Gedrückte Stimmung bei „manroland“-Azubis

+
Christian Czmok

Offenbach - Seine Zuversicht lässt sich der Jungfacharbeiter zwar nicht nehmen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Christian Czmok. Aber: „Man weiß nicht, wie es weitergeht. Von Marc Kuhn

Es ist eine schwierige Situation zurzeit“, erklärt der 20-Jährige, der seine Lehre beim insolventen Druckmaschinenhersteller „manroland“ in Offenbach abgeschlossen hat und seit dem Sommer dort angestellt ist. Mit Skepsis dürften alle 93 Azubis in die Zukunft blicken, seit ihr Arbeitgeber sich für zahlungsunfähig erklären musste. Czmok vertritt sie in der Jugend- und Auszubildenden-Vertretung des Unternehmens.

Egal ob „manroland“ zerschlagen wird oder nicht, ähnlich wie seine gestandenen Kollegen rechnet Czmok mit einem weiteren Personalabbau. Er befürchtet, dass zuerst die Jüngeren gekündigt werden. Viele seien schließlich nicht verheiratet und hätten keine Familien. Nach den Sozialkriterien drohen ihnen früher Kündigungen als Älteren mit Kindern. Der Altersdurchschnitt liege bei „manroland“ schon jetzt bei 47 bis 48 Jahren, berichtet Czmok. Müssten die Jüngeren den Betrieb verlassen, habe „manroland“ in fünf bis zehn Jahren ein Problem, weil ältere Kollege dann in Rente gehen. „Das Wissen sollte an die jüngere Generation weitergeben werden“, fordert Czmok.

Knowhow des Druckspezialisten

Ohnehin ist er stolz darauf, dass ihm das Knowhow des Druckspezialisten vermittelt wird und darauf, dass er an den komplexen Maschinen arbeiten kann. „Ich bin froh über jeden Tag, den ich herkommen darf“, sagt Czmok. Der Industriemechaniker spricht von einer hochqualifizierten Ausbildung, die er bei „manroland“ durchlaufen hat.

Doch seit der Insolvenz hat sich vieles geändert. Die Stimmung unter den Auszubildenden sei gedrückt, berichtet Czmok, „wenn man es harmlos ausdrücken will.“ Viele Azubis würden schon fragen, ob sie sich um eine neue Lehrstelle bewerben sollen. Doch: „93 Auszubildende in Offenbach unterzubringen, ist nicht einfach“, gibt Czmok zu bedenken. Er und die Azubis kämpfen deshalb unter anderem bei den Veranstaltungen der IG Metall in Offenbach für den Erhalt der Ausbildungswerkstatt von „manroland“. „Ich hoffe nicht, dass der Worst Case eintritt“, sagt er mit Blick auf das möglich Aus für „manroland“.

Alles zur Krise des Unternehmens „manroland“ finden Sie im Stadtgespräch

Trotz der Unsicherheiten bei „manroland“ arbeitet Czmok wie andere junge Mitarbeiter des Druckmaschinenbauers an seiner Zukunft. So hat er sich dafür entschieden, neben seiner Arbeit eine Weiterbildung in der Fachrichtung Maschinenbau zu beginnen. Mit der Zusatzqualifikation will Czmok seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Er betont, dass die Aussichten dort für jüngere Kollegen ohnehin besser seien als für Ältere. Nicht zuletzt deshalb hofft der 20-Jährige, egal ob „manroland“ zerschlagen wird oder nicht, dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten werden.

Kommentare