Mit ganzheitlichem Blick

+
Das Idealbild: In den neu gestalteten GBO-Räumen interessiert sich ein junges Paar für eine Wohnung in Offenbach.

Offenbach - Die Gemeinnützige Baugesellschaft ist in Offenbach der größte Vermieter. Bestand: etwa 5000 Wohnungen. „Leerstände gibt es kaum“, sagt Winfried Männche. Von Martin Kuhn

Ob das nach Inbetriebnahme der Nordwestbahn und zunehmender Verlärmung der Stadt so bleibt, vermag der Geschäftsführer nicht zu prognostizieren. Aussagekräftige Zahlen erwartet er frühestens in einem Jahr. Er ist aber zuversichtlich, dass die GBO für Wohnungssuchende eine attraktive Adresse im Rhein-Main-Gebiet bleibt. Dafür nimmt die 1921 gegründete Gesellschaft viel Geld in die Hand.

Wie formuliert man’s nur politisch korrekt? Der klassische GBO-Mieter ist längst nicht mehr der Sozialhilfeempfänger. Und wenn Politiker in schöner Regelmäßigkeit davon sprechen, langsam die Sozialstruktur in Offenbach verbessern zu wollen, schielen sie auf dieselbe Klientel, die die GBO unter anderem mit einem neuen Internet-Auftritt anspricht und sucht. Männche: „Menschen, die in Rhein-Main einen Job gefunden haben.“ Für die rollt die Gesellschaft in ihrem Sitz an der Jacques-Offenbach-Straße sogar den roten Teppich aus: In drei neu gestalteten Servicebüros besprechen dann die Mitarbeiter Fragen und Probleme. Praktisch: Die Büros wurden mit dem selben Bodenbelag ausgestattet, der in den sanierten Wohnungen der GBO verwendet wird.

„Alle sollen sich wohlfühlen“

Rund 500 Mieterwechsel verzeichnet die GBO im Jahr; etwa 50 der neuen Mieter ziehen von außerhalb nach Offenbach. Werden Wohnungen aus den 60er- bis 70er-Jahren verlassen, steht eine Kernsanierung an: Elektro, Heizung, Bad. Das betrifft etwa 100 Wohnungen im Jahr. Kosten: rund 2,5 Millionen Euro, wovon das Land über bestimmte Zuschüsse 1,5 Millionen gibt. Dank vereinfachter Verwaltungsabläufe ist das in sechs Wochen erledigt. Dann wird geschaut, ob der Mieter in die gewählte Liegenschaft passt - Familien mit Nachwuchs sind dort willkommen, wo bereits Kinder leben. „Alle sollen sich wohlfühlen“, sagt Männche.

Dabei sieht sich die Baugesellschaft ohnehin nicht nur als reiner Vermieter: „Unsere Verantwortung geht weit übers eigene Haus hinaus“, sagt der Geschäftsführer, der das über Jahrzehnte geänderte Profil auch gegenüber Mietern rechtfertigt. „Was wäre ohne uns mit der Stadthalle passiert?“, fragt er rhetorisch. Nun, die Schließung wäre wohl programmiert gewesen, wenn die GBO nicht die multifunktionale Halle und nach der Tommy-Pleite das Capitol übernommen hätte. Das sei der Beitrag für eine lebenswerte Stadt.

Für Männche sind das - neben dem Hafenviertel, dem neuen Wilhelmsplatz oder dem Gründercampus „Ostpol˚ - alles Faktoren, die Offenbach als Wohnort attraktiv machen. Das erfolge in wirtschaftlich geordneten Bahnen, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Dieter Jahn: „Alles muss sich rechnen, so dass für die Gesellschaft kein Minus entsteht.“ So wird die GBO wohl nie in den Markt der Bauträger einsteigen: „Wenn wir bauen, machen wir das nur für den eigenen Bestand.“

Kommentare