Gedruckter Lokalpatriotismus

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Weggefährten (von links): Karl-Heinz Herzing, Günter Röben, Ernst Gesser und Raiffeisenbank-Vorstand Karlo Uhlein mit der Sammlung der Röben-Lieder und -Texte. Das Buch ist ab sofort erhältlich.

Bieber ‐ Künstlerische Allgegenwart ist eine zwiespältige Angelegenheit. Naht ein besonderer Geburts- oder Todestag von Mozart, Goethe, Schiller, zelebriert die Welt ein Mozart-, Goethe- oder Schillerjahr. Orchester und Bühnen spielen dann der Deutschen liebste Komponisten, Dichter, Denker rauf und runter, und irgendwann ist das Publikum froh, wenn auch mal wieder was anderes auf dem Programm steht. Von Marcus Reinsch

Solche Übersättigung wird Günter Röben nicht widerfahren - obwohl in Bieber eigentlich jedes Jahr Röbenjahr ist. Kaum eine Gelegenheit, bei der sein längst zur Bieberer Nationalhymne erhobenes Bekenntnis „Wir sind mit Leib und Seele Bieberer“ nicht geschmettert wird. Text und Melodie sind den Stadtteilern, die keine sein wollen, in Fleisch und Blut und Seele übergegangen - während ihnen Röbens Beiträge zur Bieberer Fastnacht zumeist direkt ins Zwerchfell fuhren.

Der Könner hat gegenüber berühmteren Künstlern nicht nur den entscheidenden Vorteil der Quicklebendigkeit. Und wenn man ihm in den vergangenen neun Monaten etwas seltener begegnete, so lag‘s daran, dass er gemeinsam mit Karl-Heinz Herzing im Archiv wühlte und auf Bitten seines Freundes Ernst Gesser ein Buch gebahr: „Günter Röben - 25 Jahre Texte und Melodien“, 172 großformatige Seiten zwischen zwei stabilen Deckeln, ausgestaltet und gedruckt von der Bieberer Druckerei Gathof. Drin stecken vor allem 70 teils neu arrangierte Röben-Lieder samt Texten, von Herzing mit Hilfe eines Computerprogramms in Form gebracht. Hinzu kommen 40 fast ausschließlich von den Damen des Bieberer Fotostudios Pfeifer erstellte Fotografien, die Röbens Schaffenskraft dokumentieren. Es sind wertvolle Erinnerungen an die Fastnachtskampagnen der Jahre 1986 bis 1995, in denen Röben die Sitzungen der Interessengemeinschaft Bieberer Fastnacht (IGBiF) mit seinen legendären Lokal-Musicals adelte. Und welche an die drei musikalischen Theaterstücke aus seiner Feder, die der Heimatverein seit 1996 bis heute 13 mal aufführte.

1000 Exemplare drucken lassen

Es gibt auch Bilder aus fernerer Vergangenheit. Auf ihnen feiert der junge Röben mit dem Instrumental- und Gesangstrio „Die drei Canaris“ Erfolge, führt den „Günter-Röben-Chor“, hat Fernsehauftritte mit Heinz Schenk im „Blauen Bock“ und punktet mit der ebenfalls fernsehreifen Frack- und Zylindergruppe „Die fröhlichen Vier“. All das hat in Bieber Kultcharakter. Günter Röben - im aufstrebenden Bieber geboren im Mai 1935, drei Jahre vor der so unverdaulichen Eingemeidung nach Offenbach - ist ein Vulkan, aus dem Heimatgefühl fließt wie Lava, an der Lokalpatrioten ihre Herzen wärmen.

1000 Exemplare des Buchs hat die Raiffeisenbank Offenbach/M. -Bieber drucken lassen und ist nun nicht von vielen Zweifeln geplagt, dass es genug Menschen gibt, die im Bank-Domizil in der Aschaffenburger Straße eins kaufen werden. „Ich bin der Meinung, dass so ein Buch in jeden Bieberer Haushalt gehört“, gibt Vorstand Karlo Uhlein zu Protokoll.

Überdies liegen die 9,50 Euro Verkaufspreis unter den Selbstkosten. Die Bank schießt den Rest zu, weil sie, wie der Aufsichtsratsvorsitzende und Röben-Weggefährte Ernst Gesser im Vorwort schreibt, „ein besonderes Verhältnis zu der Geschichte Biebers hat“. Auch sie habe - allerdings erfolgreich - immer Wert auf ihre Selbständigkeit gelegt. Das Text- und Liedgut, mit dem Röben vielen Menschen unvergessliche schöne Stunden“ geschenkt habe, müsse nachfolgenden Generationen erhalten bleiben.

Das wird es wohl. Ein nur Unvergesslichen vergönntes Privileg ist es, wenn ihre Vornamen bekannt, aber verzichtbar sind. Wolfgang Amadeus Mozart war irgendwann nur noch Mozart. Johann Wolfgang von Goethe ist schlicht als Goethe geläufig. Und wenn ein Günter-Röben-Werk besonders gut gefallen hat, erklären sich die Bieberer am nächsten Tag, das sei ein echter Röben“ gewesen.

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