Was sich nicht gleicht

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Brust raus, souveräner Blick, jetzt gilt‘s: Bei der 60. Freilandschau des Geflügelzuchtvereins Erlenbruch stellt sich ein „Brahma Hahn 1,0 rebhuhnfarbig-gebändert“ dem Urteil der Preisrichter Herbert Bauer (l) und Thomas Ruth.

Offenbach - Für das Auge des Laien gleicht nicht nur ein Ei dem anderen. Auch das Huhn, das es legt, sieht nicht anders aus als das Tier, das nebenan die Krumen vom Boden pickt. Von Stefan Mangold

Nicht jedoch für die Züchter von Rassegeflügel und schon gar nicht für die Preisrichter, die entscheiden müssen, ob das „1.0-Exemplar“ einer Art schöner anzusehen ist als sein Geschlechtsgenosse, „denn 1.0 ist der Code für ein männliches Tier, 0.1 für ein weibliches,“ erklärt Herbert Bauer.

Der passionierte Züchter von Hühnern begutachtete am Samstag während der das ganze Wochenende laufenden 60. Freilandschau des Geflügelzuchtvereins Erlenbruch als Preisrichter auch die „Overberger Enten“. Vertreter dieser Rasse nehmen noch nicht lange an den Wettkämpfen der Züchter teil, weil diese Gattung erst relativ kurz existiert. Mitte der neunziger Jahre entstand die Spezies in Holland aus der genetischen Mixtur von sieben Entenrassen. Was die ideale Overberger Ente ausmacht, „ist unter anderem die gut gerundete Brust oder der zum Schnabel spitz zulaufende Kopf.“ Außerdem darf das Gefieder nicht zu weich sein, „sonst steht es ab.“ Anschließend betrachtet Herbert Bauer einen bunt gefiederten „Brahma-Hahn“. Der entspricht dem Bild, das sich der Städter von Federvieh auf dem Lande macht, das in der Morgendämmerung auf dem Misthaufen steht und die Dorfbewohner aus den Betten krächzt.

Alles, worauf ein Preisrichter achten muss, steht in einem Katalog. „Dennoch kommt es zu Diskussionen,“ sagt Dieter Kinzler, der die Ausstellung leitet. „Der eine empfindet die Farbe des Gefieders als zu blass, während der andere sie für kräftig genug hält.“

Insgesamt stehen auf dem 24 Hektar großen Vereinsgelände 350 Vögel zum Wettbewerb aus, darunter auch Tauben und Gänse.

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