen die Fans wieder ihre Stehplätze an angestammter Stelle einnehmen – auf der Gegengeraden (Fertigstellung ebenfalls Ende Dezember). Zuletzt ist die Osttribüne dran. Im Sommer 2012 ist der „Neu-Umbau“ beendet.

CDU-Sozialminister Stefan Grüttner nennt die offizielle Grundsteinlegung den Zwischenschritt eines Vorhabens, „das lange in Offenbach und Hessen diskutiert wurde“; bekanntlich mit gutem Ende. Das Projekt bezeichnet Grüttner als Grundstein für eine gute sportliche Entwicklung, betont die integrative Aufgabe des Sports und vergisst nicht das keineswegs unerhebliche finanzielle Engagement des Landes.

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Für den bekennenden OFC-Anhänger Horst Schneider (als einziger mit rot-weißem Schal am Berg erschienen) gehören die Kickers seit 110 Jahren zur Stadt, stehen für ein gutes Stück Heimatgefühl. Der Oberbürgermeister erkennt die finanzielle Hilfe Hessens an, erinnert aber daran, dass die zusammen 40 Millionen Euro aus dem Landesausgleichstock in den zwei Jahren auch in andere Projekte geflossen sind – 10 Millionen in den Schuldenabbau, 10 Millionen in die Schulbausanierung. „Und ohne die Lobbykraft der Kickers hätten wir das Geld nie bekommen.“

„Bundesweit einmalig“

Wichtiger Baustein ist die Sparda-Bank Hessen. Vorstand Jürgen Weber freut sich: „Unser Haus ist gleich dreimal auf dem Berg präsent – als Namensgeber des Stadions, als Sponsor des Vereins und als Filiale in der Haupttribüne. Das dürfte bundesweit einmalig sein.“

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Die Stimmung wäre sicher euphorischer gewesen, hätte der OFC den Aufstieg oder wenigstens die Relegation gepackt. Kalt widerspricht ersten kritischen Stimmen: „Wir brauchen das neue Stadion auch in der 3. Liga. Sicherheitstechnisch und wirtschaftlich wäre es so am Bieberer Berg nicht weitergegangen.“ Ein Gang auf die neue Westtribüne zeigt imposant: Es geht steil aufwärts. Ob allerdings das Stadion-Catering mit den gestrigen Leckereien des Rhein-Main-Partyservice mithalten kann, ist fraglich: Polentasticks mit grünem Spargel, Geflügel-Avocado-Cocktail, Saté-Spießchen...

Und bereits kurze Zeit später legten die Kickers einen weiteren - sportlichen - Grundstein: Auf einer Pressekonferenz stellten sie ihren neuen Trainer Arie van Lent vor.

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