Gastwirte am Wilhelmsplatz ärgern sich

„Eine gefühlte Ohrfeige“

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Der große Ansturm beim diesjährigen „Tanz in den Mai“ am Wilhelmsplatz überraschte nicht nur die Gastronomen.

Offenbach - Eigentlich war es ein voller Erfolg. Eigentlich. Die diesjährige Auflage der „Tanz in den Mai“-Veranstaltung lockte die Massen zum Wilhelmsplatz, Besucher und Gastronomen waren zufrieden. Von Jenny Bieniek

Doch wegen zahlreicher Anwohnerbeschwerden hat das ausgelassene Treiben für die Lokalbetreiber nun ein Nachspiel.

Denn kürzlich flatterten einigen der ansässigen Gastwirten Anhörungsschreiben ins Haus. Auch Sideris Christoforos hat ein solches erhalten. Als Inhaber und verantwortlicher Wirt seiner Gaststätte „Taverna“ habe er „geduldet, dass Anwohner durch überlaute Musik mehr als den Umständen nach unvermeidbar belästigt wurden (...)“. Klar, dass ihn die Angelegenheit ärgert.

Stadt gehe nur ihren Pflichten nach

„Der allergrößte Teil der Besucher war in dieser Nacht auf dem Platz und nicht in meinem Laden – wieso also werde ich zur Zielscheibe?“, fragt er sich. Schließlich sei in jener Nacht halb Offenbach auf dem Wilhelmsplatz gewesen. Der Stadt macht Christoforos dabei ausdrücklich keinen Vorwurf, die gehe nur ihren Pflichten nach. „Aber statt sich zu freuen, dass mal was in Offenbach organisiert wird, sind einige nur am Meckern“, findet er.

Nachdem die Polizei aufkreuzte, habe er die Musik komplett eingestellt. „Aber gegen 2.35 Uhr waren immer noch 3000 Leute auf dem Platz! Was hätte ich denn dagegen tun sollen?“, fragt er. Er habe Gema-Gebühren bezahlt und auf die Hinweise der Polizei sofort reagiert – in seinen Augen also alles richtig gemacht. Christoforos sieht das Problem allgemeiner: „Mit uns hier am Platz wird sich einfach zu viel beschäftigt. Alle zwei Monate kommen hier irgendwelche Behörden vorbei, um dieses oder jenes zu kontrollieren“, moniert der Grieche.

Veranstaltung aufgrund des guten Wetters geradezu „explodiert“

Auch Stefan Klemisch, Betreiber der Brasserie „beau d’eau“, hat das Schreiben bekommen. „Dafür, dass wir für die Offenbacher was auf die Beine gestellt haben, ist das Schreiben natürlich eine gefühlte Ohrfeige“, klagt er. „Man wird quasi dafür bestraft, dass die Leute Spaß hatten.“ Seit 20 Jahren arbeite man mit dem Ordnungsamt gut zusammen, „und das soll auch so bleiben“, betont Klemisch.

In diesem Jahr sei die Veranstaltung aufgrund des guten Wetters aber geradezu „explodiert“. „Das war das erste Mal in meiner Gastronomenlaufbahn, dass mir das Bier ausgegangen ist“, schmunzelt Klemisch. Klar ist: Die Veranstaltung war für die Betreiber durchaus lukrativ. Aber: „Wir Gastronomen haben alle mitgeholfen, dass der Wilhelmsplatz so ist, wie er heute ist. Langsam trägt unser Engagement Früchte. Klar machen wir an so einem Tag Gewinn, wir tragen aber auch immer das unternehmerische Risiko.“

Beim Ordnungsamt sieht man die Sache gelassen

Für Klemisch stellt sich die Frage, wie man die Kommunikation mit den am Wilhelmsplatz lebenden Menschen besser gestalten könne. „Sowohl das Ordnungsamt als auch wir Gastronomen tun nur, was wir tun müssen“. Trotzdem: „Es bleibt eine bittere Pille.“

Unter Kollegen sei über das Thema gesprochen worden. Aber: Mit anderen Veranstaltungen, beispielsweise dem Bierfest, werde da ganz anders umgegangen.

Beim Ordnungsamt sieht man die Sache gelassen: „Auch seltene Ereignisse wie der Tanz in den Mai haben Regeln“, so Leiter Peter Weigand. Zwar sei die Sperrstunde bei diesem Anlass ausgesetzt, die Nachtwerte gelten jedoch weiterhin und müssten eingehalten werden. „Das Schreiben geht auf polizeiliche Anzeigen zurück und erreichte alle, die in besagter Nacht über die Stränge geschlagen haben.“

„Da wird regelrecht Stimmung gegen uns gemacht“

In jener Nacht habe es massive Beschwerden von Anwohnern gegeben. Nun will Weigand den Betroffenen Gelegenheit geben, sich zu äußern. „Überall, wo Wohnen und Gaststätte zusammenkommen, wird’s schwierig“, weiß er. Von übermäßigen Kontrollen am Wilhelmsplatz will er jedoch nicht sprechen. „Das passiert allen Gastwirten, dafür sind wir schließlich da.“

Markthaus-Betreiber Eric Münch hat dazu seine eigene Meinung: „Da wird regelrecht Stimmung gegen uns gemacht. Wenn wir versuchen, den Platz durch kulturelle Events mit Leben zu füllen, wird gleich gegen uns geschossen.“ Zwar habe man den Tanz in den Mai selbst ins Leben gerufen, diesmal habe er sich jedoch verselbstständigt. „Die Leute haben sich teilweise Getränke aus dem Rewe besorgt, da haben wir keine Chance“. Bleibt die Frage, ob eine der Allgemeinheit offen stehende Veranstaltung durch Beschwerden einiger weniger „versalzen“ werden darf.

„Die Anwohner gehören zur Allgemeinheit“, erinnert OB Horst Schneider, „und wir haben in Deutschland ein dichtes Regelwerk, so dass Anzeigen nachgegangen werden muss.“ Er sei jedoch zuversichtlich, dass am Ende eine einvernehmliche Lösung für alle gefunden werde.

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