Messerangriff

Offenbach: On-Off-Beziehung endet beinahe tödlich

Symbolbild Messerangriff.
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Symbolbild Messerangriff.

Eine Krankenschwester aus Offenbach erleidet nach einem Messerangriff durch ihren Ex-Freund schwere Verletzungen.

  • Eine Offenbacher Krankenschwester erleidet nach einem Messerangriff durch ihren Ex-Freund schwere Verletzungen.
  • Die Beziehung war mehrfach beendet worden, bei der endgültigen Trennung kam es zum Angriff.
  • Vor Gericht nun die „gefährliche Körperverletzung“ verhandelt, bei der weitere Details ans Licht kamen.

Offenbach - Sie liegt zwei Stunden im eigenen Blut, das nach einem Messerstich in den Bauch die Bettlaken tränkt. Dann erst entscheidet Verursacher Vahid A. (39), endlich die Sanitäter zu rufen. Bauchmuskel, Pankreas, Leber und Magen sind perforiert, nur eine mehrstündige Notoperation rettet das Leben der 40-jährigen Krankenschwester V. Nun sitzt A. mit der Anklage „gefährliche Körperverletzung“ vor der 12. Strafkammer des Landgerichts, erzählt von einer belastenden On-Off-Beziehung mit dem Opfer.

Ein Pluspunkt für die Hauptverhandlung: Was sich wirklich in V.s Wohnung im Offenbacher Osten kurz vor dem Jahreswechsel abspielte, ist - anders als bei vielen anderen Gewaltdelikten - gut rekonstruierbar. Das Opfer war nach dem Stich mit dem langen Küchenmesser bei vollem Bewusstsein, erst im Rettungswagen verliert sich ihre Erinnerung: „Die letzten Worte, die ich hörte, waren Tubus und Sana-Klinikum. Ich weiß nicht mehr, an welchem Tag ich wieder aufgewacht bin.“ Und A. selbst lässt durch Verteidiger Clemens Brendel eine Erklärung verlesen.

Beziehung mehrfach beendet: Nach endgültiger Trennung kommt es zum Messerangriff

Glaubt man diesen Worten, war es nicht seine Absicht, die Mutter zweier Söhne zu töten. „Im August 2019 lernten wir uns kennen. Im Lauf der paar Monate hat V. mehrfach Schluss gemacht, das hat mich psychisch sehr mitgenommen. Am 30. Dezember kam es nach einer erneuten, scheinbar endgültigen Trennung zum Streit.“ Infolge der Auseinandersetzung habe sein Mandant das Messer genommen, das auf dem Küchentisch lag, und zugestochen. „Sie sackte zusammen, ich brachte sie in Schlafzimmer und legte sie aufs Bett. Dann holte ich Whisky, um die Wunde zu desinfizieren.“

Er habe sie nicht einsperren, sondern ihr helfen wollen. Sie habe ihn aber nicht darum gebeten, den Notarzt zu rufen. Als er ging, habe er die Wohnungstür für die Rettung aufgelassen. Im Treppenhaus sei er dann von der Polizei festgenommen worden. „Ich habe ihr nicht angedroht, noch einmal zuzustechen oder mich selbst töten zu wollen!“, liest Brendel. Doch genau das behauptet V.

Offenbacherin ringt mit Emotionen: Aussage des Opfers schildert Tatverlauf

Gleich nach der Aussage des Angeklagten hat die Nebenklägerin das Wort. Die große schlanke Frau hatte bis dahin den Sitzungssaal verlassen, weil ihr beim Anblick von A. die Tränen kamen. Auch jetzt ringt sie zwischendurch mit den Emotionen: „Wir hatten noch einmal zusammen in der Küche gegessen, dann stand A. auf, um seine Jacke zu holen. Er kam mit einem Messer zurück, das nicht mir gehörte.“ An den Haaren habe er sie gepackt, mit dem Kopf an die Wand gedrückt und das Messer in den Bauch gerammt. „Ich bückte mich und drückte die Hand auf die Wunde, um die Blutung zu stoppen. Doch er zog die Hand weg und sagte: ‘Fass das nicht an’!“ Dann habe der Ex-Freund gedroht, aus dem Fenster zu springen, was aber nicht passierte. Stattdessen habe er sie ins Schlafzimmer geschleift.

„Dann holte er Schnaps und nahm einen Schluck, ging raus und urinierte in den Flur. Kam wieder rein und warf das Messer aufs Bett.“ Als sie das Messer packte, um es zu verstecken, habe er es ihr weggenommen – wobei sie sich noch eine Sehnenverletzung an der Hand einfing. „Ich bekam keinerlei Hilfe von ihm. Irgendwann gab er mir das Handy, da konnte ich meine Kollegin anrufen und ihr sagen, dass ich nicht zur Nachtschicht kommen kann. Warum, habe ich aus Angst verschwiegen.“

Schmerzen und kaputte Hand: Offenbacherin leidet unter Folgeschäden des Messerangriffs

Der Vorsitzende Richter Dr. Christoph Trapp versäumt es nicht, die wichtige Frage nach den Spätfolgen zu stellen. Wie geht es der Offenbacherin heute? „Ich war bis Ende Februar krank geschrieben. Meine linke Hand funktioniert nicht mehr so wie früher. Manchmal hab ich Schmerzen im Magen und unter der Narbe. Ich traue mich nachts nicht mehr raus. Für die 500 Meter bis zur Klinik habe ich ein Auto gekauft.“

Dass der Iraner schwierig war, erfuhr V. schon in den Monaten vor der Tat: „In Auseinandersetzungen ließ er sich auf den Boden fallen und weinte. Einmal packte er mich am Hals. Dann wiederum griff er zum Messer, um sich selbst zu stechen. Auch hat er mit meinem Ex-Ehemann in Serbien Kontakt aufgenommen und versucht, meine bei ihm lebenden Kinder von mir fernzuhalten.“ Nach einigen Tagen habe man sich aber versöhnt und sei wieder zusammen gekommen. Die zwei Söhne wohnen seit einem Monat bei V. (Von Silke Gelhausen)

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