„Sind halt das gleiche Baujahr“

In zwei Monaten soll auch Dursun Avcis zweites Haus in frischem Gelb erstrahlen. Foto: Georg

Offenbach - Haus Nummer 1, das in der Lilistraße, ist schon fertig saniert. Davor war der Putz fast schwarz, nun strahlen die Mauern in sattem Sonnengelb. Direkt daneben, aber schon in der Andréstraße, wartet Nummer 2 auf den gleichen Anstrich. Von Katharina Hempel

Gerade aufgestockt, steht um die unverputzten Wände noch das Gerüst. Aber in zwei Monaten soll auch das verschwunden sein. Was sich an der Ecke im Nordend tut, entspricht einer Idealvorstellung im Rathaus: Private Eigentümer investieren in ihre Immobilien, werten sie innen und außen auf – und das, ohne dass sich die Mieter ihre Wohnungen später nicht mehr leisten könnten.

Ist der Bau in der Andréstraße fertig saniert, will Hausbesitzer Dursun Avci eine große Einweihungsparty feiern – „wenn das Wetter mitspielt“. Dann sind vier Jahre Umbau und Kernsanierung vorbei, in denen viel glatt, aber auch einiges schief lief. „Wenn man mit Handwerkern zusammenarbeit, gibt’s eben immer Überraschungen“, sagt der Bauherr. „Fällt einer aus, verzögert sich alles. Wie in einem Uhrwerk. Wer da nicht flexibel ist, der kommt nicht weit.“ Einen langen Weg hat der heute 55-Jährige hinter sich, seit er 2006 und 2007 der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO) die zwei Nachkriegshäuser neben dem EVO-Gelände abkaufte.

Im Alter von 17 Jahren verließ Dursun Avci seine Heimat Anatolien und machte sich auf den Weg nach Deutschland. In Offenbach angekommen, arbeitete er in Fabriken und besuchte Deutschkurse in der Abendschule – wenn es die Schichtarbeit zuließ. Bis ihn vor einigen Jahren gleich drei Bandscheibenvorfälle außer Gefecht setzten, arbeitete Dursun Avci für eine Fluggesellschaft am Frankfurter Flughafen.

Dann entdeckte er die beiden Mehrfamilienhäuser in der Lili- und der Andréstraße. Avci wurde „Unternehmer“ oder „privater Projektentwickler“. So würde er Freunden seine Arbeit beschreiben. Gut eine Million Euro steckt er in die Komplettsanierung der beiden Häuser. „Eine Altbausanierung ist teurer als ein Neubau.“ Ein Abriss kam schon alleine deswegen nicht infrage, da auf den Mieteinnahmen seine gesamte Investition basierte.

Aber auch, weil es irgendwie Liebe auf den ersten Blick war, sagt er, zwischen den Häusern und ihm: „Sie wirkten heruntergekommen, aber ich habe erkannt, dass da Potenzial drinsteckt.“ Lachend fügt Dursun Avci hinzu: „Wir sind eben aus dem gleichen Baujahr: 1956.“

Doch während die Zeit überall weitergelaufen ist, schien sie in den Gebäuden mit den Hausnummern 66 und 88 stehen geblieben zu sein. „Auf jeder Etage teilten sich die vier Partien zwei Toiletten im Treppenhaus, es gab keine Leitungen für warmes Wasser, nur 30-Liter-Boiler im Bad und die Wohnungen waren klein wie Schuhkartons“, zählt der türkischstämmige Bauherr auf. Das hat Dursun Avci nun geändert. Seine Häuser sind bereit für die Zukunft. Bei der Kernsanierung haben die Arbeiter die Fußböden erneuert, wärmedämmende Fenster eingebaut, die Heizung wieder auf Vordermann gebracht und Wasserleitungen neu verlegt – diesmal auch für warmes Wasser.

Natürlich hat es sich der begeisterte Fan von erneuerbaren Energien auch nicht nehmen lassen, beide Dächer mit Photovoltaikanlagen zu bedecken. Das sind 210 Solarmodule auf 160 Quadratmetern Dachfläche.

In den Etagen darunter hat sich die Anzahl der alten Wohnungen halbiert, dafür hat sich deren Größe verdoppelt. Das Haus in der Andréstraße hat Avci aufstocken lassen und damit zwei Wohnungen hinzugewonnen, sodass es davon insgesamt 21 gibt.

Probleme mit den Mietern, von denen manche schon seit 30 Jahren dort wohnen, habe es nie gegeben. Im Gegenteil. Die seien sehr glücklich über die Neuerungen, erzählt der Bauherr. Die Umbauphase war aber auch für sie nicht immer leicht. Alle Mieter durften wohnen bleiben, mussten aber umschichtig die Wohnungen wechseln, damit nach und nach ihre Bleiben renoviert werden konnten.

Seit 1994 wohnt Dursun Avci mit seiner Familie im benachbarten Oberrad. Trotzdem engagiert er sich noch für und in Offenbach. „Irgendjemand muss etwas tun, ich möchte meinen Beitrag leisten, dass Offenbach schön wird.“ Und das scheint sich rumgesprochen zu haben. „Obwohl ich nie Werbung für meine Wohnungen gemacht habe, bekomme ich in letzter Zeit viele Anfragen.“

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