Es wird eng fürs Klima

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Als „zukunftsfähiges Gebäude“ hat Architekt Frielinghaus zur Eröffnung das neue Wetterdienstgebäude gepriesen. Drei Jahre später platzt es aus allen Nähten.

Offenbach - Nicht nur das Klima gerät zusehends in Bedrängnis, auch für die Mitarbeiter jener Behörde wird’s inzwischen eng, die diese bedrückende Entwicklung auf dem Radar hat. Von Fabian El Cheikh

Kaum drei Jahre nach dem Umzug vom Kaiserlei an die Frankfurter Straße ist das neue Gebäude des Deutschen Wetterdienstes (DWD) schon wieder zu klein. Von einer Fehlplanung will DWD-Sprecher Uwe Kirsche nichts wissen, wohl aber von Sparzwängen, die die Abgeordneten des Bundestages der Offenbacher Bundesbehörde auferlegt haben.

„Was die Politiker in Berlin entscheiden, können wir nicht beeinflussen“, sagt Uwe Kirsche. Genauso wenig – glücklicherweise –, wie die Meteorologen das Wetter steuern können. Was in Tropo- und Stratosphäre, in einer Höhe von bis zu vierzig Kilometern, so alles geschieht, das werten sie und der leistungsstarke Superrechner des Wetterdienstes tagtäglich aus. Die Klimabeobachtung nimmt immer mehr Raum in der Behörde ein. Sie erfordert zusätzliches Personal und das braucht seinen Platz. Den aber gibt es in dem schicken, repräsentativen und gut 72 Millionen Euro teuren Neubau schon jetzt nicht mehr.

Keine „Traumlösung“

Derweil soll das alte Behördenhochhaus am Kaiserlei nächstes Jahr verkauft sein.

Vor wenigen Monaten hat die Bundesbehörde daher dreißig Büros im Omega-Haus am Kaiserlei angemietet. Ist also zurückgekehrt in jenen Stadtteil, dem sie vor drei Jahren leichten Herzens, in Erwartung besserer Arbeitsbedingungen die kalte Schulter gezeigt hat. Keine „Traumlösung“ sei das, so Uwe Kirsche, aber eine praktikable Raumlösung nur zwanzig Gehminuten vom Hauptgebäude an der Frankfurter Straße entfernt. Dort werten Meteorologen Satellitendaten für die Klimaforschung aus.

Zwei Entwicklungen prägen den Wetterdienst seit Jahren: Vollautomatisierung und Zentralisierung. „Dank des technischen Fortschrittes ersetzen automatisierte Wetterstationen das bisherige Netz der Wetterwarten mit Personal.“ Wo einst bis zu sechs Leute im Schichtdienst akribisch Buch geführt haben über Temperatur, Luftdruck, Sonnenscheindauer und Niederschlag, hat der Computer die Wetterkontrolle übernommen. „Da kann man ordentlich Personal einsparen.“

Klimaforschung und -beratung ausgebaut

Gleichzeitig wird die Klimaforschung und -beratung ausgebaut. „In der Interpretation von Daten kann man den Menschen nicht ersetzen.“ Ergo: Hier sind zusätzliche Stellen unter anderem in Offenbach geschaffen worden. Eine Entwicklung, die bei der Planung des neuen Gebäudes nicht vorhersehbar gewesen sei. Bekanntlich liegen ja auch Meteorologen in ihren Vorhersagen mal daneben.

Ein neuerlicher Umzug der 900 Mitarbeiter werde aber nicht erwogen, nimmt Uwe Kirsch möglichen Kritikern von vorneherein den Wind aus den Segeln. Und eine Rückkehr in das in den 60er Jahren erbaute, technisch völlig veraltete Wetterdiensthochhaus am Kaiserlei wird es auch nicht geben. Das wird laut Eigentümer, der Bundesanstalt für Bundesimmobilienaufgaben, voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres verkauft. Ob der neue Hausherr saniert oder abreißt, diese Prognose wagt derzeit noch niemand.

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