Bald wieder Äppler aus Bieber?

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Die Beteiligten hoffen auf baldige Apfelblüte in Bieber.

Offenbach - Der Rotary-Club Offenbach hat eine Patenschaft über 20 Obstbäume übernommen. Bepflanzt wurde damit ein brachliegendes Grundstück der Stadt in Bieber. Von David Heisig

Auf der so entstehenden Streuobstwiese soll Naturschutz greifbar werden und nicht zuletzt so mancher Apfel abfallen. Die Verführung mit dem Apfel durch die Schlange kostete Adam und Eva bekanntermaßen das Paradies. Eine Gefahr, in die sich Naturliebhaber beim Besuch der neuen Streuobstwiese in Bieber zukünftig nicht begeben werden. Obwohl Verführung durchaus gewollt ist. Hat der Rotary Club Offenbach gemeinsam mit dem Umweltamt doch besonders schmackhafte Obstsorten angepflanzt.

So geschehen am Samstagvormittag. Ort der Begrünungsaktion ist ein Brachgelände Ecke Germania- und Würzburger Straße. Rund 20 Personen, Clubmitglieder und Vertreter der Stadt treffen sich zum symbolischen Spatenstich. „Große Schwarze Knorpelkirsche“, „Gellerts Butterbirne“ oder „Boskoop-Apfel“ sind nur einige der Sorten, die in den nächsten Jahren Früchte tragen sollen. „Traditionell“ seien diese, erklärt Ulrich Stenger, Vizepräsident der Rotarier und Gartenbaumeister. Er hat die Bäume besorgt, das Know-How eingebracht. Bei der Frage nach einer geeigneten städtischen Fläche, auf der man Obstbäume pflanzen kann, sei man gemeinsam mit dem Umweltamt dann auf das Areal in Bieber gekommen. Für Stenger ist diese Naturschutzpatenschaft „eine gute Kooperation“.

Der Name verdeutlicht schon das Hauptanliegen der Stadt: das Gebiet nachhaltig zu kultivieren und zu erhalten sowie die Natur zu schützen. Die 20 gespendeten Bäume sind ein erster Schritt. Der Flächennutzungsplan weist die Ecke als Landschaftsschutzgebiet aus.

Streuobstwiese als hochwertiges ökologisches Grünland

Eine Streuobstwiese anzulegen, entspreche dem Biotopcharakter des Geländes als hochwertiges ökologisches Grünland, sagt Biologe Daniel Engelhard vom Umweltamt. Dieser Kulturlandschaftstyp sei über Jahrhunderte prägend gewesen. Viele Arten hätten sich so angesiedelt, etwa der Steinkauz oder der Wendehals. Zudem sei typisch für die Streuobstwiesen ein durch die Obstanpflanzung entstehender nährstoffarmer Magerrasen, an den sich viele Insektenarten angepasst hätten, so Engelhard weiter. „Das ist ein komplexes System. Und das wollen wir hier auch versuchen, wieder zu entwickeln“, so der Biologe. Zudem sollen die Bürger für das Thema „nachhaltiger Naturschutz“ sensibilisiert werden. So könnten Patenschaften für die Bäume übernommen werden.

Ein Jahr lang wollen nun die Rotarier die Bäume pflegen und bewässern. Danach soll die Stadttochter GOAB das Areal langfristig kultivieren, die Bäume beschneiden und einen Wildschutz für die jungen Triebe errichten. GOAB-Mitarbeiter hatten auch schon die Vorarbeiten auf dem Gelände übernommen. Müll und Gestrüpp mussten entfernt, der Boden vorbereitet werden. Im nächsten Schritt sind im Herbst das Fällen standortfremder Gehölze entlang der Würzburger Straße und die Anpflanzung weitere Obstbäume vorgesehen. „Schritt für Schritt“ wolle man vorgehen, sagt der stellvertrende Amtsleiter Hartmut Luckner. Langfristig hofft er, dass das „Projekt Streuobstwiese“ Schule macht, private Anlieger in der Gegend in eine ähnliche Richtung denken. Zudem sei Vertragsnaturschutz vorstellbar, ergänzt Biologe Engelhard, indem etwa ein Schäfer seine Tiere dort weiden lasse. Sich von leckeren Früchten verführen zu lassen ist jedenfalls eines der nächsten Ziele. Vielleicht kann so auch bald wieder Äppler aus Bieber fließen.

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