Kritik der Wirtschaftsverbände

Gegen Rückkehrrecht nach Teilzeitarbeit

Offenbach - Sprecher von Wirtschaftsverbänden kritisieren den von Union und SPD geplanten Rechtsanspruch auf befristete Teilzeitbeschäftigung.

Markus Weinbrenner, Hauptgeschäftsführer der Industrie und Handelskammer (IHK) in Offenbach, sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „Eine gesetzliche Regelung ist für Betriebe im Alltag praktisch nicht machbar und geht eindeutig zu weit. Es fehlt die Planbarkeit im Betriebsablauf. Falls beispielsweise eine 40-Stunden-Vollzeitkraft von jetzt auf gleich nur noch 30 Stunden arbeiten will, wie soll die Differenz von zehn Stunden aufgefangen werden?“

Letztendlich hätte ein solches Gesetz negative Wirkungen auf die Arbeitsmarktpolitik, da Unternehmen in Anbetracht der genannten Problematik vor Neueinstellungen zurückschrecken würden. Statt auf gesetzliche Regulierung zu setzen, sollten individuelle Lösungen unterstützt werden, rät Weinbrenner. Schon jetzt müssten Teilzeitbeschäftigte bei der Besetzung von freien Vollzeitstellen bevorzugt behandelt werden, so Achim Dercks, Vize-Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Und Beschäftigte, die im Rahmen der Elternzeit ihre Arbeitszeit reduzierten, hätten ohnehin einen Anspruch auf Rückkehr in ihre ursprüngliche Arbeitszeit. Da brauche es keine weiteren Regelungen. Grundsätzlich meinte Dercks zu den Plänen: „Das leistet zusätzlicher Befristung oder Minijobs Vorschub, die die Koalitionäre doch gerade nicht fördern wollen. “.

Union und SPD hatten sich bei den Koalitionsverhandlungen darauf verständigt, dass Eltern künftig mehr Teilzeit arbeiten können und die Elternzeit flexibler gestalten dürfen. Dazu wollen sie einen Rechtsanspruch auf eine Befristung der Teilzeit für die Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen einführen. Ferner sollen Eltern die 36 Monate Elternzeit flexibler gestalten können. So sollen Mütter und Väter künftig auch ohne die Zustimmung des Arbeitgebers nach angemessener vorheriger Anmeldung zwischen dem 3. und dem 14. Lebensjahr des Kindes 24 Monate Elternzeit in Anspruch nehmen dürfen. Derzeit haben Eltern nur auf zwölf Monate bis zum 8. Lebensjahr des Kindes Anspruch.

psh

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