Ganz warm ums Herz

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Krisensicherer Job: Ex-Skiprofi Hansi Hinterseer kennt mit seiner Form von Musik nur gute-Laune-Gipfel.

Offenbach - Das Bedürfnis nach Harmonie muss groß sein dieser Tage - ein wenig Idylle, ein wenig naive Sorglosigkeit. Da ist für Volksmusikfreunde Hansi Hinterseer wie Balsam für die Seele. Von Denis Düttmann

Die Wirtschaftskrise erschüttert die Welt, und in den Nachrichten jagt eine Schreckensmeldung die andere - da sind die „Frühlingsträume der Volksmusik“ am Samstag in der Offenbacher Stadthalle Balsam auf geschundenen Seelen. Hier geht es nicht um fallende Börsenkurse oder steigende Arbeitslosenzahlen - hier geht es um Romantik und Liebe.„Hast du heute schon gelächelt, hast du heute schon geliebt?“, fragt Sängerin Monika Martin, und der Videobeamer projiziert Sonnenblumen auf die Bühne. Die Monika, die erzählt vom schönsten Tag in ihrem Leben, als ihre Mutter sie beim Herbstfest der Volksmusik als Gratulantin überraschte. Und die Monika, die wiegt die Zuschauer mit „Buona Notte“ zärtlich ins Reich der Träume. Die Österreicherin „möchte die ganze Welt umarmen“ und wünscht sich „noch einmal zwanzig zu sein“. Das würden viele im Publikum vielleicht auch gerne, bei den meisten ist es Jahrzehnte her.

Monika Martin

„Volksmusiker haben sehr treue Fans“,sagt Sebastian Modl von der Konzertagentur Brown Media. „Vielleicht ist in unruhigen Zeiten wie diesen das Bedürfnis nach einfacher, unschuldiger Musik besonders groß.“ Einige Wochen tourt der jungdynamische Manager nun mit Hansi Hinterseer, Andy Borg, Rudy Giovannini und Monika Martin quer durch die Republik: Halle, Potsdam, Saarbrücken, Bielefeld, Wolfsburg - das Ensemble schlägt eine breite Schneise der guten Laune durch das Land. Und das Geschäft mit der heilen Welt lohnt sich: Die Offenbacher Stadthalle ist seit drei Monaten bis auf den letzten Platz ausverkauft, knapp 1 800 Zuschauer laben sich an der süßen Frucht der Volksmusik.

„Rudy hat so eine schöne Stimme“,schwärmt eine Dame in der Pause. „Da wird mir ganz warm ums Herz.“Der Südtiroler ist in der Szene als Caruso der Berge bekannt - er kokettiert gerne mit seiner Vergangenheit als klassischer Tenor und erzählt bei jedem Auftritt eine rührende Geschichte von seinem letzten Besuch bei dem todkranken Luciano Pavarotti. In einem pseudo-romantischen Frack schreitet er die in rosa und violette Pastelltöne getauchte Bühne ab - er singt das Wolgalied, den Gefangenenchor aus der Oper Nabucco und „Salve Regina“, mit dem er 2006 den Grand Prix der Volksmusik gewonnen hat.

Andy Borg

Die Rollen sind an diesem Abend klar verteilt: Rudy Giovannini gibt den jugendlichen Liebhaber, Monika Martin die warmherzige Mutter und Andy Borg den gut Gelaunten. Der große Star aber ist natürlich Hansi Hinterseer. Als der Österreicher die Bühne betritt, bricht frenetischer Jubel aus. Der Blondschopf hat belebende Wirkung; viele erheben sich von ihren Plätzen.„Hansi macht Musik zum Träumen - da vergisst man alle Sorgen“,sagt ein weiblicher Fan und macht sich auf den Weg nach vorne, um dem Schwarm eine Rose zu überreichen.

Der Ex-Skirennläufer Hinterseer flirtet routiniert mit dem Publikum, gibt in breitem Dialekt harmlose Anekdoten zum Besten. „Du hast mich heute noch nicht geküsst - weißt du nicht mehr, wie schön das ist“, schmachtet er, und nicht wenige Damen in der ersten Reihe bekommen feuchte Augen.

Für einige Stunden spinnen die Musiker einen dichten Kokon um die Stadthalle. Rezession und Zukunftsangst, Alltagssorgen und Tristesse müssen draußen bleiben, denn drinnen verkündet Hinterseer: „Ich mache Musica für die Verliebten.“

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