Offenbacher Fußgängerzone stark befahren

Ganztägiger Paketdienst geduldet

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Angeliefert wird rund um die Uhr.

Offenbach - Der nach Obertshausen verzogene Offenbacher ist nach einem mittäglichen Besuch des Vaterstadt-Zentrums entsetzt. Von Thomas Kirstein 

So etwas wie in der Frankfurter Straße habe er noch in keiner Fußgängerzone erlebt: ein ausgesprochen wüster Autoverkehr, mit wenig Rücksicht auf Fußgänger, rückwärtsfahrend und rangierend. Es war etwa 12 Uhr, zwei Stunden nachdem – zumindest den Schildern an den Einfahrten zufolge – der letzte Transporter die Zone verlassen haben müsste.

Die Beschränkung ist eher theoretisch.

Was der Obertshausener beklagt, ist der Zeitung immer wieder Thema. Ein Kollege bereichert Diskussionen übers Fahrradfahren in der Fußgängerzone gern um die Spitze, zu radeln sei dort sowieso wegen der vielen Autos nicht möglich. Anderer Tag, ebenfalls 12 Uhr mittags: Vom Marktplatz aus nimmt der Lieferwagen eines Transportunternehmens flott die Kurve in die Große Marktstraße. Dann folgt ein weiterer Sprinter. Der Beobachter registriert, dass Schilder an dieser Stelle zwar den Radverkehr beschränken, jedoch nicht den motorisierten Lieferverkehr. Gestern, wieder mittags: an der Kreuzung Frankfurter Straße/Herrnstraße treffen sich mitten im Strom der Fußgänger die Paketdienste DHL, Hermes und DPD.

Vom Marktplatz aus ist’s verboten .

Ausreichende Anlässe, wieder einmal beim Offenbacher Ordnungsamt zum Thema Lieferzeiten und deren Kontrollen nachzufragen. Die Antworten von Chef Peter Weigand haben Überraschungspotential: Gegen scheinbare Anlieferzeit-Anarchie gibt es keine Handhabe, sofern es sich um Paketdienste handelt! Wie Apotheken-Dienste, Taxen mit gehbehinderten Patienten und Anlieger mit Parkplätzen auf Privatgrundstücken dürfen auch Päckchenboten unbeschränkt in die Fußgängerzone Offenbachs einfahren. Laut Weigand geht das auf hoheitliche Sonderrechte des einstigen Staatsbetriebs Post und Vereinbarungen der Stadt mit demselben zurück. (Die Post-Fahrer setzten seinerzeit ja auch bisweilen gern die Straßenverkehrsordnung außer Kraft.)

Der Paketdienst DHL ist direkter Erbe des Monopolisten Post. Und was jenem aufgrund der alten Übereinkünfte gestattet sei, könne seinen heutigen Mitbewerbern nicht verwehrt werden, heißt es. Also dürfen alle zu jeder Zeit rein ins Einkaufs-Karree. Allerdings nicht vom Marktplatz her: Dort fehlt ein Hinweis auf die theoretische Lieferzeiten-Beschränkung schlicht deswegen, weil die Zufahrt in die Zone generell verboten ist.

Der motorisierte Verkehr im Fußgängerbereich hat in den vergangenen Jahren immens zugenommen. Wo früher eine Post einmal am Tag ein Geschäft anfuhr, sind es heute pro Adresse unzählige Paketdienste. In Offenbach fällt das wegen der besonderen Topographie besonders auf. „Wir haben hier keine parallelen Anlieferstraßen wie die Frankfurter Zeil“, erläutert Peter Weigand. Also muss alles von vorne angedient werden: weswegen sich Besucher weiterhin über einen für eine Fußgängerzone unvergleichlich regen Verkehr entsetzen dürfen.

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