Geborgen und gestorben

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Der Ford versank mit seiner Fahrerin, trieb etwa 15 Meter ab. Mit dem Kran der Offenbacher Feuerwehr geborgen, wird er nun auf Mängel untersucht.

Offenbach - Der Main hat ein weiteres Opfer gefordert. Gestern Mittag gaben Ärzte des Stadtklinikums den Kampf um eine Offenbacherin verloren, die am Morgen mit ihrem Auto in den Fluss gestürzt war. Von Marcus Reinsch

Taucher der Feuerwehr hatten ihren leblosen Körper geborgen, Notärzte hatten sie am Ufer noch einmal ins Leben zurückgeholt. Doch nach einer halben Stunde unter Wasser war die Chance auf endgültige Rettung von Anfang an nur minimal gewesen. Todesfeststellung: 12. 05 Uhr. Die Frau wurde 85 Jahre alt.

7.44 Uhr, Mainstraße, Höhe Hausnummer 159, kurz vor der Ecke Friedhofstraße: Die Seniorin ist mit ihrem Ford Fiesta unterwegs, biegt aus jetzt vermutlich nur noch schwer oder gar nicht mehr klärbarem Grund in einen Seitenweg ab. Der asphaltierte Streifen führt zur früheren Schiffsanlegestelle und Verladestation für die längst verschwundenen Chemiebetriebe auf dem gegenüber beginnenden Allessa-Gelände. Und dann nirgendwo mehr hin.

Bilder vom Unglück

Auto landet im Main

Nur noch ins Wasser. Der silberne Kleinwagen fährt über die Kante, treibt ab, versinkt, reißt seine Fahrerin mit sich. Und stürzt Passanten, die das Unfassbare beobachtet und hinter dem Lenkrad des Fords eine Gestalt erkannt haben, in Verzweiflung. Mehrere Leute wählen in diesem Augenblick den Notruf. Und ein junger Mann, so werden es Feuerwehr und Polizei später lobend berichten, springt in den Fluss, will zum Wagen, taucht, erreicht ihn nicht mehr, muss aufgeben und nass und frierend und frustriert zurück aufs Trockene.

Die Schifffahrtsrinne des Mains ist hier drei, vielleicht vier Meter tief, es gibt Strömungen, die mit sanfter, aber unerbittlicher Gewalt alles mit sich nehmen. Als die ersten Einsatzfahrzeuge der Berufsfeuerwehr eintreffen, nur Minuten nach den Hilferufen, ist das Auto nur noch schwer zu orten.

Alles wird abgesperrt, Boote fahren raus. Eins ist von der Wache an der Rhönstraße hergebracht worden, wo die eine Stunde zuvor begonnene Schicht gerade bei einer Übung im Hof war, als der Alarm kam. Und eins von der Freiwilligen Feuerwehr Rumpenheim. Auch die Rettungstaucher der Frankfurter Kollegen sind in Windeseile hier gewesen. Alle Retter halten Ausschau, mit gelotst von dem jungen Mann und vom über dem Wasser stehenden Polizeihubschrauber per Funk um die Vogelperspektive bereichert.

Selbst Helikopter kann nichts erkennen

Ein Rettungstaucher birgt die leblose Frau aus dem Main.

Die ist wichtig, die könnte Leben retten. Auch ein technisch gut gerüsteter Helikopter ist nicht in der Lage, bis zum Grund des trüben Flusses zu spähen. Aber aus untergegangenen Kraftfahrzeugen tritt irgendwann Öl aus; es schwemmt, von der Strömung schon ein Stück weitergetragen, an die Oberfläche. Das ist von oben am schnellsten zu sehen, das ist eine zusätzliche Chance, den Fiesta mit der Frau in der Brühe zu finden.

Gegen 8.15 Uhr ist der Kleinwagen 15 Meter vom Ufer entfernt ausgemacht und mit ihm die Fahrerin. Sie lebt zu diesem Zeitpunkt nicht, kann von den Medizinern am Ufer aber zurückgeholt werden, vorübergehend. Erst nach knapp vier Stunden in der Klinik gibt es keine Chance mehr. Die Seniorin stirbt wieder.

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Und jetzt steht die Frage im Raum, was schuld sein könnte an dem Unglück. Die Offenbacher Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Der Ford, noch am Vormittag mit Hilfe der Taucher und eines Offenbacher Feuerwehrkrans geborgen, wird auf technische Mängel und auf sonstige Auffälligkeiten untersucht. Denkbar ist, dass das Abbiegemanöver an der Mainstraße einer kaputten Bremse oder einer blockierten oder etwas ähnlich Verhängnisvollem geschuldet ist. Denkbar ist auch die Möglichkeit, dass die Offenbacherin sterben wollte und ihr Auto bewusst ins Wasser gelenkt hat. Und denkbar bleibt, dass sie Gas und Bremse oder Vorwärts- und Rückwärtsgang verwechselt hat. 85 sind immerhin nicht wenige Jahre. Denkbar ist bis jetzt noch alles.

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