Den Kampfpreis nutzen

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Auf Sparflamme müssen Verbraucher angesichts der Gaspreisentwicklung nicht unbedingt schalten. Zwar wird’s vielerorts teurer, doch ein Wechsel kann sich lohnen. Mit einem ständig wachsenden Tarifangebot machen sich selbst die regionalen Versorger zunehmend Konkurrenz.

Offenbach ‐ Gerhard Heusel ist Offenbacher. Und das ist er gerne, wie er versichert. Doch sein Lokalpatriotismus hat Grenzen. Besonders dann, wenn’s ums Bezahlen von Leistungen geht, die anderswo genau so gut, dafür aber günstiger zu bekommen sind. Von Matthias Dahmer

Den Eindruck, dass ihm tiefer als nötig in die Tasche gegriffen wird, hat Heusel beim Blick auf seine von der EVO-Tochter Gasversorgung Offenbach GmbH (GVO) ausgestellte Gasrechnung. Dabei will er gar nicht in rechnerischen Details seines Online-Tarifs „EVO Klick Gas“ gehen, kritisiert nicht, dass er aufgrund seines Verbrauchs bei der seit gestern geltenden Preiserhöhung am oberen Ende der von der GVO genannten Preisspanne liegt.

Gerhard Heusel geht es eher ums Grundsätzliche: „Warum“, fragt er, „ist die GVO im Vergleich zu vielen anderen Anbietern bei den meisten ihrer Tarife relativ teuer und in der Rangliste auf den einschlägigen Vergleichsportalen im Internet ganz hinten zu finden?“ Zwischen 200 und 500 Euro Ersparnis hat der Noch-GVO-Kunde für sich im Falle eines Wechsel errechnet. Deshalb wird er sich wohl demnächst einen anderen Gasanbieter suchen.

„Berechnungen nur Momentaufnahmen“

Harald Hofmann mag das nicht gefallen. Aber der EVO Pressesprecher ist auf solche Fälle vorbereitet, sagt das, was ein Energieversorger in Zeiten kaum noch erklärbarer Preissteigerungen und unüberschaubarer Tarif-Angebote sagen muss: Er habe Verständnis für den Ärger des Herrn Heusel. Doch man dürfe nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, so Hofmann. Da gebe es Angebote mit Vorauskasse, es würden mit in die Berechnung einfließende Wechselprämien bezahlt, die Laufzeiten der Verträge seien zu beachten, und es müsse der Termin der nächsten Preiserhöhung beachtet werden. „Letztlich sind solche Berechnungen auf den Internet-Portalen doch nur Momentaufnahmen.“

Für besonders wichtig hält der EVO-Sprecher den Service des jeweiligen Anbieters. Viele Produkte seien nur online zu erhalten, bei Problemen fehle der direkte Kontakt. Erklärungsnöte sind dem Pressesprecher auch fremd, wenn es um vergleichbare Angebote mit vergleichbarem Service geht. Wie etwa den Tarifen der GVO und der im benachbarten Obertshausen ansässigen Maingau Energie. Die bietet in Offenbach einen Online-Tarif an, der bei einem Jahresverbrauch von 26 000 Kilowattstunden - was die GVO als Durchschnittswert für ein Einfamilienhaus annimmt - um 236 Euro billiger ist als der GVO-Preis. Hofmann erklärt das mit allgemein üblichen Kampfpreisen, mit denen Unternehmen außerhalb ihres angestammten Gebiets um Kunden buhlen. Tatsächlich ist die Maingau Energie mit den gleichen Tarif an ihrem Standort Obertshausen um knapp 50 Euro teurer als in Offenbach.

Gaspreise seit 2009 im Abwärtstrend

Umgekehrt ist der Kampfpreis-Unterschied noch eklatanter: Würde Gerhard Heusel in Obertshausen wohnen, bekäme er von der GVO seinen Tarif „EVO Klick Gas“ 355 Euro billiger als in Offenbach. Das Fazit für den Gaskunden kann deshalb nur lauten: Den Kampfpreis des regionalen Mitbewerbers nutzen. Das spart bei vergleichbarem Service (direkte Ansprechpartner etc.) einige Euro. Dass die Gaspreise nur nach oben gehen, ist keineswegs ausgemachte Sache. Der Markt, so die Fachleute, ist in dieser Saison gespalten. Zweistellige Preisaufschläge seien ebenso zu beobachten wie Abschläge in gleicher Höhe. Insgesamt befinden sich die Gaspreise seit 2009 im Abwärtstrend. „Weltweit sind die Gaspreise im Keller“, sagt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher. Entsprechend gesunken sind die Bezugskosten, was die örtlichen Versorger eigentlich in die Lage versetzen sollte, sich zu niedrigeren Preisen einzudecken und die Endkunden günstiger zu beliefern - es sei denn, sie sind an langfristige Verträge gebunden.

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