Länderbote aus Argentinien

Dem Herzen gefolgt

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Die gebürtige Argentinierin Valeria Gotesdiner ist eine der 111 Offenbacher „Länderboten“.

Offenbach - Valeria Gotesdiner ist weit herumgekommen. Geboren wurde die 39-Jährige in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, als Kind kam sie mit ihrer Familie nach Offenbach. Stationen in Miami und Rom folgten, ehe sie wieder in der Lederstadt landete. Von Sebastian Schwarz

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Seit nunmehr 20 Jahren lebt sie mit ihrem Mann „Sunny“, wie er im Freundes- und Bekanntenkreis genannt wird, in Offenbach. Gemeinsam betreiben die beiden in der Fußgängerzone das Café Don Pedro’s und das Restaurant im Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe. „Der schlechte Ruf der Stadt ist definitiv unbegründet. Anderswo ist es auch nicht besser“, findet die Geschäftsfrau. Kritisch sieht sie allerdings die Situation in der Innenstadt. „Die Frankfurter Straße hat abgebaut und sich davon noch nicht erholt“, meint sie nachdenklich. Um das zu ändern, engagiert sie sich im Karree Offenbach. Denn „man muss sich ein bisschen einbringen, wenn man will, das sich etwas ändert“.

Zwölf Jahre ist Valeria Gotesdiner alt, als sie zum ersten Mal nach Offenbach kommt. Es ist das Jahr 1985, als ihr Vater beruflich von Buenos Aires ins Rhein-Main-Gebiet wechselt. Er arbeitet bei einer argentinischen Fluglinie, vier Jahre soll er in der Bundesrepublik bleiben. Für das junge Mädchen ist das eine schwierige Zeit, nicht nur weil sie Freunde und Heimat hinter sich lassen muss. „Die Sprache war eine wahnsinnige Hürde“, sagt sie. Auch einige andere Dinge sind für sie in ihrer neuen Heimat ziemlich gewöhnungsbedürftig. Zum Beispiel die deutsche Begrüßung per Handschlag. „Anfangs empfand ich das als kalt. Bei uns in Argentinien begrüßt man sich mit einem Kuss auf die Wange.“ Aber sie gewöhnt sich schnell an ihre neue Heimat. Schon nach einem Jahr spricht sie die anfangs als so schwierig empfundene Sprache fließend. Eine große Hilfe bei der Eingewöhnung sind die neuen Freunde, die sie in der Schule findet.

Sie geht auf eine integrierte Gesamtschule, ihre Klassenkameraden kommen aus aller Welt. „Wir hatten einen Schotten im Jahrgang, der kam manchmal im Kilt zur Schule. Das war ein lustiger Kerl“, erinnert sich die Geschäftsfrau schmunzelnd. Viel Unterstützung bekommt sie auch von ihren Lehrern. „Ich hatte eine fantastische Lehrerin, Frau Lottermann-Klöpel. Sie hat mich auch mal umarmt, wenn ich bitterlich geheult habe, weil ich aufgrund eines sprachlichen Missverständnisses eine Klassenarbeit verpasst habe.“ Noch heute hat Valeria Gotesdiner regelmäßig Kontakt zu der Lehrerin. Aus den vier Jahren, die ihr Vater ursprünglich in Deutschland bleiben sollte, sind am Ende mehr als doppelt so viele geworden. Man schreibt das Jahr 1992, als die junge Frau in einem Fitnessstudio in Offenbach ihren zukünftigen Ehemann kennenlernt. Er arbeitet dort als Kampfsporttrainer.

Schon bald wird das junge Glück auf eine harte Probe gestellt. Denn bereits im Jahr darauf muss Valeria Gotesdiners Familie erneut umziehen. Diesmal in die Vereinigten Staaten, in die Sonnenschein-Metropole Miami. „Es war zwar eine coole Vorstellung, in die USA zu gehen. Aber trotzdem hatte ich sehr gemischte Gefühle“, denkt sie zurück. Denn die Beziehung der beiden lag damit erstmal auf Eis. Lediglich drei Mal können sie miteinander telefonieren in den fünf Monaten, in denen Valeria Gotesdiner dort ist. Andere Kontaktmöglichkeiten haben sie nicht, an Facebook und Skype ist noch nicht zu denken.

Zum Valentinstag schickt „Sunny“ seiner Valeria einen riesengroßen Blumenstrauß in die Vereinigten Staaten. „Ich hab’ fast meinen ganzen Verdienst da reingesteckt“, erzählt er mit einem schelmischen Grinsen. Ihren Eltern muss Valeria Gotesdiner eine fantasievolle Ausrede auftischen, wo der Strauß herkommt. Denn sie sehen die Beziehung ihrer Tochter nicht gern. „Ich hab sie überzeugt, dass er von Freunden ist und dass es ganz normal ist, sich im Freundeskreis Blumen zu schenken“, erzählt sie lachend. Nach knapp einem halben Jahr ist für die Argentinierin die Zeit in der pulsierenden Metropole vorbei. Wieder muss ihr Vater beruflich umziehen, diesmal nach Rom. In der „Ewigen Stadt“ will sie anfangen zu studieren. Aber es kommt anders als geplant. Gerade einmal sechs Wochen hält sie es aus, ehe sie dem Ruf ihres Herzens folgt und nach Offenbach zurückkehrt. „Ich habe Sunny angerufen und gesagt: ,Hol mich ab’“, blickt Valeria Gotesdiner zurück. Gesagt, getan – sofort setzt er sich in sein Auto und fährt die 1300 Kilometer lange Strecke von Offenbach nach Rom.

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Das war vor 20 Jahren. Seitdem leben sie gemeinsam in Offenbach. In ihrer Geburtstadt Buenos Aires war Valeria Gotesdiner indes schon lange nicht mehr: 20 Jahre ist ihr letzter Besuch mittlerweile her. Berufliche Gründe haben es immer verhindert. Aber das will sie bald ändern. „In den nächsten fünf Jahren will ich auf jeden Fall wieder hin“, versichert Valeria Gotesdiner.

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