Starke Schüler, für Konflikte gerüstet

Gegen Sucht und Gewalt: Zertifikat für Koch-Schule

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Michael Suran und Eduard Schulz kühlen Eisenstäbe in einer Schale.

Offenbach - Es geht an diesem Tag in der Rudolf-Koch-Schule um Sucht und Gewalt. Das Staatliche Schulamt hat dem Gymnasium gerade ein Teilzertifikat überreicht, das die Bemühungen um Vorbeugung würdigt. Von Sonja Achenbach

Was folgt, irritiert zunächst: Die Zwölftklässler Michael Suran und Eduard Schulz sehen ein bisschen aus wie vermummte Safeknacker, mit Schutzhandschuhen, Brillen und Gesichtsschutz. Mit Bunsenbrennern erhitzen sie Metallstangen und bearbeiten mit dem glühenden Ende ein schmales Stück Lederhaut. Es entsteht das Satzfragment „Weil ich (...) werden will“. Mitschülerin Melis Yialmaz ergänzt mit Pinsel und schwarzer Farbe das Wort „geliebt“.

„Weil ich geliebt werden will“ – so lautet die Botschaft des Projekts, mit dem das Trio die Feier bereichert. Schulleiterin Christiane Rogler zeigt sich von der Arbeit der Schüler beeindruckt. Sie sieht diese als Beweis dafür, dass die Schwerpunkte Kultur und Gewaltprävention an ihrem Gymnasium nicht nur existieren, sondern gelebt werden.

Projekte wurden nicht nur für das Zertifikat ins Leben gerufen

„Das ging unter die Haut“, freut sie sich lobt damit die Arbeit der Schulkünstlerin Tanja Leonhardt mit dem Grundkurs Deutsch. Christiane Rogler betont, dass die einzelnen Projekte zur Sucht- und Gewaltprävention nicht nur für die Zertifikatsverleihung ins Leben gerufen worden sind. Schon vor acht Jahren begannen die Verantwortlichen an der Schlossstraße damit, über das PiT-Training Schüler zu konfliktstarken Persönlichkeiten zu erziehen. Vier Jahre ist diese Arbeit erweitert worden.

Wie verhalte ich mich in einem Konfliktfall richtig? Was kann ich tun, um Mobbing zu erkennen und zu bekämpfen? In der Rudolf-Koch-Schule werden junge Menschen durch Programme auf mögliche Konflikt- und Gefahrensituationen vorbereitet. Schon im Jahrgang 5 setzen die „Projekttage Soziales Lernen“ an. Durch Spiele und Gruppentraining sollen die jungen Menschen unter anderem Zusammenarbeit und den Umgang mit Gefühlen lernen.

Schüler werden zu Konfliktfähigkeit erzogen

Bei der Zertifikatsübergabe lobte Karla Drechsler-Schubkegel vom Staatlichen Schulamt in Offenbach die Arbeit des Gymnasiums: „Von Anfang an werden die Schülerinnen und Schüler zu Selbstständigkeit, Selbstverantwortung und Konfliktfähigkeit erzogen.“

In der Jahrgangsstufe 7 beginnt das „Prävention im Team-Training“. Dieses PiT-Training soll den jungen Menschen dabei helfen, angemessen zu reagieren, wenn sie mit Konflikten im öffentlichen Raum konfrontiert werden. Sportturniere sollen ergänzend dazu die Schüler stark machen, wie Christiane Rogler erzählt.

Speziell ausgebildete Schüler als Streitschlichter

Allen Beteiligten ist klar, dass solche Programme allein den Schülerinnen und Schülern zwar Lösungsvorschläge an die Hand geben können, eine garantierte Streitschlichtung und Gefahrenvermeidung aber keinesfalls gegeben ist. Aber wenn es zum Krach kommt, sind speziell ausgebildete Schüler als Streitschlichter da. Zudem stehen Seelsorger und Lehrer als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung.

Das Zertifikat „Sucht- und Gewaltprävention“ ist das zweite offizielle der Rudolf-Koch-Schule. Vier weitere Zertifikate müssen noch erworben werden: Dann darf sich das Gymnasium mit dem Titel „Gesundheitsfördernde Schule“ schmücken.

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